Denguefieber

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Synonyme
Dengue, Knochenbrecherfieber, Dengue-Virus, Dengue-hämorrhagisches Fieber, Dengue-Schocksyndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Infektiologie
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Denguefieber – klinisches Foto: Rekonvaleszenz-Exanthem bei Denguefieber: flächige Rötung mit ausgesparten hellen Hautinseln („weiße Inseln im roten Meer“)
Rekonvaleszenz-Exanthem bei Denguefieber: flächige Rötung mit ausgesparten hellen Hautinseln („weiße Inseln im roten Meer“)Bild: Ranjan Premaratna. Professor in medicine. Department of medicine. University of kelaniya. Sri Lanka. (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Denguefieber – klinisches Foto: Akutes Denguefieber: flächige, wegdrückbare Rötung der Brust; Fingerabdrücke bleiben nach Druck hell sichtbar
Akutes Denguefieber: flächige, wegdrückbare Rötung der Brust; Fingerabdrücke bleiben nach Druck hell sichtbarBild: Ranjan Premaratna. Professor in medicine. Department of medicine. University of kelaniya. Sri Lanka. (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Das Denguefieber ist eine durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragene Virusinfektion mit dem Dengue-Virus (Flavivirus, vier Serotypen). Die meisten Infektionen verlaufen symptomlos oder mild. Typisch sind plötzlich hohes Fieber, starke Kopf-, Augen-, Muskel- und Gelenkschmerzen („Knochenbrecherfieber“) und ein Exanthem. Selten entwickelt sich ein schweres Dengue mit Plasmaaustritt, Blutungsneigung und Schock.

Einteilung

  • Revidierte WHO-Klassifikation (2009): Dengue ohne Warnzeichen, Dengue mit Warnzeichen und schweres Dengue.
  • Warnzeichen (meist in der kritischen Phase, etwa Tag 4–7): Bauchschmerzen oder Druckschmerz, anhaltendes Erbrechen, Flüssigkeitsansammlungen, Schleimhautblutungen, Lethargie oder Unruhe, Lebervergrößerung, Hämatokritanstieg bei gleichzeitigem Thrombozytenabfall.
  • Schweres Dengue: schwerer Plasmaaustritt, schwere Blutungen oder Organversagen.
  • Frühere WHO-Einteilung: klassisches Denguefieber, Dengue-hämorrhagisches Fieber (Thrombozytenabfall, Plasmaaustritt und Blutungen) und Dengue-Schocksyndrom (zusätzlich Kreislaufschock).

Vorkommen & Epidemiologie

  • Endemisch in mehr als 100 Ländern in Afrika, Amerika, dem östlichen Mittelmeerraum, Südostasien und dem Westpazifik, überwiegend in den Tropen zwischen etwa 35° nördlicher und 35° südlicher Breite.
  • Die an die WHO gemeldeten Fälle stiegen von etwa 505.000 im Jahr 2000 auf 14,6 Millionen im Jahr 2024, den bisher höchsten Wert; über 13 Millionen davon stammten aus Amerika. Da die meisten Infektionen symptomlos oder mild verlaufen, liegt die tatsächliche Zahl weit höher; Modellrechnungen schätzen etwa 390 Millionen Infektionen pro Jahr, davon 96 Millionen klinisch manifest.
  • Ausbreitung in neue Gebiete, auch nach Europa: 2024 wurden der WHO 308 Fälle aus Frankreich, Italien und Spanien gemeldet. Bei Reiserückkehrern ist Dengue eine wichtige Ursache von Fieber.

Ätiopathogenese

  • Erreger: behülltes Einzelstrang-RNA-Virus der Gattung Flavivirus mit vier Serotypen.
  • Vektoren: tagaktive weibliche Aedes-Mücken, v. a. Aedes aegypti, daneben Aedes albopictus. Nach Aufnahme des Virus dauert es in der Mücke etwa 8–12 Tage (bei 25–28 °C), bis sie infektiös ist; danach bleibt sie lebenslang infektiös.
  • Virämie: meist etwa 4–5 Tage (bis 12 Tage); Mücken können sich von 2 Tagen vor Symptombeginn bis 2 Tage nach Entfieberung infizieren, auch an symptomlos Infizierten.
  • Seltene Wege: vertikale Übertragung in der Schwangerschaft oder unter der Geburt, Blutprodukte und Organspenden.
  • Immunität und schwere Verläufe: Gegen den durchgemachten Serotyp besteht langanhaltende Immunität, gegen andere Serotypen nur für etwa 2–12 Monate. Eine Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp erhöht das Risiko für schweres Dengue, vermutlich durch antikörperabhängige Verstärkung der Infektion (nicht neutralisierende Antikörper aus der Erstinfektion).
  • Begünstigende Faktoren der Ausbreitung: veränderte Verbreitung der Vektoren, Klimawandel mit Wärme und Feuchtigkeit, rasche Verstädterung, Wasserspeicherung und Reiseverkehr.

Klinik

  • Inkubationszeit: meist 4–10 Tage (Spanne etwa 3–15 Tage).
  • Fieberphase: abrupter Beginn mit Fieber bis 40 °C, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, retroorbitalen Schmerzen bei Augenbewegung, Rückenschmerzen und starker Erschöpfung; ausgeprägte Bein- und Gelenkschmerzen; relative Bradykardie, gerötete Bindehäute, flüchtige Gesichtsrötung oder makulöses Exanthem, Lymphknotenschwellungen; teils Halsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
  • Zweigipfliger Verlauf: Nach 48–96 Stunden rasche Entfieberung mit Schwitzen, etwa 24 Stunden Wohlbefinden, dann oft erneutes, meist niedrigeres Fieber (Sattelform) mit einem wegdrückbaren makulopapulösen Exanthem, das sich vom Stamm auf Extremitäten und Gesicht ausbreitet.
  • Kritische Phase (etwa Tag 4–7): Schweres Dengue tritt oft erst nach der Entfieberung auf: starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, schnelle Atmung, Zahnfleisch- oder Nasenbluten, Blut in Erbrochenem oder Stuhl, Unruhe, starker Durst, blasse kalte Haut und Schwäche als Zeichen von Plasmaaustritt und drohendem Schock.
  • Seltene neurologische Manifestationen: Enzephalopathie, Krampfanfälle, Guillain-Barré-Syndrom.
  • Verlauf: Leichte Fälle klingen meist innerhalb von 1–2 Wochen ab; danach kann Müdigkeit über mehrere Wochen bestehen.
  • Schwangerschaft: Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und fetale Gefährdung sind möglich.

Diagnostik

  • Klinischer Verdacht: plötzliches Fieber mit starkem retroorbitalem Kopfschmerz, Myalgien und Lymphknotenschwellung nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet, besonders mit typischem Exanthem oder zweitem Fiebergipfel. Malaria, Zika, Chikungunya und Leptospirose sind auszuschließen.
  • Direkter Erregernachweis in der ersten Krankheitswoche: Nukleinsäurenachweis (PCR) aus Blut, NS1-Antigen-Nachweis (auch als Schnelltest), selten Virusanzucht in Speziallaboren.
  • Serologie: Antikörpernachweis mit Akut- und Rekonvaleszenzserum; Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren, besonders Zika-Virus, sind möglich. Der Plaque-Reduktions-Neutralisationstest ist am spezifischsten.
  • Blutbild: Leukopenie ab dem 2. Fiebertag, am 4.–5. Tag oft 2.000–4.000/µl mit nur 20–40 % Granulozyten. Beim schweren Dengue akuter Hämatokritanstieg bei gleichzeitigem Thrombozytenabfall um den 4.–6. Krankheitstag.
  • Urin: mäßige Albuminurie und vereinzelte Zylinder.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Denguefieber mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Dengue
  2. WHO Fact Sheet: Dengue and severe dengue
  3. Narvaez et al. 2011: Evaluation of the traditional and revised WHO classifications of Dengue disease severity, PLoS Negl Trop Dis (PMC)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.