Influenza (echte Grippe)

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Synonyme
Grippe, echte Grippe, Virusgrippe, Influenza A, Influenza B
Fachgebiet
Innere Medizin · Infektiologie
Bilder
Röntgen 1 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Influenza (echte Grippe) – Röntgen-Thorax bei Influenza-A-Infektion mit bakterieller Koinfektion (Haemophilus influenzae): fleckige Verschattung im rechten Oberfeld (Pfeil)Röntgen
Röntgen-Thorax bei Influenza-A-Infektion mit bakterieller Koinfektion (Haemophilus influenzae): fleckige Verschattung im rechten Oberfeld (Pfeil)Bild: Mikael Häggström , M.D. Author info - Reusing images - Conflicts of interest: None Mikael Häggström , M.D. Consent note : Written informed consent was obtained from the individual, including online publication. (Wikimedia Commons) · CC0 · Quelle
Influenza (echte Grippe) – Makropräparat: Autopsiebefund bei Influenzapneumonie: schwere, dunkelrot-hämorrhagisch durchsetzte und gestaute LungeMakropräparat
Autopsiebefund bei Influenzapneumonie: schwere, dunkelrot-hämorrhagisch durchsetzte und gestaute LungeBild: Yale Rosen from USA (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
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Definition

Die Influenza („echte Grippe“) ist eine akute Infektion der Atemwege durch Influenzaviren, die in jährlichen Grippewellen auftritt. Typisch sind ein plötzlicher Beginn mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und Kopfschmerzen. Sie ist vom banalen „grippalen Infekt“ durch andere Atemwegsviren abzugrenzen.

Einteilung

  • Influenza A: Subtypen nach den Oberflächenproteinen Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), z. B. A(H3N2); seit 2009 zirkulieren beim Menschen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2).
  • Influenza B: keine Subtypen, sondern Linien; seit 2020 wurde nur noch die Victoria-Linie nachgewiesen.
  • Influenza C: für den Menschen von geringer Bedeutung.
  • Saisonale, zoonotische und pandemische Influenza: Neuartige Viren durch Neukombination von Gensegmenten (Antigenshift) können Pandemien auslösen.

Vorkommen & Epidemiologie

  • Weltweit verbreitet; in gemäßigten Zonen Grippewellen in den Wintermonaten, in den Tropen ganzjähriges Auftreten.
  • In Deutschland steigt die Aktivität meist im Januar oder Februar deutlich an; eine Welle dauert durchschnittlich 3–4 Monate. Pro Saison werden schätzungsweise 5–20 % der Bevölkerung infiziert; das RKI schätzt jährlich 1–7 Millionen influenzabedingte Arztbesuche.
  • Arztbesuche betreffen alle Altersgruppen; Krankenhausaufenthalte sind bei Kleinkindern und älteren Menschen am häufigsten.

Ätiopathogenese

  • Erreger: Orthomyxoviren mit einem in acht Segmente geteilten RNA-Genom und den Oberflächenproteinen Hämagglutinin und Neuraminidase.
  • Antigendrift: fortlaufende Punktmutationen, durch die das Virus der stammspezifischen Immunität entgeht; Grundlage der jährlichen Wellen.
  • Antigenshift: Neukombination von Gensegmenten (Reassortment), etwa zwischen humanen und aviären oder porcinen Viren; Reservoir nichthumaner Influenza-A-Viren sind wildlebende Wasservögel.
  • Reservoir der saisonalen Influenza: ausschließlich der Mensch.
  • Übertragung: überwiegend durch ausgeatmete virushaltige Tröpfchen und kleinste Partikel im Nahfeld, besonders beim Husten und Niesen; außerdem über Hände und kontaminierte Oberflächen.
  • Inkubationszeit: kurz, etwa 1–3 Tage (Spanne bis 4 Tage, im Mittel 48 Stunden).
  • Ansteckungsfähigkeit: Virusausscheidung im Mittel etwa 4–5 Tage ab Symptombeginn, bei Kindern und schwer Erkrankten länger; schon vor Symptombeginn möglich.

Klinik

Symptome

  • Typischer Verlauf: plötzlicher Beginn mit Fieber, Schüttelfrost, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen (oft mit Lichtscheu und retrobulbärem Schmerz), Glieder- und Rückenschmerzen, trockenem Husten, Halsschmerzen und retrosternalem Brennen; teils Schnupfen, Schweißausbrüche, selten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
  • Spektrum: Etwa ein Drittel der Infektionen verläuft fieberhaft, ein Drittel leichter und ein Drittel symptomlos.
  • Dauer: meist 5–7 Tage; Husten und Abgeschlagenheit können länger als 2 Wochen anhalten.
  • Risikogruppen für schwere Verläufe: ältere Menschen, chronische Herz- und Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Immundefekte, neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen, schwere Adipositas und Schwangerschaft (v. a. in fortgeschrittenem Stadium). Eine Verschlechterung tritt oft 3–10 Tage nach Symptombeginn auf.

Komplikationen

  • Primäre Influenzapneumonie durch das Virus selbst, bis zum akuten Atemnotsyndrom (ARDS).
  • Bakterielle Superinfektion (u. a. Pneumokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae), zu vermuten bei erneutem Fieber und Husten nach scheinbarer Besserung.
  • Exazerbation chronischer Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD; Herzinfarkt und Herzinsuffizienz bei vorbestehender Herzerkrankung.
  • Weitere Organe: Myositis und Rhabdomyolyse, Myokarditis, Perikarditis, Enzephalitis.
  • Kinder: Mittelohrentzündung, Fieberkrämpfe, benigne akute Myositis (Wadenschmerzen); Reye-Syndrom mit Enzephalopathie und Leberverfettung, v. a. nach Einnahme von Salizylaten.

Diagnostik

  • Klinische Diagnose: Während einer Grippewelle hat die typische Symptomatik einen guten Vorhersagewert. Andere Atemwegserreger (z. B. Rhinoviren, RS-Viren, Metapneumoviren, Mykoplasmen) können ähnliche Bilder verursachen; eine sichere Abgrenzung gelingt nur labordiagnostisch. Bei älteren oder immungeschwächten Menschen kann die Symptomatik unspezifisch und ohne Fieber sein.
  • PCR (RT-PCR) aus Nasen- oder Rachenabstrich: Goldstandard hinsichtlich Sensitivität und Spezifität; erlaubt die Unterscheidung von Typen und Subtypen. Multiplex-Tests erfassen zugleich SARS-CoV-2 und RSV.
  • Antigen-Schnelltests: Ergebnis in 10–15 Minuten, hohe Spezifität, aber nur geringe bis mäßige Sensitivität; ein negatives Ergebnis schließt Influenza nicht aus. Molekulare Schnelltests sind deutlich sensitiver.
  • Weitere Verfahren: Immunfluoreszenz, Viruskultur und Serologie (Titeranstieg zwischen Akut- und Rekonvaleszenzserum, vor allem für epidemiologische Zwecke).
  • Bei Beteiligung der unteren Atemwege: Pulsoxymetrie und Röntgen-Thorax. Die primäre Influenzapneumonie zeigt fokale oder diffuse interstitielle Infiltrate bis zum ARDS-Bild; eine bakterielle Superinfektion eher lobäre oder segmentale Verschattungen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Influenza (echte Grippe) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. RKI-Ratgeber: Influenza (Teil 1) – Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren
  2. MSD Manual Professional: Influenza

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.