Lungenembolie
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- Lungenarterienembolie, Blutgerinnsel in der Lunge, Lungeninfarkt, LE, LAE, Pulmonalembolie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Angiologie
- Bilder
- CT 2 · EKG 1 · Röntgen 1 · Szintigraphie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (6)
CT
EKG
CT
Röntgen
Szintigraphie
MakropräparatDefinition
Die Lungenembolie (LE, Lungenarterienembolie) ist eine teilweise oder vollständige Verlegung der Lungenarterien, meist durch eingeschwemmte Thromben aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen. Zusammen mit der tiefen Venenthrombose bildet sie das Krankheitsbild der venösen Thromboembolie (VTE). Nicht-thrombotische Embolien (z. B. durch Luft, Fruchtwasser, Fett oder Tumorzellen) sind selten.
Einteilung
Grundformen
- Nach der Hämodynamik: Als instabil gelten Patientinnen und Patienten mit Atem-Kreislauf-Stillstand, Schock oder anhaltender Hypotonie, alle übrigen als stabil
- Nach der Lokalisation: zentrale, segmentale und subsegmentale Embolien; die Sattelembolie liegt in der Aufzweigung des Pulmonalarterienstamms
Schweregrade (ESC)
Bei stabilen Patientinnen und Patienten wird der Schweregrad nach ESC weiter eingeteilt. Grundlage ist der vereinfachte Pulmonary Embolism Severity Index (sPESI) mit je 1 Punkt für Alter über 80 Jahre, aktive Tumorerkrankung, chronische Herz- oder Lungenerkrankung, Herzfrequenz ≥ 110/min, systolischen Blutdruck unter 100 mmHg und arterielle Sauerstoffsättigung unter 90 %.
- hohes Risiko: hämodynamisch instabil
- intermediär-hoch: sPESI ≥ 1 mit Rechtsherzbelastung in Echokardiographie oder CT und erhöhte kardiale Biomarker
- intermediär-niedrig: sPESI ≥ 1 ohne diese Kombination
- niedrig: sPESI 0 ohne Zeichen einer Rechtsherzbelastung
Vorkommen & Epidemiologie
Die jährliche Inzidenz liegt in epidemiologischen Studien bei bis zu 115 pro 100.000 Personen und steigt mit dem Lebensalter. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist die Lungenembolie die dritthäufigste akute kardiovaskuläre Erkrankung. Frauen erleiden eine VTE häufiger als Männer in Form einer Lungenembolie.
Ätiopathogenese
Die Risikofaktoren entsprechen denen der tiefen Venenthrombose (Virchow-Trias: Stase, Endothelschädigung, Hyperkoagulabilität). Thromben, die bis in die V. poplitea oder weiter proximal reichen, embolisieren häufiger.
Mechanische Verlegung und Vasokonstriktion erhöhen den Lungengefäßwiderstand. Die Nachlast des rechten Ventrikels steigt; er dilatiert, es entstehen eine Trikuspidalinsuffizienz und eine erhöhte Wandspannung bis zum akuten Rechtsherzversagen (akutes Cor pulmonale). Der Gasaustausch ist gestört, es kommt zu Hypoxämie. Viele Emboli sind klein und bleiben ohne Beschwerden. Die körpereigene Fibrinolyse verkleinert die meisten Emboli; die funktionellen Veränderungen bilden sich innerhalb von Stunden bis Tagen zurück.
Ein Lungeninfarkt entsteht vor allem durch kleinere, peripher steckende Emboli; wegen der doppelten Blutversorgung der Lunge ist er relativ selten.
Klinik
Symptome und Befunde
Die Beschwerden sind unspezifisch. Am häufigsten sind plötzlich einsetzende Atemnot, Thoraxschmerzen (oft atemabhängig), Synkope oder Präsynkope und Hämoptysen. Das Spektrum reicht von Beschwerdefreiheit bis zu Schock und Herz-Kreislauf-Stillstand.
Befunde sind Tachypnoe und Tachykardie, bei Rechtsherzversagen gestaute Halsvenen. Der Auskultationsbefund der Lunge ist meist unauffällig; Zeichen einer Beinvenenthrombose fehlen häufig.
Komplikationen
- Lungeninfarkt, Pleuraerguss
- akutes Rechtsherzversagen, obstruktiver Schock, plötzlicher Herztod
- selten paradoxe Embolie bei offenem Foramen ovale
- chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) nach 1–3 % der Lungenembolien
Diagnostik
Klinische Wahrscheinlichkeit
Bei stabilen Patientinnen und Patienten beginnt die Diagnostik mit der klinischen Wahrscheinlichkeit, z. B. nach dem Wells-Score (Originalpunkte):
- klinische Zeichen einer TVT: 3
- Lungenembolie wahrscheinlicher als eine alternative Diagnose: 3
- kürzlich postoperativ oder Immobilisierung: 1,5
- Herzfrequenz über 100/min: 1,5
- VTE in der Vorgeschichte: 1,5
- Hämoptysen: 1
- aktive Tumorerkrankung: 1
Ein Wert über 4 bedeutet eine hohe, 0–4 eine niedrige klinische Wahrscheinlichkeit. Alternativ dient der revidierte Genfer Score.
Labor
- D-Dimere: Normwertige D-Dimere machen eine Lungenembolie bei nicht hoher klinischer Wahrscheinlichkeit unwahrscheinlich; erhöhte Werte sind unspezifisch. Bei über 50-Jährigen gilt ein altersadjustierter Grenzwert (Lebensalter × 10 µg/l)
- Blutgasanalyse: Hypoxämie, Hypokapnie oder erhöhte alveolo-arterielle Sauerstoffdifferenz, oft aber unauffällig
- Troponin, BNP und NT-proBNP: können bei Belastung des rechten Ventrikels erhöht sein
EKG
Möglich sind Sinustachykardie, T-Negativierungen in V1–V4, ein S_I-Q_III-T_III-Muster, ein Rechtsschenkelblock und Vorhofflimmern. S_I-Q_III-T_III-Muster und neuer Rechtsschenkelblock kommen nur bei etwa 5 % vor. Ein normales EKG schließt eine Lungenembolie nicht aus.
Bildgebung
- CT-Pulmonalisangiographie (CTPA): Standardverfahren zur Sicherung der Diagnose (Sensitivität 94 %, Spezifität 98 %); ein Verhältnis von rechtem zu linkem Ventrikel über 1,0 weist auf eine Rechtsherzbelastung hin
- Lungenszintigraphie (V/Q-SPECT): Ausweichverfahren bei stabilen Patientinnen und Patienten (Sensitivität 92 %, Spezifität 91 %); typisch sind Areale mit erhaltener Belüftung, aber verminderter Durchblutung (Mismatch)
- Röntgen-Thorax: meist unspezifisch
- Kompressionssonographie der Beinvenen: Der Nachweis einer TVT stützt die Diagnose
Echokardiographie
Die Echokardiographie zeigt Zeichen der Rechtsherzbelastung: einen erweiterten rechten Ventrikel (Verhältnis zum linken Ventrikel über 1), ein abgeflachtes Ventrikelseptum (D-Zeichen), eine verminderte TAPSE (normal ≥ 17 mm) und das McConnell-Zeichen (Hypokinesie der freien Wand bei erhaltener Spitzenfunktion). Bei instabilen Patientinnen und Patienten ist sie am Bett die zentrale Untersuchung: Fehlen Zeichen der Rechtsherzbelastung, ist eine massive Lungenembolie als Ursache unwahrscheinlich. Eine unauffällige Echokardiographie schließt eine kleinere Embolie nicht aus.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.