Vorhofflattern

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Synonyme
VFL, AFL, Vorhofflattern typisch, Sägezahn-EKG, Herzrasen, Herzrhythmusstörung
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Vorhofflattern ist eine schnelle, regelmäßige Vorhoftätigkeit auf dem Boden eines atrialen Makro-Reentry; die Vorhöfe depolarisieren mit 250–350/min (typischerweise etwa 300/min).

  • Typisches Vorhofflattern: Kreiserregung um die Trikuspidalklappe im rechten Vorhof, die zwingend durch den cavotrikuspidalen Isthmus (zwischen Mündung der unteren Hohlvene und Trikuspidalklappenring) läuft
  • Gegen den Uhrzeigersinn (häufigste Form): negative Flatterwellen im Sägezahnmuster in II, III und aVF, positive in V1
  • Im Uhrzeigersinn (seltener, „reverse typical“): umgekehrtes Muster mit positiven Flatterwellen in II, III und aVF und negativen in V1; ebenfalls isthmusabhängig
  • Atypisches Vorhofflattern: Makro-Reentry ohne Beteiligung des cavotrikuspidalen Isthmus, im rechten oder linken Vorhof, häufig um Narbengewebe oder fibrotische Areale im Vorhof

Einteilung

AV-Überleitung

  • Überleitung 2:1 (am häufigsten): Vorhoffrequenz typischerweise 300/min, Kammerfrequenz regelmäßig 150/min
  • Wechselnde Überleitung: unregelmäßiger Kammerrhythmus
  • Feste 3:1-, 4:1- oder 5:1-Überleitung: seltener, mit entsprechend langsamerer Kammerfrequenz
  • 1:1-Überleitung: selten, mit sehr hoher Kammerfrequenz und hämodynamischer Gefährdung

Vorkommen & Epidemiologie

Vorhofflattern ist deutlich seltener als Vorhofflimmern, hat aber ähnliche Ursachen und hämodynamische Folgen. Beide Rhythmusstörungen treten oft gemeinsam auf: In einer bevölkerungsbezogenen Studie war bei 69 % der Menschen mit neu diagnostiziertem Vorhofflattern bereits Vorhofflimmern bekannt, von den übrigen entwickelten 40 % innerhalb von drei Jahren Vorhofflimmern.

Ätiopathogenese

Die Ursachen entsprechen weitgehend denen des Vorhofflimmerns: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, Herzklappenerkrankungen, Hyperthyreose, Alkoholexzess, Lungenembolie, COPD und angeborene Herzfehler. Die Vorhöfe depolarisieren mit 250–350/min; der AV-Knoten kann diese Frequenz meist nicht vollständig weiterleiten und wirkt als Filter.

Klinik

  • Die Beschwerden hängen vor allem von der Kammerfrequenz und einer zugrunde liegenden Herzerkrankung ab; bei regelmäßiger Frequenz unter 120/min bestehen oft kaum Symptome.
  • Schnellere Frequenzen und wechselnde Überleitung verursachen Palpitationen; ein vermindertes Herzzeitvolumen führt zu Brustbeschwerden, Dyspnoe, Schwäche oder Synkope.
  • Im Jugularvenenpuls sind Flatterwellen sichtbar.
  • Vorhofthromben können entstehen und embolisieren; das Risiko bei isoliertem Vorhofflattern wird auf etwa die Hälfte des Risikos bei Vorhofflimmern geschätzt.

Diagnostik

  • Die Diagnose wird im EKG gestellt: kontinuierliche, regelmäßige Vorhoferregung mit Sägezahnmuster, am deutlichsten in II, III und aVF.
  • Eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit etwa 150/min lenkt den Verdacht auf Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung, da Flatterwellen dann teilweise im QRS-Komplex oder in der T-Welle verborgen sind.
  • Karotissinusmassage kann den AV-Block vorübergehend verstärken und die Flatterwellen besser sichtbar machen.
  • Ergänzend: Echokardiographie (strukturelle Herzerkrankung, Thromben), Schilddrüsenwerte, Langzeit-EKG; die elektrophysiologische Untersuchung klärt den Mechanismus bei atypischem Flattern.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Vorhofflattern mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Atrial Flutter
  2. StatPearls: Atrial Flutter
  3. Cavotricuspid Isthmus-Dependent Atrial Flutter (Rev Cardiovasc Med 2024, PMC11262378)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.