Herpes zoster (Gürtelrose)

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Synonyme
Gürtelrose, Zoster, Varizella-Zoster-Virus, Zoster ophthalmicus, Ramsay-Hunt-Syndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Infektiologie
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Herpes zoster (Gürtelrose) – Bauch – klinisches Foto: Gruppierte Bläschen in einem Dermatom an der Flanke
Gruppierte Bläschen in einem Dermatom an der Flanke (Bauch)Bild: melvil (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Herpes zoster (Gürtelrose) – Oberkörper – klinisches Foto: Herpes zoster am Rumpf: gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund, halbseitig bandförmig angeordnet
Herpes zoster am Rumpf: gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund, halbseitig bandförmig angeordnet (Oberkörper)Bild: Gzzz (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Der Herpes zoster (Gürtelrose) ist die endogene Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV, humanes Herpesvirus 3), das nach einer durchgemachten Windpockenerkrankung lebenslang in Spinal- oder Hirnnervenganglien persistiert. Kennzeichnend sind ein einseitiger, auf ein oder wenige Dermatome begrenzter bläschenförmiger Ausschlag und oft starke Schmerzen. Ein Zoster kann nur bei Menschen mit früherer VZV-Infektion auftreten.

Einteilung

  • Segmentaler Zoster: meist thorakal oder lumbal (am häufigsten Dermatome T3 bis L3).
  • Zoster ophthalmicus: Befall des ersten Trigeminusastes (V1).
  • Zoster oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom): Befall des Ganglion geniculi.
  • Zoster maxillaris, Zoster genitalis, intraoraler Zoster.
  • Disseminierter Zoster: nicht mehr segmental begrenzt, mit Befall weiterer Hautareale und innerer Organe, v. a. bei Immunschwäche.

Vorkommen & Epidemiologie

  • Die kumulative Inzidenz liegt weltweit bei etwa 2,9 bis 19,5 Fällen pro 1.000 Personen; das Lebenszeitrisiko beträgt etwa 32 %.
  • Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an, vor allem jenseits des 50. Lebensjahres; etwa jeder Zweite, der 85 Jahre alt wird, erkrankt einmal an Zoster.
  • Bis zu 6 % erleiden eine erneute Episode, bei Immunschwäche häufiger.

Ätiopathogenese

  • Erreger: Varizella-Zoster-Virus, ein Alpha-Herpesvirus; Windpocken sind die Primärinfektion, der Zoster ist die Reaktivierung nach meist langer Latenz.
  • Pathogenese: Die Reaktivierung führt zu einer Entzündung des sensiblen Ganglions, der Haut des zugehörigen Dermatoms und mitunter von Vorder- und Hinterhorn, Hirnhäuten und Nervenwurzeln.
  • Risikofaktoren: höheres Alter, HIV-Infektion und andere Störungen der zellulären Immunität (z. B. immunsuppressive Medikamente), Autoimmunerkrankungen, weibliches Geschlecht, chronische Erkrankungen wie Diabetes, Asthma und COPD, kürzliches Trauma. Ein Zoster kommt auch bei jüngeren Immungesunden und bei Kindern vor.
  • Übertragung: Infektiös ist nur die virushaltige Bläschenflüssigkeit (direkter oder indirekter Kontakt), daher geringe Kontagiosität. Ansteckungsfähigkeit vom Auftreten des Exanthems bis zur vollständigen Verkrustung, in der Regel 5–7 Tage. Nicht immune Menschen erkranken nach Ansteckung an Windpocken, nicht an Zoster.

Klinik

Symptome

  • Prodrom: brennende, stechende oder dysästhetische Schmerzen im betroffenen Areal, meist 2–3 Tage vor dem Ausschlag.
  • Exanthem: gruppierte Bläschen auf gerötetem Grund in einem oder mehreren benachbarten Dermatomen, einseitig und die Mittellinie nicht überschreitend; vereinzelte Satellitenläsionen möglich. Neue Läsionen entstehen etwa 3–5 Tage lang, danach Verkrustung. Die Haut ist oft hyperästhetisch.
  • Zoster ophthalmicus: Schmerzen und Bläschen an Stirn und um das Auge; Bläschen an der Nasenspitze (Hutchinson-Zeichen) weisen auf Befall des N. nasociliaris und ein erhöhtes Risiko schwerer Augenbeteiligung hin, ein Augenbefall ist aber auch ohne dieses Zeichen möglich.
  • Zoster oticus: Ohrenschmerzen, Bläschen im äußeren Gehörgang, periphere Fazialisparese, teils Schwindel und Geschmacksverlust der vorderen zwei Zungendrittel.

Komplikationen

  • Postherpetische Neuralgie: Schmerzen, die länger als 3 Monate nach Verkrustung der letzten Läsion anhalten; besonders bei älteren Menschen, teils über Jahre.
  • Disseminierter Zoster mit hämatogener Generalisierung bei Immunschwäche, potenziell lebensbedrohlich.
  • ZNS: meningeale Reizung, Meningoenzephalitis; selten granulomatöse Angiitis mit kontralateraler Hemiparese oder aufsteigende Myelitis.
  • Auge: schwere Augenbeteiligung bei Zoster ophthalmicus.

Diagnostik

  • Klinische Diagnose: Das dermatombezogene Exanthem ist nahezu beweisend; bei typischem segmentalem Schmerz kann der Verdacht schon vor dem Ausschlag bestehen.
  • Erregernachweis bei unklaren oder atypischen Bildern (z. B. bei Immunschwäche, ZNS-Beteiligung): VZV-PCR aus Bläschenflüssigkeit, Liquor, bronchoalveolärer Lavage oder EDTA-Blut; Antigennachweis mittels direkter Immunfluoreszenz; Virusanzucht ist aufwendig und wenig sensitiv.
  • Tzanck-Test: mehrkernige Riesenzellen bestätigen eine Herpesvirusinfektion, unterscheiden aber nicht zwischen VZV und Herpes simplex.
  • Serologie: VZV-IgA hat beim Zoster eine hohe Aussagekraft, IgM kann fehlen; die IgG-Avidität unterscheidet Primärinfektion und Reaktivierung. Bei ZNS-Beteiligung Antikörper- und PCR-Diagnostik aus dem Liquor.
  • Abgrenzung zum Herpes simplex: Dieser rezidiviert häufiger und folgt keinem Dermatom.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Herpes zoster (Gürtelrose) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. RKI-Ratgeber: Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster)
  2. MSD Manual Professional: Herpes Zoster

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.