Zytomegalievirus-Infektion (CMV)
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- CMV, Zytomegalie, Cytomegalie, humanes Herpesvirus 5, HHV-5
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Infektiologie
- Bilder
- Histologie 1 · Röntgen 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Histologie
RöntgenDefinition
Die Zytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion) ist eine Infektion mit dem humanen Herpesvirus 5. Wie alle Herpesviren verbleibt CMV nach der Primärinfektion lebenslang latent im Körper und kann reaktiviert werden. Bei Immungesunden verläuft die Infektion meist unbemerkt oder als mononukleoseähnliches Krankheitsbild; bei Immunschwäche und bei Infektion im Mutterleib kann sie schwere Organerkrankungen verursachen. CMV ist der häufigste virale Erreger angeborener Infektionen.
Einteilung
- Primärinfektion bei seronegativen Personen.
- Reaktivierung des latenten Virus oder Reinfektion mit einem anderen CMV-Stamm.
- CMV-Infektion (Virusnachweis) wird von der CMV-Erkrankung (Virusnachweis mit Symptomen oder Organbefall) unterschieden.
- Kongenitale, perinatale und postnatale Infektion.
Vorkommen & Epidemiologie
- Weltweit tragen etwa 80 % der Erwachsenen CMV; die Durchseuchung steigt mit dem Alter und ist in sozioökonomisch schwächeren Gruppen und Regionen mit begrenzten Ressourcen höher.
- In Deutschland liegt die Seroprävalenz bei Schwangeren bei etwa 47 %; eine Untersuchung an Blutspendenden ergab 46 %, nach Nierentransplantation 77 %.
- Kleinkinder nach kongenitaler oder postnataler Infektion scheiden über längere Zeit größere Virusmengen aus.
Ätiopathogenese
- Erreger: humanes Herpesvirus 5 (Betaherpesvirus) mit doppelsträngiger DNA; nur ein Serotyp, aber zahlreiche genetisch unterschiedliche Stämme. Latenz v. a. in hämatopoetischen Stammzellen und Monozyten.
- Übertragung: über Speichel, Urin, Tränenflüssigkeit, Genitalsekret, Muttermilch und Blut, also z. B. durch Küssen, Sexualkontakte, Stillen (bei etwa 35 % der Kinder seropositiver Mütter), Blutprodukte und Spenderorgane; außerdem diaplazentar und unter der Geburt.
- Inkubationszeit: bei symptomatischer Primärinfektion 4–6 Wochen.
- Ansteckungsfähigkeit: Nach einer Reaktivierung kann ein seropositiver Mensch das Virus lebenslang intermittierend ausscheiden.
- Risikofaktoren für schwere Verläufe: fortgeschrittene HIV-Infektion, Zustand nach Transplantation (Organ oder Stammzellen), andere angeborene oder erworbene Immundefekte und immunsuppressive Medikamente.
Klinik
- Immungesunde: meist symptomlos oder unspezifisch mit Fieber, Abgeschlagenheit und grippeähnlichen Beschwerden. Die CMV-Mononukleose ähnelt der EBV-Mononukleose, jedoch meist ohne ausgeprägte Pharyngitis; typisch sind eine meist subklinische Hepatitis ohne Ikterus und atypische Lymphozyten.
- Nach CMV-haltigen Blutprodukten: 2–4 Wochen später Fieber über 2–3 Wochen mit dem Bild einer CMV-Mononukleose.
- Immunschwäche: meist durch Reaktivierung; Pneumonie, Hepatitis, Befall des Gastrointestinaltrakts mit Ulzerationen in Kolon (Bauchschmerzen, Blutung) oder Ösophagus (Odynophagie), ZNS-Befall sowie Retinitis mit Gefahr der Erblindung. Bei fortgeschrittener HIV-Infektion tritt die Retinitis v. a. bei sehr niedrigen CD4-Zahlen auf.
- Schwangerschaft: etwa 75 % der Primärinfektionen verlaufen symptomlos. Eine Primärinfektion im ersten Trimenon birgt das höchste Risiko für den Feten.
- Kongenitale Infektion: Wachstumsverzögerung, Hörschäden, Mikrozephalie und neurologische Spätschäden; schwere Leber- und ZNS-Schäden.
Histologie
Bei Gewebebefall zeigen sich vergrößerte Zellen mit großen intranukleären Einschlusskörpern (Eulenaugenzellen, „owl's eye“). Der histopathologische Nachweis gilt als Goldstandard für die gewebeinvasive CMV-Erkrankung.
Diagnostik
- Serologie (Immungesunde, Schwangere): Eine Serokonversion (erstmaliges Auftreten von CMV-IgG in zwei Proben im Abstand von etwa 2 Wochen) beweist die Primärinfektion. IgM allein reicht nicht aus, da es auch bei Reaktivierung oder anderen Virusinfektionen auftreten und lange persistieren kann. Eine niedrige IgG-Avidität spricht für eine Infektion in den vergangenen etwa 3 Monaten.
- Abgrenzung zur EBV-Mononukleose: meist fehlende Pharyngitis, negativer heterophiler Antikörpertest, positive CMV-Serologie.
- Immunsupprimierte: quantitativer Nachweis von CMV-DNA (PCR, Viruslast) oder des pp65-Antigens in Leukozyten im Blut; hohe oder steigende Werte sprechen für eine invasive Erkrankung. Der Virusnachweis allein beweist keine Erkrankung, da auch eine reine Virusausscheidung vorliegen kann.
- Organbefall: Biopsie mit Histologie (z. B. bei Kolitis, Ösophagitis, Pneumonie); augenärztliche Fundoskopie bei Retinitisverdacht.
- Neugeborene: PCR aus Speichel oder Urin innerhalb der ersten Lebenstage; IgM fehlt bei bis zu 80 % der kongenital infizierten Kinder.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.