Vorhofflattern
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- VFL, AFL, Vorhofflattern typisch, Sägezahn-EKG, Herzrasen, Herzrhythmusstörung
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Vorhofflattern ist eine schnelle, regelmäßige Vorhoftätigkeit auf dem Boden eines atrialen Makro-Reentry; die Vorhöfe depolarisieren mit 250–350/min (typischerweise etwa 300/min).
- Typisches Vorhofflattern: Kreiserregung um die Trikuspidalklappe im rechten Vorhof, die zwingend durch den cavotrikuspidalen Isthmus (zwischen Mündung der unteren Hohlvene und Trikuspidalklappenring) läuft
- Gegen den Uhrzeigersinn (häufigste Form): negative Flatterwellen im Sägezahnmuster in II, III und aVF, positive in V1
- Im Uhrzeigersinn (seltener, „reverse typical“): umgekehrtes Muster mit positiven Flatterwellen in II, III und aVF und negativen in V1; ebenfalls isthmusabhängig
- Atypisches Vorhofflattern: Makro-Reentry ohne Beteiligung des cavotrikuspidalen Isthmus, im rechten oder linken Vorhof, häufig um Narbengewebe oder fibrotische Areale im Vorhof
Einteilung
AV-Überleitung
- Überleitung 2:1 (am häufigsten): Vorhoffrequenz typischerweise 300/min, Kammerfrequenz regelmäßig 150/min
- Wechselnde Überleitung: unregelmäßiger Kammerrhythmus
- Feste 3:1-, 4:1- oder 5:1-Überleitung: seltener, mit entsprechend langsamerer Kammerfrequenz
- 1:1-Überleitung: selten, mit sehr hoher Kammerfrequenz und hämodynamischer Gefährdung
Vorkommen & Epidemiologie
Vorhofflattern ist deutlich seltener als Vorhofflimmern, hat aber ähnliche Ursachen und hämodynamische Folgen. Beide Rhythmusstörungen treten oft gemeinsam auf: In einer bevölkerungsbezogenen Studie war bei 69 % der Menschen mit neu diagnostiziertem Vorhofflattern bereits Vorhofflimmern bekannt, von den übrigen entwickelten 40 % innerhalb von drei Jahren Vorhofflimmern.
Ätiopathogenese
Die Ursachen entsprechen weitgehend denen des Vorhofflimmerns: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, Herzklappenerkrankungen, Hyperthyreose, Alkoholexzess, Lungenembolie, COPD und angeborene Herzfehler. Die Vorhöfe depolarisieren mit 250–350/min; der AV-Knoten kann diese Frequenz meist nicht vollständig weiterleiten und wirkt als Filter.
Klinik
- Die Beschwerden hängen vor allem von der Kammerfrequenz und einer zugrunde liegenden Herzerkrankung ab; bei regelmäßiger Frequenz unter 120/min bestehen oft kaum Symptome.
- Schnellere Frequenzen und wechselnde Überleitung verursachen Palpitationen; ein vermindertes Herzzeitvolumen führt zu Brustbeschwerden, Dyspnoe, Schwäche oder Synkope.
- Im Jugularvenenpuls sind Flatterwellen sichtbar.
- Vorhofthromben können entstehen und embolisieren; das Risiko bei isoliertem Vorhofflattern wird auf etwa die Hälfte des Risikos bei Vorhofflimmern geschätzt.
Diagnostik
- Die Diagnose wird im EKG gestellt: kontinuierliche, regelmäßige Vorhoferregung mit Sägezahnmuster, am deutlichsten in II, III und aVF.
- Eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit etwa 150/min lenkt den Verdacht auf Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung, da Flatterwellen dann teilweise im QRS-Komplex oder in der T-Welle verborgen sind.
- Karotissinusmassage kann den AV-Block vorübergehend verstärken und die Flatterwellen besser sichtbar machen.
- Ergänzend: Echokardiographie (strukturelle Herzerkrankung, Thromben), Schilddrüsenwerte, Langzeit-EKG; die elektrophysiologische Untersuchung klärt den Mechanismus bei atypischem Flattern.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Vorhofflimmern
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
- Ventrikuläre Tachykardie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.