Lyme-Borreliose

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Synonyme
Borreliose, Zeckenborreliose, Wanderröte, Erythema migrans, Neuroborreliose
Fachgebiet
Innere Medizin · Infektiologie
Bilder
Klinik 3
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (3)

Lyme-Borreliose – klinisches Foto: Erythema migrans am Oberarm
Erythema migrans am OberarmBild: James Gathany, CDC (Wikimedia Commons) · Public Domain · Quelle
Lyme-Borreliose – Bein – klinisches Foto: Erythema migrans am Unterschenkel
Erythema migrans am Unterschenkel (Bein)Bild: Ffurler (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Lyme-Borreliose – klinisches Foto: Borrelien-Lymphozytom: livide-rote, prall-weiche Schwellung des Ohrläppchens bei einem Kind
Borrelien-Lymphozytom: livide-rote, prall-weiche Schwellung des Ohrläppchens bei einem KindBild: Gzzz (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Multisystemerkrankung durch Spirochäten des Borrelia-burgdorferi-sensu-lato-Komplexes. Sie kann Haut, Nervensystem, Gelenke und Herz betreffen. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Krankheitszeichen. In Europa ist sie die mit Abstand häufigste durch Zecken übertragene Krankheit.

Einteilung

  • Frühe lokalisierte Manifestation: Erythema migrans; Borrelien-Lymphozytom.
  • Frühe disseminierte Manifestation: multiple Erythemata migrantia, frühe Neuroborreliose (lymphozytäre Meningitis, Meningoradikulitis, Hirnnervenparesen), Lyme-Karditis, frühe flüchtige Lyme-Arthritis, sehr selten Augenbeteiligung.
  • Späte Manifestation: Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA), späte Neuroborreliose (Enzephalomyelitis, zerebrale Vaskulitis, periphere Neuropathie bei ACA), chronische Lyme-Arthritis.

Vorkommen & Epidemiologie

  • Verbreitet in der nördlichen Hemisphäre (Nordamerika, Europa, Asien); in ganz Deutschland besteht ein Infektionsrisiko, der Anteil infizierter Zecken schwankt kleinräumig stark.
  • Nach einem Zeckenstich wird bei 2,6–5,6 % der Betroffenen eine Serokonversion nachgewiesen; mit einer klinisch manifesten Erkrankung ist bei 0,3–1,4 % zu rechnen.
  • Die Meldeinzidenz in deutschen Bundesländern mit Meldepflicht lag zwischen 26 (2015) und 41 (2013) Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr.
  • Erythema migrans tritt gehäuft im Juni und Juli auf, Neuroborreliose im Juli und August, Lyme-Arthritis ganzjährig.
  • Die Seroprävalenz steigt mit dem Alter: etwa 7 % bei 14- bis 17-Jährigen, 16,4 % der Frauen und 24,5 % der Männer im Alter von 70–79 Jahren.
  • Häufigkeit der Manifestationen (populationsbasierte Studie): Erythema migrans als einziges Symptom bei 89 %, Lyme-Arthritis 5 %, frühe Neuroborreliose 3 %, Lymphozytom 2 %, Acrodermatitis 1 %, Karditis unter 1 %.

Ätiopathogenese

  • Erreger: gesichert humanpathogen sind B. afzelii, B. garinii, B. bavariensis, B. burgdorferi sensu stricto, B. mayonii und B. spielmanii; in Europa kommen alle außer B. mayonii vor, in den USA nur B. burgdorferi sensu stricto und B. mayonii.
  • Organtropismus: B. garinii und B. bavariensis sind mit neurologischen Manifestationen assoziiert, B. afzelii mit der Acrodermatitis chronica atrophicans, B. burgdorferi sensu stricto mit der Lyme-Arthritis.
  • Reservoir: v. a. Mäuse und Vögel, daneben weitere Wildtiere.
  • Übertragung: in Mitteleuropa durch den Stich der Schildzecke Ixodes ricinus. Die Borrelien wandern erst nach Beginn des Saugakts aus dem Zeckendarm in die Speicheldrüsen; eine Übertragung setzt daher eine Saugdauer von mindestens mehreren Stunden voraus. Die größte Zeckenaktivität besteht im Frühling und Herbst.
  • Inkubationszeit: Erythema migrans 3–30 Tage (Median 7–10 Tage); frühe Neuroborreliose kaum länger; Spätmanifestationen nach Monaten bis Jahren.
  • Eine durchgemachte Infektion schützt in der Regel nicht vor erneuter Infektion.

Klinik

Haut

  • Erythema migrans: randbetontes, nicht erhabenes Erythem von mindestens 5 cm Durchmesser, das sich zentrifugal ausbreitet, oft mit sichtbarer Einstichstelle im Zentrum; symptomfreies Intervall von mindestens 3 Tagen nach dem Stich. Bei früher Streuung multiple Erytheme, teils mit Fieber, Myalgien, Arthralgien und Lymphknotenschwellung.
  • Borrelien-Lymphozytom: Pseudolymphom bevorzugt bei Kindern, typischerweise an Ohrläppchen, Mamille oder Genitale.
  • Acrodermatitis chronica atrophicans: zunächst ödematös-infiltratives, dann atrophes Stadium an den Extremitäten mit durchscheinenden Gefäßen, teils juxtaartikuläre fibroide Knoten; in etwa der Hälfte Beteiligung von Gelenken und Nerven der betroffenen Extremität.

Nervensystem, Gelenke und Herz

  • Frühe Neuroborreliose (vermutlich über 98 % der neurologischen Fälle): wenige Wochen bis Monate nach dem Stich; brennend schmerzhafte, nachts betonte Meningoradikulitis, häufig mit ein- oder beidseitiger Fazialisparese (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom). Bei Kindern häufiger Meningitis oder isolierte Fazialisparese. Nur 34–46 % der Betroffenen erinnern ein Erythema migrans.
  • Späte Neuroborreliose (sehr selten): schleichende Enzephalomyelitis mit spastisch-ataktischer Gangstörung und Blasenstörung.
  • Lyme-Arthritis: schubweise oder chronische Mono- oder Oligoarthritis, am häufigsten des Kniegelenks, seltener von Sprung- oder Ellenbogengelenk. Befall kleiner Gelenke, des Achsenskeletts oder der Iliosakralgelenke spricht gegen eine Lyme-Arthritis.
  • Lyme-Karditis (selten): v. a. AV-Blockierungen wechselnden Grades oder Perimyokarditis; außerdem intraventrikuläre Leitungsstörungen, Extrasystolen, Vorhofflimmern und Tachykardien.

Diagnostik

  • Erythema migrans: rein klinische Diagnose; die Serologie ist in den ersten Wochen häufig noch negativ (diagnostische Lücke).
  • Stufendiagnostik der Serologie: Suchtest (ELISA); bei positivem oder grenzwertigem Ergebnis Bestätigung mit Immunoblot. Im fortgeschrittenen Stadium und bei Spätmanifestationen sind nahezu alle Erkrankten seropositiv.
  • Grenzen der Serologie: IgG- und IgM-Antikörper können nach früherer, auch symptomloser Infektion jahrelang persistieren; in manchen Bevölkerungsgruppen sind über 20 % seropositiv. Falsch positive Reaktionen kommen u. a. bei Autoimmunerkrankungen, Syphilis und Herpesvirusinfektionen (z. B. EBV) vor. Ein positiver Befund spricht nur zusammen mit passender Klinik für eine Borreliose.
  • Neuroborreliose: Liquor mit lymphozytärer Pleozytose und Blut-Liquor-Schrankenstörung; Nachweis intrathekal gebildeter Antikörper über den borrelienspezifischen Antikörperindex aus Liquor-Serum-Paaren vom selben Tag (6–8 Wochen nach Beginn bei der großen Mehrheit positiv). Erhöhtes CXCL13 im Liquor kann den Verdacht stützen.
  • Kultur und PCR: der Serologie nachgeschaltete Zusatzverfahren; Kultur aus Liquor oder Hautbiopsie ist beweisend, aber aufwendig. Bei Lyme-Arthritis ist die PCR aus Gelenkpunktat oder Synoviabiopsie der Kultur deutlich überlegen.
  • Lyme-Karditis: EKG mit AV-Blockierung oder anderen Leitungsstörungen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Lyme-Borreliose mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. RKI-Ratgeber: Lyme-Borreliose

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.