Reaktive Arthritis
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- Reiter-Syndrom, postinfektiöse Arthritis, Morbus Reiter, urethro-okulo-synoviales Syndrom, Keratoderma blennorrhagicum
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Rheumatologie & Immunologie
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- Klinik 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Die reaktive Arthritis ist eine akute Spondyloarthritis, die meist durch eine vorausgehende urogenitale oder gastrointestinale Infektion ausgelöst wird. Es handelt sich um eine postinfektiöse Arthritis: Erregerbestandteile lassen sich teils mittels PCR in der Synovialis nachweisen, die Erreger selbst sind aus der Gelenkflüssigkeit aber nicht anzüchtbar. Das Spektrum reicht von einer flüchtigen Monarthritis bis zu einer schweren Multisystemerkrankung.
Vorkommen & Epidemiologie
Die sexuell übertragene Form betrifft vorwiegend Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Die postenteritische Form kommt bei beiden Geschlechtern vor. HLA-B27 findet sich bei bis zu etwa 80 % der Betroffenen gegenüber etwa 7 % bei gesunden Vergleichspersonen.
Ätiopathogenese
- Urogenitale Form: am häufigsten nach Infektion mit Chlamydia trachomatis.
- Postenteritische Form: nach Infektionen mit Shigellen, Salmonellen, Yersinien, Campylobacter oder Clostridioides difficile.
- Auch nach Instillation von BCG bei Harnblasenkarzinom beschrieben.
- Bei etwa 40 % lässt sich kein Erreger nachweisen.
- Genetische Veranlagung durch HLA-B27.
Klinik
- Urethritis 7–14 Tage nach sexuellem Kontakt (seltener nach Durchfall), in den folgenden Wochen subfebrile Temperaturen, Konjunktivitis und Arthritis; inkomplette Formen sind häufig.
- Arthritis: asymmetrisch und oligoartikulär, bevorzugt Zehen und große Gelenke der Beine; große, oft erstaunlich wenig schmerzhafte Kniegelenksergüsse; Daktylitis.
- Enthesitis (Plantarfasziitis, Achillessehnenentzündung, Periostitis der Finger) ist häufig und charakteristisch.
- Rückenschmerzen bei schwerer Erkrankung; chronischer axialer Befall eher bei HLA-B27-Positiven, mit asymmetrischen, plumpen Syndesmophyten.
- Haut und Schleimhäute: schmerzlose oberflächliche Ulzera an Mundschleimhaut, Zunge und Glans penis (Balanitis circinata); Keratoderma blennorrhagicum an Handflächen und Fußsohlen; Nageldystrophie; Erythema nodosum besonders nach Yersinien-Infektion.
- Augen: Konjunktivitis am häufigsten, auch Keratitis und anteriore Uveitis.
- Selten Aortitis, Aorteninsuffizienz, Reizleitungsstörungen, Pleuritis.
- Allgemeinsymptome: Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust.
Diagnostik
- Die Diagnose ist klinisch: typische periphere Arthritis plus Symptome einer urogenitalen oder gastrointestinalen Infektion oder ein weiteres extraartikuläres Merkmal. Da die Merkmale zeitversetzt auftreten, kann die Diagnose Monate dauern.
- Verdächtig ist eine akute asymmetrische Arthritis der großen Beingelenke oder Zehen, besonders mit Enthesitis, Daktylitis oder vorausgegangenem Durchfall bzw. Dysurie.
- Komplementspiegel in Serum und Gelenkflüssigkeit sind erhöht, aber nicht diagnostisch.
- Bei schwerer reaktiver Arthritis wird an eine HIV-Infektion gedacht.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Rheumatologie & Immunologie
- Rheumatoide Arthritis
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Granulomatose mit Polyangiitis (GPA, Morbus Wegener)
- Polymyalgia rheumatica
- Gicht (Arthritis urica)
- Morbus Behçet
- Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis)
- Septische Arthritis
- Mischkollagenose (Sharp-Syndrom)
- Psoriasis-Arthritis
- Uveitis bei rheumatischen Erkrankungen
- Adulter Morbus Still
Siehe auch
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.