Lungenembolie

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Synonyme
Lungenarterienembolie, Blutgerinnsel in der Lunge, Lungeninfarkt, LE, LAE, Pulmonalembolie
Fachgebiet
Innere Medizin · Angiologie
Bilder
CT 2 · EKG 1 · Röntgen 1 · Szintigraphie 1 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (6)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (6)

Lungenembolie – CT-Pulmonalisangiographie: Kontrastmittelaussparungen (Emboli) in der rechten und linken Pulmonalarterie (Pfeile)CT
CT-Pulmonalisangiographie: Kontrastmittelaussparungen (Emboli) in der rechten und linken Pulmonalarterie (Pfeile)Bild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Lungenembolie – 12-Kanal-EKG bei Lungenembolie: tiefes S in I, Q-Zacke und negative T-Welle in III (SI-QIII-Typ), Frequenz um 100/minEKG
12-Kanal-EKG bei Lungenembolie: tiefes S in I, Q-Zacke und negative T-Welle in III (SI-QIII-Typ), Frequenz um 100/minBild: R.W.Koster (Wikimedia Commons) · CC BY 3.0 · Quelle
Lungenembolie – CT bei akuter Lungenembolie: deutlich erweiterter rechter Ventrikel, größer als der linke (Rechtsherzbelastung)CT
CT bei akuter Lungenembolie: deutlich erweiterter rechter Ventrikel, größer als der linke (Rechtsherzbelastung)Bild: Michellescot (Wikimedia Commons) · CC0 · Quelle
Lungenembolie – Röntgen-Thorax: periphere, pleuraständige Verschattung rechts (Kreis) als Hampton's hump bei LungeninfarktRöntgen
Röntgen-Thorax: periphere, pleuraständige Verschattung rechts (Kreis) als Hampton's hump bei LungeninfarktBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Lungenembolie – V/Q-Szintigraphie: segmentale Perfusionsdefekte bei unauffälliger Belüftung der Lunge (Mismatch)Szintigraphie
V/Q-Szintigraphie: segmentale Perfusionsdefekte bei unauffälliger Belüftung der Lunge (Mismatch)Bild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Lungenembolie – Makropräparat: Autopsiebefund: dunkelroter Thrombembolus, der sich über die Aufzweigung der Pulmonalarterie legt (reitender Embolus)Makropräparat
Autopsiebefund: dunkelroter Thrombembolus, der sich über die Aufzweigung der Pulmonalarterie legt (reitender Embolus)Bild: Yale Rosen (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
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Definition

Die Lungenembolie (LE, Lungenarterienembolie) ist eine teilweise oder vollständige Verlegung der Lungenarterien, meist durch eingeschwemmte Thromben aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen. Zusammen mit der tiefen Venenthrombose bildet sie das Krankheitsbild der venösen Thromboembolie (VTE). Nicht-thrombotische Embolien (z. B. durch Luft, Fruchtwasser, Fett oder Tumorzellen) sind selten.

Einteilung

Grundformen

  • Nach der Hämodynamik: Als instabil gelten Patientinnen und Patienten mit Atem-Kreislauf-Stillstand, Schock oder anhaltender Hypotonie, alle übrigen als stabil
  • Nach der Lokalisation: zentrale, segmentale und subsegmentale Embolien; die Sattelembolie liegt in der Aufzweigung des Pulmonalarterienstamms

Schweregrade (ESC)

Bei stabilen Patientinnen und Patienten wird der Schweregrad nach ESC weiter eingeteilt. Grundlage ist der vereinfachte Pulmonary Embolism Severity Index (sPESI) mit je 1 Punkt für Alter über 80 Jahre, aktive Tumorerkrankung, chronische Herz- oder Lungenerkrankung, Herzfrequenz ≥ 110/min, systolischen Blutdruck unter 100 mmHg und arterielle Sauerstoffsättigung unter 90 %.

  • hohes Risiko: hämodynamisch instabil
  • intermediär-hoch: sPESI ≥ 1 mit Rechtsherzbelastung in Echokardiographie oder CT und erhöhte kardiale Biomarker
  • intermediär-niedrig: sPESI ≥ 1 ohne diese Kombination
  • niedrig: sPESI 0 ohne Zeichen einer Rechtsherzbelastung

Vorkommen & Epidemiologie

Die jährliche Inzidenz liegt in epidemiologischen Studien bei bis zu 115 pro 100.000 Personen und steigt mit dem Lebensalter. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist die Lungenembolie die dritthäufigste akute kardiovaskuläre Erkrankung. Frauen erleiden eine VTE häufiger als Männer in Form einer Lungenembolie.

Ätiopathogenese

Die Risikofaktoren entsprechen denen der tiefen Venenthrombose (Virchow-Trias: Stase, Endothelschädigung, Hyperkoagulabilität). Thromben, die bis in die V. poplitea oder weiter proximal reichen, embolisieren häufiger.

Mechanische Verlegung und Vasokonstriktion erhöhen den Lungengefäßwiderstand. Die Nachlast des rechten Ventrikels steigt; er dilatiert, es entstehen eine Trikuspidalinsuffizienz und eine erhöhte Wandspannung bis zum akuten Rechtsherzversagen (akutes Cor pulmonale). Der Gasaustausch ist gestört, es kommt zu Hypoxämie. Viele Emboli sind klein und bleiben ohne Beschwerden. Die körpereigene Fibrinolyse verkleinert die meisten Emboli; die funktionellen Veränderungen bilden sich innerhalb von Stunden bis Tagen zurück.

Ein Lungeninfarkt entsteht vor allem durch kleinere, peripher steckende Emboli; wegen der doppelten Blutversorgung der Lunge ist er relativ selten.

Klinik

Symptome und Befunde

Die Beschwerden sind unspezifisch. Am häufigsten sind plötzlich einsetzende Atemnot, Thoraxschmerzen (oft atemabhängig), Synkope oder Präsynkope und Hämoptysen. Das Spektrum reicht von Beschwerdefreiheit bis zu Schock und Herz-Kreislauf-Stillstand.

Befunde sind Tachypnoe und Tachykardie, bei Rechtsherzversagen gestaute Halsvenen. Der Auskultationsbefund der Lunge ist meist unauffällig; Zeichen einer Beinvenenthrombose fehlen häufig.

Komplikationen

  • Lungeninfarkt, Pleuraerguss
  • akutes Rechtsherzversagen, obstruktiver Schock, plötzlicher Herztod
  • selten paradoxe Embolie bei offenem Foramen ovale
  • chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) nach 1–3 % der Lungenembolien

Diagnostik

Klinische Wahrscheinlichkeit

Bei stabilen Patientinnen und Patienten beginnt die Diagnostik mit der klinischen Wahrscheinlichkeit, z. B. nach dem Wells-Score (Originalpunkte):

  • klinische Zeichen einer TVT: 3
  • Lungenembolie wahrscheinlicher als eine alternative Diagnose: 3
  • kürzlich postoperativ oder Immobilisierung: 1,5
  • Herzfrequenz über 100/min: 1,5
  • VTE in der Vorgeschichte: 1,5
  • Hämoptysen: 1
  • aktive Tumorerkrankung: 1

Ein Wert über 4 bedeutet eine hohe, 0–4 eine niedrige klinische Wahrscheinlichkeit. Alternativ dient der revidierte Genfer Score.

Labor

  • D-Dimere: Normwertige D-Dimere machen eine Lungenembolie bei nicht hoher klinischer Wahrscheinlichkeit unwahrscheinlich; erhöhte Werte sind unspezifisch. Bei über 50-Jährigen gilt ein altersadjustierter Grenzwert (Lebensalter × 10 µg/l)
  • Blutgasanalyse: Hypoxämie, Hypokapnie oder erhöhte alveolo-arterielle Sauerstoffdifferenz, oft aber unauffällig
  • Troponin, BNP und NT-proBNP: können bei Belastung des rechten Ventrikels erhöht sein

EKG

Möglich sind Sinustachykardie, T-Negativierungen in V1–V4, ein S_I-Q_III-T_III-Muster, ein Rechtsschenkelblock und Vorhofflimmern. S_I-Q_III-T_III-Muster und neuer Rechtsschenkelblock kommen nur bei etwa 5 % vor. Ein normales EKG schließt eine Lungenembolie nicht aus.

Bildgebung

  • CT-Pulmonalisangiographie (CTPA): Standardverfahren zur Sicherung der Diagnose (Sensitivität 94 %, Spezifität 98 %); ein Verhältnis von rechtem zu linkem Ventrikel über 1,0 weist auf eine Rechtsherzbelastung hin
  • Lungenszintigraphie (V/Q-SPECT): Ausweichverfahren bei stabilen Patientinnen und Patienten (Sensitivität 92 %, Spezifität 91 %); typisch sind Areale mit erhaltener Belüftung, aber verminderter Durchblutung (Mismatch)
  • Röntgen-Thorax: meist unspezifisch
  • Kompressionssonographie der Beinvenen: Der Nachweis einer TVT stützt die Diagnose

Echokardiographie

Die Echokardiographie zeigt Zeichen der Rechtsherzbelastung: einen erweiterten rechten Ventrikel (Verhältnis zum linken Ventrikel über 1), ein abgeflachtes Ventrikelseptum (D-Zeichen), eine verminderte TAPSE (normal ≥ 17 mm) und das McConnell-Zeichen (Hypokinesie der freien Wand bei erhaltener Spitzenfunktion). Bei instabilen Patientinnen und Patienten ist sie am Bett die zentrale Untersuchung: Fehlen Zeichen der Rechtsherzbelastung, ist eine massive Lungenembolie als Ursache unwahrscheinlich. Eine unauffällige Echokardiographie schließt eine kleinere Embolie nicht aus.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Lungenembolie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. AWMF-Leitlinienregister 065-002: Venenthrombose und Lungenembolie
  2. MSD Manual Professional: Pulmonary Embolism (PE)
  3. StatPearls: Acute Pulmonary Embolism
  4. Optimizing sPESI with heart rate threshold adjustments for risk stratification in acute pulmonary embolism (Vasc Med 2026)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.