Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)

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Synonyme
Moschcowitz-Syndrom, thrombotische Mikroangiopathie, ADAMTS13-Mangel, Upshaw-Schulman-Syndrom, iTTP
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Histologie
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) – Blutausstrich/Zytologie: Blutausstrich mit Schistozyten (Fragmentozyten, Pfeile) als Zeichen der Zerstörung roter Blutkörperchen in kleinen GefäßenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich mit Schistozyten (Fragmentozyten, Pfeile) als Zeichen der Zerstörung roter Blutkörperchen in kleinen GefäßenBild: Paulo Henrique Orlandi Mourao (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) – Blutausstrich bei TTP (Übersicht): zahlreiche Fragmentozyten und kleine Erythrozytenbruchstücke zwischen normal geformten ErythrozytenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei TTP (Übersicht): zahlreiche Fragmentozyten und kleine Erythrozytenbruchstücke zwischen normal geformten ErythrozytenBild: Erhabor Osaro (Associate Professor) (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Definition

Die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP, Moschcowitz-Syndrom) ist eine akute, lebensbedrohliche thrombotische Mikroangiopathie (TMA) infolge eines schweren Mangels der von-Willebrand-Faktor-spaltenden Protease ADAMTS13 (Aktivität unter 10 %). Kennzeichnend ist die Trias aus Coombs-negativer mikroangiopathischer hämolytischer Anämie mit Fragmentozyten, Thrombozytopenie und ischämischen Organschäden, die vor allem Gehirn, Herz, Nieren und Darm betreffen.

Einteilung

  • Immunvermittelte TTP (iTTP): über 90 % der Fälle; Autoantikörper gegen ADAMTS13 (meist IgG) hemmen das Enzym oder beschleunigen seinen Abbau; Manifestation typischerweise im Erwachsenenalter.
  • Kongenitale TTP (cTTP, Upshaw-Schulman-Syndrom): etwa 5 % der Fälle, Prävalenz 0,5–2 pro 1 Million; autosomal-rezessive (homozygote oder compound-heterozygote) Mutationen im ADAMTS13-Gen; Beginn oft im Säuglings- oder Kindesalter oder erstmals in der Schwangerschaft.

Ätiopathogenese

ADAMTS13 spaltet ultragroße von-Willebrand-Faktor-Multimere, die vom Endothel freigesetzt werden. Fehlt das Enzym, bleiben diese Multimere bestehen und binden spontan Thrombozyten. Kommt ein Auslöser hinzu (z. B. Infektion, Schwangerschaft), entstehen plättchen- und von-Willebrand-Faktor-reiche Mikrothromben an den arteriokapillären Übergängen vieler Organe. Sie verbrauchen Thrombozyten und zerschneiden vorbeiströmende Erythrozyten (mechanische, intravasale Hämolyse).

Die Mikrothromben sind plättchenreich; anders als bei der DIC bleibt die plasmatische Gerinnung weitgehend normal. Risikofaktoren der iTTP sind weibliches Geschlecht und Schwangerschaft; in US-Kohorten war das Risiko bei Schwarzen etwa siebenfach erhöht.

Klinik

Der Beginn kann schleichend mit milden Beschwerden oder akut und schwer sein; die Symptome sind oft unspezifisch.

  • Thrombozytopenie (praktisch immer): Petechien, Purpura, Hämatome, Schleimhaut- und Netzhautblutungen – häufig aber nur gering ausgeprägt
  • Hämolytische Anämie (praktisch immer): Blässe, Schwäche, Müdigkeit, Belastungsdyspnoe, Ikterus
  • Neurologische Symptome (etwa 61 %, schwer bei etwa 31 %), oft flüchtig und wechselnd: Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Sehstörungen, Aphasie, Dysarthrie, Halbseitenlähmung, Krampfanfälle, Koma
  • Niere (etwa 40 %): Kreatininanstieg, Proteinurie, Mikrohämaturie; ein akutes Nierenversagen nur bei etwa 10 %; bei der cTTP ist die Niere häufiger beteiligt
  • Gastrointestinal (etwa 35 %): Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Pankreatitis
  • Herz: Troponinanstieg, Rhythmusstörungen, Angina pectoris, Herzinfarkt bis plötzlicher Herztod
  • unspezifisch Arthralgien, Myalgien, Fieber

Histologie

Blutausstrich

Leitbefund sind Fragmentozyten (Schistozyten): Helmzellen, dreieckige und bizarr verformte Erythrozytenbruchstücke, dazu Polychromasie als Zeichen der Retikulozytose und eine deutliche Verminderung der Thrombozyten. Die Zahl der Fragmentozyten schwankt stark; im Zweifel wird der Ausstrich am Folgetag wiederholt beurteilt.

Diagnostik

  • Blutbild und Ausstrich: Thrombozytopenie, Anämie, Fragmentozyten
  • Hämolysezeichen: LDH und indirektes Bilirubin erhöht, Haptoglobin erniedrigt bis nicht nachweisbar, Retikulozyten erhöht
  • Direkter Coombs-Test in der Regel negativ
  • Gerinnung (Quick/INR, aPTT, Fibrinogen, D-Dimere) weitgehend normal – Abgrenzung zur DIC
  • Organdiagnostik: Kreatinin, Urinstatus, Troponin, NT-proBNP, Leberwerte, Lipase; bei neurologischen Zeichen Bildgebung des Schädels
  • ADAMTS13-Aktivität (Schlüsselbefund; unter 10 % bestätigt die TTP) sowie Anti-ADAMTS13-Antikörper; aussagekräftig ist nur Citratblut, das vor jeder Übertragung von Blutprodukten entnommen wurde, da EDTA das Enzym hemmt
  • Genetik bei fehlenden Antikörpern, Beginn in Kindheit oder Schwangerschaft, Rezidiven oder positiver Familienanamnese

PLASMIC-Score

Schätzt bei gesicherter mikroangiopathischer Hämolyse mit Thrombozytopenie die Wahrscheinlichkeit eines schweren ADAMTS13-Mangels, solange das Ergebnis noch aussteht. Je 1 Punkt:

  • Thrombozyten unter 30 G/l
  • Hämolyse: Retikulozyten über 2,5 % oder indirektes Bilirubin über 2 mg/dl oder Haptoglobin nicht nachweisbar
  • kein aktives Malignom
  • kein Zustand nach Transplantation
  • MCV unter 90 fl
  • INR unter 1,5
  • Kreatinin unter 2 mg/dl

0–4 Punkte: niedrige (0–4 %), 5 Punkte: intermediäre (5–24 %), 6–7 Punkte: hohe Wahrscheinlichkeit (62–82 %).

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. Onkopedia-Leitlinie (DGHO): Thrombotische Mikroangiopathie (TMA)
  2. MSD Manual Professional: Thrombotic Thrombocytopenic Purpura (TTP)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.