Nephrotisches Syndrom
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- Nephrose, große Proteinurie, Eiweißverlust über die Niere, Wassereinlagerungen durch Eiweißverlust
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Nephrologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (1)
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Das nephrotische Syndrom ist durch eine große glomeruläre Proteinurie im nephrotischen Bereich (> 3,5 g/Tag; teils wird bereits ≥ 3 g/Tag angesetzt), Hypalbuminämie und Ödeme gekennzeichnet; meist bestehen zusätzlich Hyperlipidämie und Lipidurie. Es ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Syndrom verschiedener Glomerulopathien.
Vorkommen & Epidemiologie
Das nephrotische Syndrom kommt in jedem Alter vor, ist aber bei Kindern häufiger (mittleres Diagnosealter 5–6 Jahre, meist Minimal-Change-Glomerulopathie). Unter 8 Jahren sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen, später beide Geschlechter gleich häufig. Kongenitale Formen manifestieren sich im ersten Lebensjahr.
Ätiopathogenese
- Primäre Ursachen: Minimal-Change-Glomerulopathie, fokal segmentale Glomerulosklerose, membranöse Nephropathie; seltener membranoproliferative Glomerulonephritis oder IgA-Nephropathie
- Sekundäre Ursachen (bei Erwachsenen häufiger): diabetische Nephropathie, systemischer Lupus erythematodes, Amyloidose, Präeklampsie, Tumoren (Karzinome, Lymphome, Myelom), Infektionen (Hepatitis B und C, HIV, Syphilis, Malaria), Medikamente und Substanzen (z. B. NSAR, Heroin), schwere Adipositas, genetische Syndrome
Pathophysiologisch sind Endothelzellen, glomeruläre Basalmembran oder Podozyten geschädigt, die normalerweise Proteine nach Größe und Ladung zurückhalten. Mit dem Urin gehen neben Albumin auch Antikörper, Opsonine, Antithrombin III, Transferrin und Bindungsproteine für Hormone und Vitamin D verloren; daraus erklären sich die Komplikationen.
Klinik
Symptome und Komplikationen
Leitsymptome sind Ödeme (periphere Ödeme, dazu Aszites und Pleuraergüsse), schäumender Urin, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Ergüsse können Dyspnoe, Gelenkbeschwerden oder Bauchschmerzen verursachen; an den Fingernägeln können weiße Querbänder (Muehrcke-Linien) auftreten.
- Thromboembolien, besonders Nierenvenenthrombose und Lungenembolie (Verlust von Antithrombin III, vermehrte hepatische Gerinnungsfaktorsynthese)
- Infektionen wie Phlegmone und spontan bakterielle Peritonitis (Verlust von Antikörpern und Opsoninen)
- Dyslipidämie mit erhöhtem Atheroskleroserisiko, Hypertonie, Anämie, Vitamin-D-Mangel und chronische Nierenkrankheit
Diagnostik
- Proteinurie: Protein-Kreatinin-Quotient im Spontanurin oder 24-Stunden-Sammelurin (normal < 150 mg/24 h)
- Urinsediment: Lipidurie mit ovalen Fettkörperchen und Fettzylindern; Cholesterin zeigt im polarisierten Licht ein Malteserkreuz
- Blut: Serumalbumin oft < 2,5 g/dl (25 g/l), erhöhtes Gesamtcholesterin und Triglyzeride, Kreatinin und Harnstoff je nach Nierenfunktion
- Suche nach sekundären Ursachen je nach klinischem Kontext: HbA1c, antinukleäre Antikörper, Hepatitis-B- und -C-Serologie, HIV- und Syphilis-Serologie, Serum- und Urinelektrophorese, Kryoglobuline, Komplement C3 und C4
- Nierenbiopsie: bei Erwachsenen mit unklarer Ursache zur Diagnose der zugrunde liegenden Glomerulopathie; bei Kindern mit typischem Bild wird meist eine Minimal-Change-Glomerulopathie angenommen
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Nephrologie
- Akute Nierenschädigung (akutes Nierenversagen)
- Chronische Nierenkrankheit (chronische Niereninsuffizienz)
- Nephritisches Syndrom und Glomerulonephritis
- Akute interstitielle Nephritis
- Goodpasture-Syndrom (Anti-GBM-Erkrankung)
- Membranöse Nephropathie
- Nierenarterienstenose
- Diabetische Nephropathie
- Harnwegsinfektion und Zystitis
- Akute Pyelonephritis
- Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD)
- Hantavirus-Infektion (Nephropathia epidemica)
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.