Influenza (echte Grippe)
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- Grippe, echte Grippe, Virusgrippe, Influenza A, Influenza B
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Infektiologie
- Bilder
- Röntgen 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Röntgen
MakropräparatDefinition
Die Influenza („echte Grippe“) ist eine akute Infektion der Atemwege durch Influenzaviren, die in jährlichen Grippewellen auftritt. Typisch sind ein plötzlicher Beginn mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und Kopfschmerzen. Sie ist vom banalen „grippalen Infekt“ durch andere Atemwegsviren abzugrenzen.
Einteilung
- Influenza A: Subtypen nach den Oberflächenproteinen Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), z. B. A(H3N2); seit 2009 zirkulieren beim Menschen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2).
- Influenza B: keine Subtypen, sondern Linien; seit 2020 wurde nur noch die Victoria-Linie nachgewiesen.
- Influenza C: für den Menschen von geringer Bedeutung.
- Saisonale, zoonotische und pandemische Influenza: Neuartige Viren durch Neukombination von Gensegmenten (Antigenshift) können Pandemien auslösen.
Vorkommen & Epidemiologie
- Weltweit verbreitet; in gemäßigten Zonen Grippewellen in den Wintermonaten, in den Tropen ganzjähriges Auftreten.
- In Deutschland steigt die Aktivität meist im Januar oder Februar deutlich an; eine Welle dauert durchschnittlich 3–4 Monate. Pro Saison werden schätzungsweise 5–20 % der Bevölkerung infiziert; das RKI schätzt jährlich 1–7 Millionen influenzabedingte Arztbesuche.
- Arztbesuche betreffen alle Altersgruppen; Krankenhausaufenthalte sind bei Kleinkindern und älteren Menschen am häufigsten.
Ätiopathogenese
- Erreger: Orthomyxoviren mit einem in acht Segmente geteilten RNA-Genom und den Oberflächenproteinen Hämagglutinin und Neuraminidase.
- Antigendrift: fortlaufende Punktmutationen, durch die das Virus der stammspezifischen Immunität entgeht; Grundlage der jährlichen Wellen.
- Antigenshift: Neukombination von Gensegmenten (Reassortment), etwa zwischen humanen und aviären oder porcinen Viren; Reservoir nichthumaner Influenza-A-Viren sind wildlebende Wasservögel.
- Reservoir der saisonalen Influenza: ausschließlich der Mensch.
- Übertragung: überwiegend durch ausgeatmete virushaltige Tröpfchen und kleinste Partikel im Nahfeld, besonders beim Husten und Niesen; außerdem über Hände und kontaminierte Oberflächen.
- Inkubationszeit: kurz, etwa 1–3 Tage (Spanne bis 4 Tage, im Mittel 48 Stunden).
- Ansteckungsfähigkeit: Virusausscheidung im Mittel etwa 4–5 Tage ab Symptombeginn, bei Kindern und schwer Erkrankten länger; schon vor Symptombeginn möglich.
Klinik
Symptome
- Typischer Verlauf: plötzlicher Beginn mit Fieber, Schüttelfrost, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen (oft mit Lichtscheu und retrobulbärem Schmerz), Glieder- und Rückenschmerzen, trockenem Husten, Halsschmerzen und retrosternalem Brennen; teils Schnupfen, Schweißausbrüche, selten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
- Spektrum: Etwa ein Drittel der Infektionen verläuft fieberhaft, ein Drittel leichter und ein Drittel symptomlos.
- Dauer: meist 5–7 Tage; Husten und Abgeschlagenheit können länger als 2 Wochen anhalten.
- Risikogruppen für schwere Verläufe: ältere Menschen, chronische Herz- und Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Immundefekte, neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen, schwere Adipositas und Schwangerschaft (v. a. in fortgeschrittenem Stadium). Eine Verschlechterung tritt oft 3–10 Tage nach Symptombeginn auf.
Komplikationen
- Primäre Influenzapneumonie durch das Virus selbst, bis zum akuten Atemnotsyndrom (ARDS).
- Bakterielle Superinfektion (u. a. Pneumokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae), zu vermuten bei erneutem Fieber und Husten nach scheinbarer Besserung.
- Exazerbation chronischer Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD; Herzinfarkt und Herzinsuffizienz bei vorbestehender Herzerkrankung.
- Weitere Organe: Myositis und Rhabdomyolyse, Myokarditis, Perikarditis, Enzephalitis.
- Kinder: Mittelohrentzündung, Fieberkrämpfe, benigne akute Myositis (Wadenschmerzen); Reye-Syndrom mit Enzephalopathie und Leberverfettung, v. a. nach Einnahme von Salizylaten.
Diagnostik
- Klinische Diagnose: Während einer Grippewelle hat die typische Symptomatik einen guten Vorhersagewert. Andere Atemwegserreger (z. B. Rhinoviren, RS-Viren, Metapneumoviren, Mykoplasmen) können ähnliche Bilder verursachen; eine sichere Abgrenzung gelingt nur labordiagnostisch. Bei älteren oder immungeschwächten Menschen kann die Symptomatik unspezifisch und ohne Fieber sein.
- PCR (RT-PCR) aus Nasen- oder Rachenabstrich: Goldstandard hinsichtlich Sensitivität und Spezifität; erlaubt die Unterscheidung von Typen und Subtypen. Multiplex-Tests erfassen zugleich SARS-CoV-2 und RSV.
- Antigen-Schnelltests: Ergebnis in 10–15 Minuten, hohe Spezifität, aber nur geringe bis mäßige Sensitivität; ein negatives Ergebnis schließt Influenza nicht aus. Molekulare Schnelltests sind deutlich sensitiver.
- Weitere Verfahren: Immunfluoreszenz, Viruskultur und Serologie (Titeranstieg zwischen Akut- und Rekonvaleszenzserum, vor allem für epidemiologische Zwecke).
- Bei Beteiligung der unteren Atemwege: Pulsoxymetrie und Röntgen-Thorax. Die primäre Influenzapneumonie zeigt fokale oder diffuse interstitielle Infiltrate bis zum ARDS-Bild; eine bakterielle Superinfektion eher lobäre oder segmentale Verschattungen.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Infektiologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.