Herpes zoster

![Herpes zoster: halbseitig dermatomal angeordnete Bläschengruppen an der Flanke (Tag 3) [Bild 180° gedreht 16.09.2026 — Original stand auf dem Kopf]](/assets/img/wissen/herpes-zoster-2.webp)
Definition und Pathogenese
Herpes zoster entsteht durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, eines DNA-Virus aus der Familie der Herpesviridae. Nach einer Primärinfektion (Varizellen) persistiert das Virus latent in den Spinalganglien und kann bei nachlassender zellulärer Immunität reaktiviert werden.
Epidemiologie und Risikofaktoren
Die Erkrankung tritt gehäuft auf bei:
- höherem Lebensalter (>60 J.)
- Immunsuppression
- HIV-Infektion
Klinik
Typisch ist ein einseitiger dermatomaler Ausschlag mit gruppierten Vesikeln auf erythematösem Grund. Häufig gehen brennende Schmerzen den Hautveränderungen um mehrere Tage voraus.
Am häufigsten betroffen sind Dermatome im Bereich:
- Thorax (ca. 50–70 % der Fälle, v. a. Th3–L3)
- Trigeminalnerv (V1 > V2 > V3) — bei V1-Befall hohe okuläre Komplikationsrate
Besondere Formen
Der Zoster ophthalmicus entsteht durch Befall des ersten Trigeminusastes und kann zu Keratitis führen. Das Auftreten von Läsionen an der Nasenspitze wird als Hutchinson-Zeichen bezeichnet (Befall des N. nasociliaris) und weist auf eine okuläre Beteiligung hin.
- Bei Augenbefall (Zoster ophthalmicus, V1) UNBEDINGT ophthalmologisches Konsil — Risiko von Keratitis, Iridocyclitis, akuter retinaler Nekrose (ARN), Sehverlust.
- Bei Ohrenbefall (Zoster oticus / Ramsay-Hunt-Syndrom) UNBEDINGT HNO-Konsil — Risiko von peripherer Facialisparese, sensorineuraler Schwerhörigkeit, Vestibulopathie/Vertigo.
Komplikationen
Die häufigste Komplikation ist die Post-Zoster-Neuralgie, klassisch definiert als persistierender Schmerz länger als 4 Wochen nach Abheilung der Hautläsionen; die S2k-Leitlinie und die IASP setzen die Grenze bei > 3 Monaten nach Exanthembeginn (30–90 Tage = subakute Zosterneuralgie). Weitere mögliche Komplikationen sind bakterielle Superinfektion der Läsionen sowie — je nach befallenem Nerv — periphere Facialisparese, sensorineurale Schwerhörigkeit und Iridozyklitis/Uveitis.
- Zoster-Meningoenzephalitis (selten, ~0,1–0,5 %): meist 1–2 Wochen nach Hautausschlag. Klinik: Kopfschmerzen, Fieber, Meningismus, Verwirrtheit. Diagnostik: VZV-PCR im Liquor. 10 mg/kg KG alle 8 h für 14–21 Tage. Erhöhtes Risiko: Immunsupprimierte, multidermatomaler Zoster, Trigeminus-Befall**.
Differenzialdiagnosen
- Herpes simplex labialis
- Phlegmone
- Varizellen
- Eczema herpeticatum
- Impetigo
- Phytogene Kontaktdermatitis
- Erysipel
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- Cohen JI. Herpes zoster. N Engl J Med. 2013;369(3):255-263.
- Plewig G, French L, Ruzicka T, Kaufmann R, Hertl M (Hrsg). Braun-Falcos Dermatologie, Venerologie und Allergologie. 7. Aufl. Berlin: Springer; 2018. S. 120.
- Gross GE, Eisert L, Doerr HW, et al. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie. AWMF-Registernr. 013-023. GMS Infect Dis. 2020;8:Doc01.
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