Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
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- erhöhtes Cholesterin, hohe Cholesterinwerte, Hyperlipidämie, FH, familiäre Hypercholesterinämie, Fettstoffwechselstörung
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
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- Klinik 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Eine Hypercholesterinämie ist eine Form der Dyslipidämie mit erhöhtem Plasmacholesterin, insbesondere LDL-Cholesterin, die zur Entstehung der Atherosklerose beiträgt. Die familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine erbliche Störung der LDL-Clearance, meist durch einen Defekt des LDL-Rezeptors.
Einteilung
- Nach Lipidmuster: isolierte (reine) Hypercholesterinämie, isolierte Hypertriglyzeridämie oder kombinierte (gemischte) Hyperlipidämie; die frühere Einteilung nach Fredrickson-Phänotypen ist weitgehend ersetzt.
- Nach Ursache: primär (genetisch) oder sekundär.
- Heterozygote FH: Häufigkeit etwa 1:200; Gesamtcholesterin etwa 6,5–13 mmol/l (250–500 mg/dl).
- Homozygote FH: Häufigkeit etwa 1:250.000 bis 1:1 Million; Gesamtcholesterin über 13 mmol/l (über 500 mg/dl).
- Familiär defektes Apolipoprotein B-100: Defekt der LDL-Rezeptor-Bindungsregion, dominant, etwa 1:700.
- Gain-of-function-Mutationen von PCSK9: vermehrter Abbau der LDL-Rezeptoren, dominant, Bild wie bei FH.
- Polygene Hypercholesterinämie: häufig, Gesamtcholesterin etwa 6,5–9,0 mmol/l (250–350 mg/dl).
Ätiopathogenese
- Primär: Mutationen einzelner oder mehrerer Gene, die zu Überproduktion oder verminderter Clearance von LDL führen. Bei der FH (kodominanter Erbgang) ist die LDL-Clearance durch den Rezeptordefekt vermindert.
- Sekundär: in Ländern mit hohem Einkommen vor allem eine bewegungsarme Lebensweise mit übermäßiger Zufuhr von Kalorien, gesättigten Fetten, Cholesterin und Transfetten; daneben Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankung, primär biliäre Cholangitis und andere cholestatische Lebererkrankungen, Hypothyreose, übermäßiger Alkoholkonsum und bestimmte Medikamente.
Klinik
- Die Hypercholesterinämie selbst verursacht keine Beschwerden; klinisch bedeutsam sind die Folgen der Atherosklerose.
- Heterozygote FH: Sehnenxanthome, Arcus corneae, vorzeitige koronare Herzkrankheit (etwa 30.–50. Lebensjahr); die FH ist für etwa 5 % der Herzinfarkte bei unter 60-Jährigen verantwortlich.
- Homozygote FH: plane, tendinöse und tuberöse Xanthome, koronare Herzkrankheit bereits vor dem 18. Lebensjahr.
- Hautbefunde bei stark erhöhtem LDL (über 4,9 mmol/l bzw. 190 mg/dl): Sehnenxanthome an Achillessehne, Ellenbogen, Knie und über den Fingergrundgelenken; plane Xanthome (flache gelbliche Flecken) und tuberöse Xanthome (derbe, schmerzlose Knoten über den Streckseiten der Gelenke); Arcus corneae; Xanthelasmen an den inneren Lidwinkeln (kommen auch bei normalen Lipidwerten vor).
Diagnostik
- Lipidprofil: Gesamtcholesterin, Triglyzeride und HDL-Cholesterin werden direkt gemessen, LDL-Cholesterin meist berechnet. Gesamtcholesterin schwankt von Tag zu Tag um etwa 10 %, Triglyzeride um bis zu 25 %. Eine Messung im nüchternen Zustand ist nur in bestimmten Situationen nötig, etwa bei Triglyzeriden über 4,5 mmol/l (400 mg/dl).
- Störfaktoren: Bei akuter Erkrankung steigen Triglyzeride und Lipoprotein(a), Cholesterin sinkt; nach einem akuten Myokardinfarkt schwanken die Werte etwa 30 Tage.
- Hinweise auf eine primäre Störung: vorzeitige atherosklerotische Erkrankung (Männer unter 55, Frauen unter 60 Jahren), entsprechende Familienanamnese oder schwere Hyperlipidämie in der Familie, LDL-Cholesterin über 4,9 mmol/l (190 mg/dl), Xanthome.
- Sekundäre Ursachen werden gezielt gesucht (z. B. Diabetes, Nieren-, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen).
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.