Myokarditis

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Synonyme
Herzmuskelentzündung, Perimyokarditis, Myoperikarditis, virale Myokarditis, inflammatorische Kardiomyopathie
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Histologie
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Die Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels. Sie gehört zum Spektrum der entzündlichen myoperikardialen Syndrome, die nach dem überwiegenden Ort der Entzündung unterschieden werden: Perikarditis, Myoperikarditis (überwiegend Perikarditis mit Ausdehnung auf das Myokard), Perimyokarditis (überwiegend Myokarditis mit Ausdehnung auf das Perikard) und Myokarditis.

Einteilung

  • Nach Verlauf: akut (typischerweise wenige Tage), subakut (Wochen bis Monate) und chronisch (Entzündung nach einigen Monaten nicht abgeklungen); feste Zeitgrenzen gibt es nicht.
  • Fulminante Myokarditis: plötzlich einsetzende, schwere und lebensbedrohliche Form mit Kreislaufversagen.
  • Sonderformen: Riesenzellmyokarditis (selten, fulminant, mit vielkernigen Riesenzellen in der Biopsie), eosinophile Myokarditis, Hypersensitivitätsmyokarditis durch Medikamente, granulomatöse Myokarditis bei Sarkoidose.

Ätiopathogenese

  • Viral (in Nordamerika und Westeuropa häufigste infektiöse Ursache): Parvovirus B19 und humanes Herpesvirus 6 (am häufigsten in Biopsien nachgewiesen), Enteroviren einschließlich Coxsackie-B-Virus, Adenoviren, Epstein-Barr-Virus, Influenzaviren, Coronaviren einschließlich SARS-CoV-2, HIV.
  • Andere Erreger: Bakterien (z. B. Borrelia burgdorferi, Streptokokken der Gruppe A, Staphylokokken, Tuberkulose), Parasiten (z. B. Chagas-Krankheit durch Trypanosoma cruzi, Toxoplasmose), Pilze.
  • Autoimmun und entzündlich: systemischer Lupus erythematodes, Granulomatose mit Polyangiitis, Riesenzell- und Takayasu-Arteriitis, idiopathische entzündliche Myopathien, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Sarkoidose.
  • Toxische Ursachen: Alkohol, Kokain; bestimmte Medikamente (Hypersensitivitätsmyokarditis), darunter moderne Krebsmedikamente, die das Immunsystem aktivieren, und Anthrazykline; radiogen.
  • Genetische Faktoren: Varianten in Genen für erbliche Kardiomyopathien oder Rhythmusstörungen können die Anfälligkeit erhöhen.

Klinik

  • Häufig vorausgehender Virusinfekt oder Atemwegsinfekt, oft 1–4 Wochen vor Beginn der kardialen Symptome.
  • Spektrum von kaum Beschwerden bis zu fulminanter Herzinsuffizienz und tödlichen Rhythmusstörungen; ein plötzlicher Herztod kann die Erstmanifestation sein, eventuell nach Palpitationen oder Synkopen.
  • Herzinsuffizienzzeichen: Müdigkeit, Dyspnoe, Ödeme, Rasselgeräusche, gestaute Halsvenen, dritter oder vierter Herzton, Insuffizienzgeräusche von Mitral- und Trikuspidalklappe; Pulsus alternans bei schwerer systolischer Dysfunktion.
  • Bei Perikardbeteiligung perikarditischer Brustschmerz (verstärkt durch Atmung und Husten, gebessert im Vorbeugen) und Perikardreiben.
  • Hinweise auf die Ursache: Fieber und Myalgien bei Infektion, Exanthem bei Hypersensitivitätsmyokarditis, Lymphknotenvergrößerung bei Sarkoidose, fulminanter Verlauf mit Rhythmusstörungen bei Riesenzellmyokarditis.
  • Übergang in eine dilatative Kardiomyopathie ist möglich.

Histologie

Die Endomyokardbiopsie gilt als Goldstandard: Sie zeigt ein entzündliches Infiltrat mit Nekrose angrenzender Herzmuskelzellen. Wegen des fleckigen Befalls ist die Sensitivität gering – ein positiver Befund sichert die Diagnose, ein negativer schließt sie nicht aus. Charakteristische Befunde sind vielkernige Riesenzellen bei Riesenzellmyokarditis und eosinophile Infiltrate bei eosinophiler Myokarditis.

Diagnostik

  • Labor: kardiales Troponin (hochsensitive Tests mit Sensitivität von 64–100 % für akute Myokarditis), Blutbild; ergänzend Untersuchungen zur Ursache.
  • EKG: normal oder verändert; häufig unspezifische ST-T-Veränderungen, teils infarktähnliche ST-Hebungen; Leitungsverzögerungen, Sinustachykardie, ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern; AV-Blockierungen bei Lyme-Karditis, Riesenzellmyokarditis oder Sarkoidose; Niedervoltage bei ausgeprägtem Ödem oder Funktionsstörung.
  • Echokardiographie: in frühen oder milden Fällen normal; segmentale Wandbewegungsstörungen, Dilatation und globale systolische Dysfunktion, abnormer Strain, häufig diastolische Funktionsstörung.
  • Kardio-MRT: oft entscheidende Untersuchung; typisches Late-Gadolinium-Enhancement subepikardial und intramyokardial (bei Ischämie dagegen subendokardial), Myokardödem und Hyperämie. Die Diagnose stützt sich auf den kombinierten Nachweis von Ödem und nicht-ischämischer Myokardschädigung mit T1- und T2-basierten Verfahren; Perikarditis-Zeichen oder systolische Dysfunktion stützen sie.
  • Endomyokardbiopsie: ein positiver Befund sichert die Diagnose und kann Sonderformen wie die Riesenzell- oder eosinophile Myokarditis nachweisen; wegen möglicher Komplikationen keine Routineuntersuchung.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Myokarditis mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Myocarditis
  2. StatPearls: Acute Myocarditis
  3. StatPearls: Viral Myocarditis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.