Febrile Neutropenie

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Synonyme
neutropenes Fieber, Fieber bei Neutropenie, neutropene Sepsis, Agranulozytose, FN
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Klinik
  3. Diagnostik
  4. Weiterlernen in der App
  5. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  6. Querverweise

Definition

Die febrile Neutropenie ist Fieber bei stark verminderter Zahl neutrophiler Granulozyten, meist als Folge myelosuppressiver zytostatischer Medikamente oder einer Knochenmarkinfiltration durch hämatologische Neoplasien. Sie gilt als onkologischer Notfall.

  • Definition nach IDSA, ASCO und NCCN: oral gemessene Temperatur einmalig ≥ 38,3 °C oder anhaltend ≥ 38,0 °C über 1 Stunde und absolute Neutrophilenzahl < 0,5 × 10⁹/l oder ein erwarteter Abfall auf < 0,5 × 10⁹/l innerhalb von 48 Stunden.
  • ESMO: anhaltende Temperatur > 38,0 °C über 2 Stunden.
  • NICE (neutropene Sepsis): Neutrophile ≤ 0,5 × 10⁹/l und Temperatur > 38 °C oder andere Zeichen einer klinisch bedeutsamen Sepsis.

Schweregrade der Neutropenie: leicht 1.000–1.500/µl, mäßig 500–1.000/µl, schwer < 500/µl; unter 200/µl spricht man von Agranulozytose.

Klinik

  • Fieber ist oft das einzige Zeichen einer Infektion.
  • Bei schwerer Neutropenie fehlen typische Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz, Infiltrate) oder sind nur schwach ausgeprägt; unter 200/µl können Leukozytose und Leukozyturie ausbleiben.
  • Lokale Befunde wie Mundulzera, Stomatitis oder Pharyngitis sind häufig diskret.
  • Häufige Infektionsorte: Lunge, Blutbahn (Bakteriämie), Haut und Katheteraustrittsstellen, Mundhöhle, Perianalregion.
  • In Blutkulturen finden sich grampositive und gramnegative Erreger etwa gleich häufig; bei etwa der Hälfte der Betroffenen lässt sich trotz Diagnostik kein Erreger und kein Fokus nachweisen (Fieber unklarer Ursache).
  • Gefahr eines raschen Übergangs in Sepsis und septischen Schock; bei länger anhaltender Neutropenie zunehmend invasive Pilzinfektionen.

Diagnostik

  • Blutbild mit Differenzialblutbild zur Bestimmung der absoluten Neutrophilenzahl.
  • Gründliche körperliche Untersuchung, wiederholt: Haut und Schleimhäute (auch auf Herpesläsionen), Katheteraustrittsstellen, Nasennebenhöhlen, Ohren, Perianalregion, Augenhintergrund.
  • Blutkulturen: mindestens zwei Sets aus getrennten Punktionen, bei liegendem zentralvenösem Katheter zusätzlich aus dem Katheter.
  • Weitere Kulturen: Urin; Stuhl bei Durchfall (einschließlich Clostridioides difficile); Abstriche von Schleimhautulzera; Material aus Hautläsionen.
  • Entzündungsmarker: Procalcitonin sagt eine Bakteriämie besser voraus als CRP; seriell bestimmt helfen sie, Komplikationen früh zu erkennen.
  • Bildgebung: Das konventionelle Röntgenbild des Thorax ist bei Neutropenie wenig sensitiv; bei respiratorischen Symptomen oder Verdacht auf invasive Aspergillose Niedrigdosis-CT des Thorax; Galaktomannan und 1,3-β-D-Glucan im Serum.
  • Risikoeinschätzung: Der MASCC-Score schätzt das Risiko eines komplizierten Verlaufs (Hochrisiko < 21 Punkte); der CISNE-Score dient bei scheinbar stabilen Patienten. Eine erwartete Neutropeniedauer von mehr als 7 Tagen gilt als hohes Risiko.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Febrile Neutropenie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Neutropenia
  2. AGIHO-Leitlinie 2024: Fever of unknown origin in adult neutropenic patients (Lancet Reg Health Eur, PMC-Volltext)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.