Varikose (Krampfadern)
- Synonyme
- Krampfadern, Krampfaderleiden, Varizen, Besenreiser, Venenleiden, Stammvarikose
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Angiologie
- Bilder
- Klinik 2 · Makropräparat 1 · Röntgen 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Makropräparat
RöntgenDefinition
Die primäre Varikose ist eine degenerative Erkrankung der Venenwand im oberflächlichen Venensystem der Beine, bei der sich im Laufe des Lebens erweiterte, geschlängelte Venen (Krampfadern, Varizen) entwickeln. Sie ist eine lebenslange, fortschreitende, aber nicht lebensbedrohliche Erkrankung.
Davon unterschieden werden sekundäre Varizen, die sich als oberflächliche Umgehungskreisläufe bei Verschlussprozessen im tiefen Venensystem (z. B. nach TVT) bilden.
Einteilung
Nach Lage und Form unterscheidet man:
- Stammvarizen der V. saphena magna oder parva, einschließlich der akzessorischen Venen
- Seitenastvarizen
- Perforansvarizen
- pelvine Varizen
- retikuläre Varizen
- Besenreiservarizen
Bei einer Stammveneninsuffizienz ab der Mündungsregion beschreibt die Einteilung nach Hach den Grad nach der Länge der Refluxstrecke bis zum distalen Insuffizienzpunkt. Daneben gibt es die inkomplette Stammvarikose, die aszendierende Varikose ohne Mündungsinsuffizienz und Sonderformen (z. B. pudendale, gluteale, pelvine Varikose). Klinisch entspricht die Varikose der CEAP-Klasse C2; mit Ödem oder Hautveränderungen liegt eine chronische venöse Insuffizienz (C3–C6) vor.
Vorkommen & Epidemiologie
Die primäre Varikose ist sehr häufig. In der Bonner Venenstudie hatten 12,4 % der Männer und 15,8 % der Frauen eine Varikose ohne Zeichen einer chronischen venösen Insuffizienz. Die Erkrankung kann schon in der Kindheit beginnen; ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ätiopathogenese
Für die primäre Varikose wird eine erbliche Veranlagung angenommen; Krampfadern treten familiär gehäuft auf. Ursache sind eine primäre Insuffizienz der Venenklappen mit Reflux oder eine primäre Erweiterung der Venenwand durch strukturelle Schwäche.
Wesentliche Risikofaktoren sind:
- höheres Lebensalter
- weibliches Geschlecht (Einfluss von Östrogenen auf die Venenwand, erhöhter Venendruck im Becken und in den Beinen während der Schwangerschaft)
- Schwangerschaften
- positive Familienanamnese
- Orthostasebelastung (langes Stehen)
Zentraler Krankheitsmechanismus ist die gestörte venöse Hämodynamik mit ambulatorischer venöser Hypertonie. Selten sind Varizen Teil eines Klippel-Trénaunay-Weber-Syndroms mit angeborenen arteriovenösen Fisteln und kapillären Angiomen der Haut.
Klinik
Krampfadern können anfangs gespannt und tastbar, aber noch nicht sichtbar sein; später werden sie größer, treten hervor und sind im Stehen am deutlichsten zu sehen. Viele verursachen keine Beschwerden. Die häufigsten Symptome sind Schwere- und Völlegefühl, Schwellung und Juckreiz, seltener Schmerzen nach längerem Stehen oder Sitzen sowie Überempfindlichkeit der Haut.
Komplikationen:
- oberflächliche Venenthrombose (Varikophlebitis): schmerzhafter, tastbarer Strang
- Varizenblutung: dünnwandige oberflächliche Venenbläschen können schon nach geringem Trauma reißen und bluten
- chronische venöse Insuffizienz mit Ödem, trophischen Hautveränderungen und Ulcus cruris venosum, besonders bei Stamm- und Perforansvarikose
- erhöhtes Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose, besonders im Zusammenhang mit einer oberflächlichen Venenthrombose
Diagnostik
- Anamnese: Beginn und Beschwerden, Schwellung, Hautveränderungen, Juckreiz, frühere Thrombosen, Familienanamnese
- Klinische Untersuchung im Stehen: sichtbare Varizen an Ober- und Unterschenkeln, Ödeme, Hyperpigmentierung, Ekzeme, (abgeheilte) Ulzera; tastbare strangförmige Verhärtungen weisen auf eine abgelaufene oder akute oberflächliche Venenthrombose hin
- Duplexsonographie: bildgebendes Verfahren der ersten Linie, am stehenden Menschen mit Provokationsmanövern (Valsalva-Manöver, Auspressen der Wade); sie erfasst Reflux in Stammvenen und Seitenästen, den proximalen Insuffizienzpunkt, Perforansvenen und den Zustand des tiefen Venensystems
- CW-Doppler-Sonographie: orientierend, wenn keine Duplexsonographie verfügbar ist; Knöchel-Arm-Index bei Verdacht auf begleitende pAVK
- Funktionsmessungen: Photoplethysmographie (Lichtreflexionsrheographie) und Venenverschlussplethysmographie
- Phlebographie, CT- oder MR-Phlebographie: nur bei speziellen Fragestellungen (z. B. Angiodysplasien, pelvine Varikose)
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Angiologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.