Lipödem

Synonyme
Reiterhosen-Syndrom, Säulenbeine, Fettverteilungsstörung, Lipohypertrophia dolorosa, Lipoedem
Fachgebiet
Innere Medizin · Angiologie
Bilder
Klinik 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Lipödem – Bein, Fuß – klinisches Foto: Lipödem (Typ III): symmetrische Fettgewebsvermehrung an Ober- und Unterschenkeln mit Betonung der Knieinnenseiten, Füße ausgespart
Lipödem (Typ III): symmetrische Fettgewebsvermehrung an Ober- und Unterschenkeln mit Betonung der Knieinnenseiten, Füße ausgespart (Bein, Fuß)Bild: Jmarchn (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle

Definition

Das Lipödem ist eine schmerzhafte, disproportionale, symmetrische Fettgewebsverteilungsstörung der Extremitäten, die fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Es ist immer schmerzhaft: Typisch sind Druck- und Berührungsschmerz, Spontanschmerz und Schweregefühl im vermehrten Fettgewebe.

  • Betroffen sind nur die Extremitäten, symmetrisch Hüften, Ober- und/oder Unterschenkel, an den Armen Schulterregion, Ober- und/oder Unterarme; Kopf, Hals und Rumpf bleiben frei
  • Füße und Hände sind nicht betroffen
  • Eine schmerzlose disproportionale Fettvermehrung wird als Lipohypertrophie bezeichnet und nicht als Lipödem
  • Das Lipödem wird nicht durch eine Adipositas verursacht und verursacht seinerseits keine Adipositas

Einteilung

Nach der Lokalisation werden unter anderem ein Oberschenkel-, Unterschenkel- und Knöcheltyp sowie Ober- und Unterarmtypen beschrieben; die Typisierungssysteme verschiedener Autorinnen und Autoren sind nicht einheitlich.

Die bisher gebräuchliche morphologische Stadieneinteilung beschreibt nur das Aussehen und ist kein Maß für die Schwere der Erkrankung; eine Stadieneinteilung der Beschwerden gibt es nicht. Das früher oft verwendete Kriterium des „knotigen“ Fettgewebes ist für die Diagnose nicht valide.

Vorkommen & Epidemiologie

Verlässliche epidemiologische Daten nach den heutigen Diagnosekriterien gibt es nicht; die in der Literatur genannten Schätzungen schwanken stark. Männer sind extrem selten betroffen. Erstmanifestation oder Zunahme der Beschwerden fallen fast immer in Phasen hormoneller Veränderung wie Pubertät, Schwangerschaft und Klimakterium.

Ätiopathogenese

Die Ursache ist nicht geklärt. Diskutiert werden:

  • genetische Faktoren: familiäre Häufung, wahrscheinlich autosomal-dominante Vererbung; einzelne Genvarianten wurden beschrieben
  • hormonelle Einflüsse: Hinweise auf einen Zusammenhang mit Östrogenen, dem Verhältnis zu Gestagenen und deren Rezeptoren
  • Veränderungen des Fettgewebes: veränderte Genexpression und vermehrte Vermehrung von Vorläuferzellen des Fettgewebes

Bei vielen Betroffenen besteht zusätzlich eine Adipositas, die proportional auch den Rumpf betrifft. Auf ihrem Boden kann ein adipositasassoziiertes Lymphödem entstehen. Das Lipödem ist nicht grundsätzlich fortschreitend; eine Zunahme hängt vor allem mit Gewichtszunahme und hormonellen Einflüssen zusammen.

Klinik

  • disproportionale, symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes an Beinen und/oder Armen im Vergleich zum Rumpf
  • gleichmäßige Verteilung über Ober- und Unterschenkel („Säulenbein“) oder Beschränkung auf einzelne Abschnitte
  • typischer Kalibersprung zur gesunden Nachbarregion („Muff-“ oder „Kragenbildung“) und schmerzhafte Fettwülste oberhalb und unterhalb der Knie sowie am Oberarm („Wammen“)
  • Berührungs- und Druckschmerz, Spontanschmerz, Spannungs- und Schweregefühl; die Intensität wird sehr unterschiedlich erlebt und hängt nicht vom Ausmaß der Fettvermehrung ab
  • subjektives Anschwellen im Tagesverlauf, das sich in Messungen nicht objektivieren ließ
  • häufig berichtete Neigung zu Blutergüssen, die aber kein Diagnosekriterium ist
  • bei starker Ausprägung X-Beine (Genua valga) und Hautreizungen durch Haut-auf-Haut-Reibung
  • häufig psychische Belastung und mangelnde Akzeptanz des eigenen Körpers

Diagnostik

Die Diagnose wird klinisch gestellt; es gibt kein apparatives oder laborchemisches Verfahren, das ein Lipödem beweist.

  • Anamnese: Beschwerden, Beginn in Phasen hormoneller Veränderung, Gewichtsverlauf, Familienanamnese
  • Untersuchung: Disproportion, Symmetrie, Aussparung von Füßen und Händen, Druckschmerz; das Kaposi-Stemmer-Zeichen an den Zehen ist negativ, kann aber bei zusätzlichem Lymphödem positiv werden
  • Messwerte: Körpergewicht, Körpergröße, Taillen- und Hüftumfang, ergänzend Umfangsmessungen der Extremitäten; der Body-Mass-Index ist wegen der Fettvermehrung an den Extremitäten wenig aussagekräftig, das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (Waist-to-Height Ratio) beschreibt die Fettverteilung genauer
  • Abgrenzung: Anders als beim Lymphödem fehlt beim Lipödem ein Ödem, und es ist symmetrisch und druckschmerzhaft; Lipohypertrophie und Adipositas sind nicht schmerzhaft
  • Ultraschall: dient dem Ausschluss anderer Ödemursachen; die Duplexsonographie erfasst Begleiterkrankungen wie Varikose oder postthrombotisches Syndrom

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Lipödem mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. AWMF-Leitlinienregister 037-012: Lipödem
  2. StatPearls: Lipedema

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.