Paraneoplastische Syndrome

Prüfungsrelevanz: in 6 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 59
Synonyme
Paraneoplasie, paraneoplastisches Syndrom, Fernwirkung eines Tumors, Lambert-Eaton-Syndrom, ektope Hormonbildung
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Klinik 1 · Szintigraphie 1 · Histologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (3)

Paraneoplastische Syndrome – klinisches Foto: Leser-Trélat-Zeichen: plötzlich auftretende, zahlreiche seborrhoische Keratosen am Rücken eines Tumorpatienten
Leser-Trélat-Zeichen: plötzlich auftretende, zahlreiche seborrhoische Keratosen am Rücken eines TumorpatientenBild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Paraneoplastische Syndrome – Szintigraphie: Skelettszintigraphie bei hypertropher Osteoarthropathie (Marie-Bamberger): symmetrische, streifige Anreicherung entlang der RöhrenknochenSzintigraphie
Skelettszintigraphie bei hypertropher Osteoarthropathie (Marie-Bamberger): symmetrische, streifige Anreicherung entlang der RöhrenknochenBild: Drahreg01 (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Paraneoplastische Syndrome – Histologie des Sweet-Syndroms (akute febrile neutrophile Dermatose): dichtes neutrophiles Infiltrat und Ödem der oberen DermisHistologie
Histologie des Sweet-Syndroms (akute febrile neutrophile Dermatose): dichtes neutrophiles Infiltrat und Ödem der oberen DermisBild: Ed Uthman from Houston, TX, USA (Wikimedia Commons) · CC BY 2.0 · Quelle
1 / 3

Definition

Paraneoplastische Syndrome sind Krankheitszeichen, die fern von einem Tumor oder seinen Metastasen auftreten. Sie entstehen nicht durch lokales Tumorwachstum, sondern durch vom Tumor gebildete Substanzen (Hormone, Zytokine) oder durch Antikörper gegen Tumorantigene, die mit gesundem Gewebe kreuzreagieren. Jedes Organsystem kann betroffen sein. Paraneoplastische Syndrome können der Tumordiagnose vorausgehen.

Vorkommen & Epidemiologie

Bis zu 20 % der Krebskranken entwickeln ein paraneoplastisches Syndrom, das jedoch oft nicht erkannt wird. Am häufigsten zugrunde liegt das Lungenkarzinom, besonders das kleinzellige; weitere typische Tumoren sind Nieren-, Leber-, Mamma-, Ovarial-, Magen- und Pankreaskarzinom, neuroendokrine Tumoren, Leukämien und Lymphome.

Ätiopathogenese

  • Ektope Hormonbildung: ACTH (Cushing-Syndrom, vor allem beim kleinzelligen Lungenkarzinom), Vasopressin (Hyponatriämie), Parathormon-verwandtes Peptid PTHrP (Hyperkalzämie, u. a. bei Plattenepithelkarzinom der Lunge, Kopf-Hals- und Blasenkarzinom), Erythropoetin (Erythrozytose bei Nieren- und Leberzellkarzinom), IGF-artige Wachstumsfaktoren (Hypoglykämie), Calcitonin.
  • Autoimmunmechanismen: Antikörper gegen Tumorantigene reagieren mit Nervengewebe oder anderen Zellen, z. B. Anti-Hu, Anti-Yo, Anti-Ri; beim Lambert-Eaton-Syndrom IgG-Antikörper, die die präsynaptische Acetylcholinfreisetzung stören.
  • Zytokine und Mediatoren des Tumorzerfalls (z. B. Tumornekrosefaktor-α) verursachen Allgemeinsymptome.

Klinik

  • Allgemein: Fieber, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Kachexie.
  • Haut: Juckreiz (häufigstes Hautsymptom, z. B. bei Leukämien, Hodgkin-Lymphom, myeloproliferativen Neoplasien), Flush, Acanthosis nigricans (gastrointestinale Tumoren), Leser-Trélat-Zeichen (plötzlich zahlreiche seborrhoische Keratosen), Dermatomyositis.
  • Endokrin: Cushing-Syndrom, Hyponatriämie, Hyperkalzämie (Polyurie, Exsikkose, Obstipation, Muskelschwäche), Hypoglykämie.
  • Hämatologisch: Erythrozytose, Thrombozytose, Eosinophilie, leukämoide Reaktion, Erythroblastopenie, disseminierte intravasale Gerinnung, Immunthrombozytopenie und Coombs-positive hämolytische Anämie bei lymphatischen Neoplasien.
  • Neurologisch: distale sensomotorische Polyneuropathie (häufigste neurologische Form), subakute sensorische Neuropathie, Lambert-Eaton-Syndrom (proximale Muskelschwäche, Mundtrockenheit, Ptosis, abgeschwächte Reflexe), subakute Kleinhirndegeneration, Opsoklonus-Myoklonus, limbische Enzephalitis.
  • Niere: membranöse Glomerulonephritis.
  • Rheumatologisch: Polyarthritis, hypertrophe Osteoarthropathie mit schmerzhaften Gelenkschwellungen und Trommelschlägelfingern, Dermatomyositis und Polymyositis (gehäuft bei über 50-Jährigen).

Diagnostik

  • Tumorsuche bei typischem Syndrom ohne bekannten Tumor, insbesondere nach den häufig zugrunde liegenden Tumoren (vor allem Lungenkarzinom).
  • Labor: Elektrolyte (Natrium, Calcium, Kalium), Glukose, Cortisol und ACTH, Blutbild, Gerinnung, PTHrP je nach Syndrom.
  • Onkoneuronale Antikörper in Serum oder Liquor, z. B. Anti-Hu (sensorische Neuropathie, limbische Enzephalitis, Lungenkarzinom), Anti-Yo (Kleinhirndegeneration, besonders bei Frauen mit Mamma- oder Ovarialkarzinom), Anti-Ri (Opsoklonus).
  • Lambert-Eaton-Syndrom: Amplitudenzunahme des Muskelsummenaktionspotenzials um mehr als 200 % bei repetitiver Nervenstimulation mit über 10 Hz.
  • Liquor: gelegentlich leichte lymphozytäre Pleozytose.
  • MRT: Kleinhirnatrophie bei Kleinhirndegeneration; Kontrastmittelaufnahme und Ödem bei limbischer Enzephalitis; Ausschluss einer epiduralen Metastase bei Myelopathie.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Paraneoplastische Syndrome mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Paraneoplastic Syndromes

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.