Staphylococcus-aureus-Bakteriämie
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- SAB, Staphylokokken-Sepsis, Staphylokokken im Blut, S.-aureus-Blutstrominfektion
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Infektiologie
- Bilder
- Klinik 1 · Blutausstrich & Zytologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Blutausstrich & ZytologieDefinition
Die Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB) bezeichnet den Nachweis von S. aureus in der Blutkultur. Kennzeichnend ist die Neigung, metastatische Infektionsherde in nahezu jedem Organsystem zu bilden, insbesondere eine Endokarditis. Eine SAB kann von jeder lokalisierten S.-aureus-Infektion ausgehen oder ohne erkennbaren Primärherd auftreten.
Einteilung
- Unkomplizierte SAB: keine Endokarditis, keine metastatischen Herde, kein Fremdmaterial, rasch negative Folgeblutkulturen und rasche Entfieberung.
- Komplizierte SAB: Endokarditis, metastatische Infektionsherde oder Ausbreitung über den Primärfokus hinaus, anhaltend positive Blutkulturen oder Wiederauftreten der Bakteriämie; zum Teil werden auch anhaltendes Fieber und Fremdmaterial einbezogen. Eine allgemein anerkannte, einheitliche Definition gibt es nicht.
- Nach Erwerb: ambulant erworbene und im Rahmen der medizinischen Versorgung erworbene (nosokomiale, katheterassoziierte) SAB.
- Nach Erregertyp: methicillinempfindlicher S. aureus (MSSA) und MRSA.
Vorkommen & Epidemiologie
- In bevölkerungsbezogenen Studien liegt die Inzidenz der SAB bei Erwachsenen zwischen 9,3 und 65 Fällen pro 100.000 Einwohner und Jahr, ohne klaren Trend in den letzten zwei Jahrzehnten.
- Das mittlere Alter der Erkrankten liegt zwischen 62 und 72 Jahren; Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
- Häufigste Infektionsquellen sind Gefäßkatheter sowie Haut- und Weichteilinfektionen.
- Besiedlung: S. aureus findet sich meist vorübergehend im vorderen Nasenvorhof bei etwa 32 % und auf der Haut bei etwa 20–30 % gesunder Erwachsener; Infektionen gehen meist vom eigenen Besiedlungsstamm aus.
Ätiopathogenese
- Erreger: Staphylococcus aureus, grampositive Haufenkokken, koagulasepositiv; Invasion ins Gewebe mit Neigung zur Abszessbildung, teils Toxinbildung.
- Eintrittspforten: Gefäßkatheter und andere Fremdkörper, Haut- und Weichteilinfektionen, intravenöser Drogenkonsum (Inokulation von der besiedelten Haut), Pneumonie, Knochen- und Gelenkinfektionen, Wundinfektionen nach Operationen; bei einem Teil kein erkennbarer Primärherd.
- Prädisponierende Faktoren: liegende Gefäßkatheter, Gelenk- und Gefäßprothesen, Herzklappenprothesen und kardiale elektronische Implantate; Diabetes mellitus; chronische Nierenerkrankung mit wiederholtem Gefäßzugang; Krebserkrankungen und Leukämie; HIV-Infektion; immunsuppressive Medikamente; Zustand nach Transplantation; chronische Hauterkrankungen, offene Wunden und Verbrennungen; frühere Endokarditis.
- Risikofaktoren für metastatische Herde: Fremdmaterial, Venenkatheter, intravenöser Drogenkonsum, frühere Endokarditis; lange Dauer der Bakteriämie, kurze Zeit bis zur Positivität der Blutkultur, ambulanter Erwerb; anhaltendes Fieber, unbekannter Primärfokus.
Klinik
- Allgemeinsymptome: Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie; bis zur Sepsis und zum septischen Schock mit Tachypnoe, Bewusstseinsstörung und Hypotonie.
- Primärfokus: z. B. gerötete, schmerzhafte Kathetereintrittsstelle, Weichteilinfektion, Pneumonie.
- Endokarditis: akut fieberhaft, häufig mit Herzgeräusch, Embolien, viszeralen Abszessen, Perikarditis, subungualen Petechien, subkonjunktivalen Blutungen, purpurischen Hautläsionen, perivalvulären Abszessen, Leitungsstörungen und schließlich Herzinsuffizienz durch Klappenzerstörung. Bei intravenösem Drogenkonsum ist häufig die Trikuspidalklappe betroffen.
- Metastatische Herde: Spondylodiszitis und Osteomyelitis, septische Arthritis (auch von Gelenkprothesen), Abszesse in Niere, Milz, Muskulatur, Lunge oder Gehirn, Meningitis; multiple Abszesse sind bei SAB besonders häufig. Bis zu 70 % der metastatischen Infektionen außerhalb des Herzens sind klinisch zunächst stumm.
- Pneumonie: hämatogen bei Katheterinfektion, Endokarditis oder Drogenkonsum; mitunter mit Abszessen, Pneumatozelen und Empyem.
Diagnostik
- Blutkulturen: Nachweis von S. aureus (Gram-Färbung: grampositive Haufenkokken, Kultur mit Empfindlichkeitsprüfung); Kulturen aus allen weiteren infizierten Materialien.
- Wiederholte Blutkulturen nach dem ersten positiven Befund: Anhaltend positive Kulturen sind stark mit metastatischen Infektionen verbunden und kennzeichnen eine komplizierte SAB.
- Wiederholte körperliche Untersuchung: Suche nach Primärfokus (Katheter, Haut, Wunden), Herzgeräusch, Endokarditiszeichen, Gelenk- und Wirbelsäulenschmerzen; allein aber nicht sensitiv genug, um metastatische Herde auszuschließen.
- Echokardiographie bei jeder SAB: Ein erheblicher Teil der Endokarditiden verläuft ohne klinische Zeichen. Transösophageale Echokardiographie (TEE) bei negativem transthorakalem Befund mit fortbestehendem Verdacht sowie bei Herzklappenprothesen oder kardialen elektronischen Implantaten. Risikoscores helfen bei der Einschätzung, ob eine TEE nötig ist.
- Fokussuche: gezielte Bildgebung nach Beschwerden (z. B. MRT der Wirbelsäule bei Rückenschmerzen, Sonographie oder CT des Abdomens); die [18F]FDG-PET/CT ist sehr sensitiv für extrakardiale metastatische Herde, besonders bei hohem Risiko.
- Labor: Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte; Entzündungsmarker werden auch zur Risikoeinschätzung untersucht.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.