Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)

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Synonyme
Bluthochdruck, hoher Blutdruck, Hochdruck, Hypertonus, essenzielle Hypertonie, primäre Hypertonie, Weißkittelhypertonie, maskierte Hypertonie, isolierte systolische Hypertonie
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Die arterielle Hypertonie ist eine dauerhafte Erhöhung des arteriellen Blutdrucks. Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie (in Anlehnung an ESC/ESH 2018) liegt sie bei einem in der Praxis im Sitzen gemessenen Blutdruck von 140/90 mmHg oder höher vor. US-amerikanische Leitlinien setzen die Grenze bereits bei 130/80 mmHg.

Man unterscheidet die primäre (essenzielle) Hypertonie ohne fassbare Einzelursache, die mit etwa 85 % die große Mehrheit ausmacht, von der sekundären Hypertonie mit identifizierbarer Ursache.

Einteilung

Schweregrade (Praxismessung)

  • Grad 1: systolisch 140–159 und/oder diastolisch 90–99 mmHg
  • Grad 2: systolisch 160–179 und/oder diastolisch 100–109 mmHg
  • Grad 3: systolisch 180 oder höher und/oder diastolisch 110 oder höher
  • Isolierte systolische Hypertonie: systolisch 140 oder höher bei diastolisch unter 90 mmHg (ebenfalls in Grade 1–3 unterteilt)
  • Weißkittelhypertonie: nur bei Messung in der Praxis erhöhte Werte, außerhalb normal
  • Maskierte Hypertonie: außerhalb der Praxis dauerhaft erhöht, in der Praxis unauffällig; Hinweise sind berichtete hohe Selbstmesswerte, stark schwankende Werte oder Organschäden ohne bekannte Hypertonie

Vorkommen & Epidemiologie

In Deutschland liegt die Häufigkeit bei Erwachsenen bei knapp einem Drittel: In der DEGS1-Studie mit standardisierter Messung betrug die Punktprävalenz 31,6 % (Männer 33,3 %, Frauen 29,9 %). Bei Menschen ab 65 Jahren gaben in der GEDA-Studie fast zwei Drittel eine Hypertonie an (Frauen 63,8 %, Männer 65,1 %). Weltweit liegt die altersstandardisierte Prävalenz bei den 30- bis 79-Jährigen bei etwa einem Drittel; in Ländern mit hohem Einkommen wissen rund 27–31 % der Betroffenen nichts von ihrer Hypertonie.

Ätiopathogenese

Die primäre Hypertonie hat keine einheitliche Ursache; Plasmavolumen, Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und Sympathikusaktivität sind unterschiedlich verändert, und meist wirken mehrere Faktoren zusammen. Da der Blutdruck dem Produkt aus Herzzeitvolumen und peripherem Gefäßwiderstand entspricht, ist meist der periphere Widerstand erhöht bei normalem oder leicht erhöhtem Herzzeitvolumen. Gestörter Natriumtransport, verminderte Stickstoffmonoxid-Bildung und zunehmende Gefäßsteifigkeit im Alter (isolierte systolische Hypertonie) tragen bei.

Risikofaktoren: Adipositas, Tabakkonsum, riskanter Alkoholkonsum, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Bewegungsmangel und Stress; eine hohe Salzzufuhr wirkt vor allem bei genetischer Veranlagung und im höheren Alter blutdrucksteigernd.

Klinik

Beschwerden und Folgeschäden

Die Hypertonie verläuft meist symptomlos, bis Folgeschäden an den Zielorganen auftreten; selbst sehr hohe Werte können beschwerdefrei sein. Mögliche Beschwerden sind Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Belastungsdyspnoe, Angina pectoris, Palpitationen und Nykturie.

  • Herz: linksventrikuläre Hypertrophie, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern
  • Gehirn: Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke, kognitive Einschränkungen bis zur Demenz
  • Niere: chronische Nierenkrankheit mit Albuminurie
  • Gefäße: Atherosklerose, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Aortendissektion und Bauchaortenaneurysma
  • Augen: hypertensive Retinopathie nach Keith-Wagener-Barker: Grad 1 nur Engstellung der Arteriolen, Grad 2 Engstellung und Sklerose, Grad 3 zusätzlich Blutungen und Exsudate, Grad 4 Papillenödem

Diagnostik

Blutdruckmessung

  • Praxismessung: nach mindestens 5 Minuten Ruhe im Sitzen am Oberarm, z. B. drei Messungen im Abstand von 2 Minuten mit Mittelwert der 2. und 3. Messung; Grenzwert 140/90 mmHg
  • 24-Stunden-Blutdruckmessung: Grenzwerte Tagesmittel 135/85, 24-Stunden-Mittel 130/80 und Nachtmittel 120/70 mmHg; erkennt Weißkittel- und maskierte Hypertonie sowie eine aufgehobene nächtliche Absenkung
  • Häusliche Selbstmessung: morgens und abends je zwei Messungen über sieben Tage; Grenzwert 135/85 mmHg

Basisdiagnostik und Organschäden

  • Anamnese: Beschwerden, kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Diabetes, Nierenkrankheit, Schlafapnoe, Hypertonie in der Schwangerschaft, blutdrucksteigernde Medikamente und Substanzen (z. B. Schmerzmittel, orale Kontrazeptiva, Lakritz, Koffein, Drogen), Schnarchen
  • Untersuchung: Größe, Gewicht, Taillenumfang, Auskultation von Herz, Hals und Abdomen (Strömungsgeräusche), Pulsstatus, Fundoskopie, neurologischer Status
  • Labor: Natrium, Kalium, eGFR (Kreatinin), Lipidstatus, Nüchternglukose oder HbA1c, Urinstatus; bei Erstdiagnose Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin (bei chronischer Nierenkrankheit und auch ohne bekannte Nierenkrankheit)
  • 12-Kanal-EKG: Hinweise auf linksventrikuläre Hypertrophie, Ischämie oder Rhythmusstörungen; bei Hypertrophiezeichen ergänzend Echokardiographie

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie: Hypertonie
  2. MSD Manual Professional: Hypertension
  3. StatPearls: Essential Hypertension
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Langfassung Version 1.0
  5. MSD Manual Professional: Atrial Fibrillation
  6. MSD Manual Professional: Vascular Cognitive Impairment and Dementia

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.