Rheumatoide Arthritis
Prüfungsrelevanz: in 12 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 20- Synonyme
- Rheuma, chronische Polyarthritis, Gelenkrheuma, cP, Anti-CCP, Rheumafaktor
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Rheumatologie & Immunologie
- Bilder
- Klinik 3 · Histologie 1 · Röntgen 2 · CT 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (7)

Histologie
Röntgen

Röntgen
CTDefinition
Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische systemische Autoimmunerkrankung, die vor allem die Gelenke betrifft. Kennzeichnend ist eine symmetrische Entzündung peripherer Gelenke, typischerweise der Hand- und Fingergrundgelenke, mit fortschreitender Zerstörung von Knorpel, Knochen und Bandapparat. Die Schädigung wird durch Zytokine und Metalloproteasen vermittelt. Häufig bestehen Allgemeinsymptome und extraartikuläre Manifestationen.
Einteilung
Klassifikationskriterien
Die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010 gelten für Patienten mit mindestens einem klinisch eindeutig geschwollenen Gelenk (Synovitis), das nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt ist. Ab 6 von 10 Punkten wird eine RA klassifiziert:
- A. Gelenkbefall: 1 großes Gelenk 0; 2–10 große Gelenke 1; 1–3 kleine Gelenke 2; 4–10 kleine Gelenke 3; mehr als 10 Gelenke (davon mindestens 1 kleines) 5 Punkte
- B. Serologie: Rheumafaktor und Anti-CCP negativ 0; niedrig positiv (bis 3-fach der Norm) 2; hoch positiv (über 3-fach) 3 Punkte
- C. Akute-Phase-Reaktion: CRP und BSG normal 0; CRP oder BSG erhöht 1 Punkt
- D. Symptomdauer: unter 6 Wochen 0; mindestens 6 Wochen 1 Punkt
Distale Interphalangealgelenke, Daumensattelgelenk und Großzehengrundgelenk werden nicht gewertet. Große Gelenke sind Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk; kleine Gelenke sind Fingergrund- und Fingermittelgelenke, Zehengrundgelenke 2–5, Daumeninterphalangealgelenk und Handgelenk.
Vorkommen & Epidemiologie
Etwa 0,5 % der Bevölkerung sind betroffen. Frauen erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten zwischen 35 und 50 Jahren; sie kommt auch im Kindes- und im höheren Lebensalter vor.
Ätiopathogenese
Die genaue Ursache ist unbekannt. Eine genetische Veranlagung ist mit dem „shared epitope“ im HLA-DRB1-Locus verknüpft. Risikofaktoren für Entstehung oder schwereren Verlauf sind Rauchen, Adipositas, Geschlechtshormone, bestimmte Medikamente, Veränderungen des Mikrobioms von Darm, Mund und Lunge sowie Parodontitis.
Pathogenese: Plasmazellen bilden Autoantikörper wie Rheumafaktor und Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP); Anti-CCP sind oft lange vor den ersten Entzündungszeichen nachweisbar. In die Synovialis wandern Makrophagen und vorwiegend CD4-positive T-Zellen ein und setzen Tumornekrosefaktor-α, Interleukine und weitere Mediatoren frei. Die verdickte, zottig proliferierende Synovialis (Pannus) wächst in Knorpel, subchondralen Knochen, Gelenkkapsel und Bänder ein; Kollagenase und Stromelysin zerstören den Knorpel, osteoklastäre Resorption den Knochen.
Klinik
Gelenkbefall
- Meist schleichender Beginn mit Allgemeinsymptomen (Müdigkeit am Nachmittag, Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Schwäche, gelegentlich subfebrile Temperaturen) und Gelenkbeschwerden; gelegentlich akuter Beginn, der einem viralen Infekt ähneln kann.
- Symmetrischer Befall mit Schmerz, Schwellung und Morgensteifigkeit über 60 Minuten; Steifigkeit auch nach längerer Ruhe.
- Am häufigsten befallen sind Handgelenke sowie Grundgelenke von Zeige- und Mittelfinger, ferner Fingermittelgelenke, Zehengrundgelenke, Schultern, Ellenbogen, Hüften, Knie und Sprunggelenke. Die distalen Interphalangealgelenke bleiben ausgespart.
- Seltenere Muster: Monarthritis, polymyalgieartiger Beginn bei Älteren, palindromer Rheumatismus.
- Deformitäten: Beugekontrakturen, Ulnardeviation der Finger, Schwanenhals- und Knopflochdeformität; Karpaltunnelsyndrom, Baker-Zyste.
- Halswirbelsäule: bei langjähriger aktiver Erkrankung häufig, mit möglicher atlantoaxialer Subluxation und Myelopathie; die Lendenwirbelsäule ist typischerweise nicht betroffen.
Extraartikuläre Manifestationen
- Rheumaknoten bei bis zu 30 %, an Druckstellen wie Unterarmstreckseite, Fingergrundgelenken oder Fußsohlen; auch viszeral, z. B. in der Lunge.
- Vaskulitis mit Unterschenkelulzera, Fingerischämie oder Mononeuritis multiplex.
- Lunge und Herz: Pleura- und Perikarderguss, interstitielle Lungenerkrankung, Bronchiolitis obliterans, Perikarditis, Myokarditis.
- Felty-Syndrom: Neutropenie mit Splenomegalie (bei 1–2 %).
- Augen: sekundäres Sjögren-Syndrom, Episkleritis, Skleromalazie.
- Erhöhtes Risiko für frühe koronare Herzkrankheit, Osteoporose und bestimmte Malignome (Lunge, lymphoproliferative Erkrankungen, nichtmelanozytärer Hautkrebs).
Diagnostik
Labor
- Rheumafaktor: bei etwa 70 %; nicht spezifisch, niedrige Titer auch bei anderen rheumatischen Systemerkrankungen, chronischen Infektionen (z. B. Hepatitis C), Malignomen, bei 3 % der Bevölkerung und 20 % älterer Menschen.
- Anti-CCP-Antikörper: Spezifität etwa 90 %, Sensitivität etwa 77–86 %; bei Hepatitis C negativ. Rheumafaktor und Anti-CCP schwanken nicht mit der Krankheitsaktivität.
- BSG und CRP bei aktiver Erkrankung meist erhöht; Thrombozytose.
- Blutbild: normochrome, normozytäre Anämie bei bis zu 60 %; leichte polyklonale Hypergammaglobulinämie.
- Gelenkpunktat bei akutem Erguss: trüb, gelb, steril, meist 10.000–50.000 Leukozyten/µl, keine Kristalle; dient der Abgrenzung von septischer und Kristallarthritis.
Bildgebung und weitere Untersuchungen
- Röntgen: in den ersten Monaten nur Weichteilschwellung, später gelenknahe Osteoporose, Gelenkspaltverschmälerung und marginale Erosionen; Erosionen entstehen oft im ersten Jahr.
- Sonographie mit Power-Doppler: Synovitis, Tenosynovitis und Erosionen.
- MRT: empfindlichstes Verfahren für frühe Knochenveränderungen.
- Funktionsaufnahmen der Halswirbelsäule bei Verdacht auf atlantoaxiale Instabilität.
- Lungenfunktion und hochauflösende CT bei Verdacht auf interstitielle Lungenerkrankung.
- Aktivitätsscores: DAS28 (mit BSG oder CRP), CDAI, RAPID3.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Rheumatologie & Immunologie
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Granulomatose mit Polyangiitis (GPA, Morbus Wegener)
- Polymyalgia rheumatica
- Gicht (Arthritis urica)
- Reaktive Arthritis
- Morbus Behçet
- Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis)
- Septische Arthritis
- Mischkollagenose (Sharp-Syndrom)
- Psoriasis-Arthritis
- Uveitis bei rheumatischen Erkrankungen
- Adulter Morbus Still
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.