Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
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- Rechtsschenkelblock, Linksschenkelblock, RSB, LSB, Hemiblock, linksanteriorer Hemiblock, bifaszikulärer Block, Faszikelblock, intraventrikuläre Leitungsstörung
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Ein Schenkelblock ist eine teilweise oder vollständige Unterbrechung der Erregungsleitung in einem Tawara-Schenkel, ein faszikulärer Block (Hemiblock) eine entsprechende Störung in einem Faszikel des linken Schenkels. Normalerweise werden beide Kammern gleichzeitig erregt und der QRS-Komplex ist höchstens 0,11 s breit; bei einem Schenkelblock wird eine Kammer verspätet erregt und der QRS-Komplex verbreitert sich.
Einteilung
- Rechtsschenkelblock (RSB) und Linksschenkelblock (LSB), jeweils komplett oder inkomplett (gleiche Kriterien, QRS-Breite aber unter 0,12 s)
- Linksanteriorer und linksposteriorer Hemiblock
- Bifaszikulärer Block: RSB plus linksanteriorer oder linksposteriorer Hemiblock
- Die Kombination aus bifaszikulärem Block und AV-Block I. Grades wird oft ungenau „trifaszikulär“ genannt; ein echter trifaszikulärer Block ist ein RSB mit alternierendem links-anteriorem und links-posteriorem Hemiblock oder ein alternierender LSB und RSB.
Ätiopathogenese
Leitungsblöcke können bei vielen Herzerkrankungen entstehen, aber auch durch eine isolierte Degeneration des Leitungssystems ohne weitere Herzerkrankung.
- RSB: auch bei Herzgesunden; außerdem beim Vorderwandinfarkt (Hinweis auf ausgedehnte Schädigung) und vorübergehend nach Lungenembolie als Zeichen einer relevanten Rechtsherzbelastung
- LSB: häufiger als der RSB mit einer strukturellen Herzerkrankung verbunden; ebenfalls beim Vorderwandinfarkt
- Hemiblöcke: gleiche Zusammenhänge mit Herzerkrankungen wie beim LSB; der isolierte linksposteriore Hemiblock ist selten, der linksanteriore häufiger
Klinik
Schenkelblöcke selbst verursachen meist keine Beschwerden; Symptome entstehen durch die Grunderkrankung. Ein LSB kann eine mechanische Dyssynchronie der Kammern bewirken, die die systolische Funktion verschlechtert und zur Herzinsuffizienz beitragen kann, besonders bei vorgeschädigtem Herzen. Bi- oder trifaszikuläre Blöcke nach einem Infarkt sprechen für eine ausgedehnte Schädigung.
Diagnostik
EKG-Kriterien Rechtsschenkelblock
- QRS mindestens 0,12 s
- rsr′-, rsR′- oder rSR′-Muster in V1 oder V2 („M-Form“)
- verspätete rechtsventrikuläre Aktivierung: Zeit vom QRS-Beginn bis zur Spitze der letzten R-Zacke in V1 über 0,05 s
- S-Zacke in I und V6 breiter als die R-Zacke oder länger als 0,04 s; sekundäre ST-Senkung und T-Negativierung vor allem in V1
EKG-Kriterien Linksschenkelblock
- QRS mindestens 0,12 s
- breite, gekerbte oder verplumpte R-Zacke und fehlende Q-Zacken in I, aVL, V5 und V6
- verspätete linksventrikuläre Aktivierung: Zeit bis zur Spitze der letzten R-Zacke in V5 und V6 über 0,06 s
- sekundäre ST-T-Veränderungen entgegengesetzt zur Hauptrichtung des QRS-Komplexes (diskordant)
Hemiblöcke und weitere Abklärung
- Linksanteriorer Hemiblock: QRS leicht verbreitert (unter 0,12 s), Herzachse negativer als −45° (überdrehter Linkstyp), qR-Muster in aVL
- Linksposteriorer Hemiblock: Herzachse positiver als +120°, rS-Muster in aVL, qR-Muster in II und aVF
- Ein RSB beeinträchtigt die EKG-Diagnose eines abgelaufenen Infarkts kaum. Bei Nachweis eines Schenkelblocks wird nach einer zugrunde liegenden Herzerkrankung gesucht, vor allem beim LSB, z. B. mit Echokardiographie.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Vorhofflimmern
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Ventrikuläre Tachykardie
- Dilatative Kardiomyopathie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.