Multiples Myelom (Plasmozytom)

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Synonyme
Plasmozytom, Morbus Kahler, Knochenmarkkrebs, Plasmazellmyelom, Myelom, Paraproteinämie, smoldering Myelom
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 2 · Röntgen 4 · MRT 1 · Histologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (8)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (8)

Multiples Myelom (Plasmozytom) – Knochenmarkausstrich bei multiplem Myelom: Gruppen atypischer Plasmazellen mit exzentrischem Kern und perinukleärer AufhellungBlutausstrich & Zytologie
Knochenmarkausstrich bei multiplem Myelom: Gruppen atypischer Plasmazellen mit exzentrischem Kern und perinukleärer AufhellungBild: Dr Osaro Erhabor (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Röntgen Schädel seitlich: zahlreiche kleine, scharf begrenzte Aufhellungen (Knochendefekte, „Schrotschussschädel“)Röntgen
Röntgen Schädel seitlich: zahlreiche kleine, scharf begrenzte Aufhellungen (Knochendefekte, „Schrotschussschädel“)Bild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Röntgen Unterarm: multiple ausgestanzte Knochendefekte (Lochdefekte) in Elle und SpeicheRöntgen
Röntgen Unterarm: multiple ausgestanzte Knochendefekte (Lochdefekte) in Elle und SpeicheBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – MRT (T1, koronar): diffus signalgemindertes Knochenmark der Wirbelkörper durch MyelominfiltrationMRT
MRT (T1, koronar): diffus signalgemindertes Knochenmark der Wirbelkörper durch MyelominfiltrationBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Röntgen LWS seitlich: pathologische Kompressionsfraktur eines Lendenwirbelkörpers (Pfeil) bei multiplem MyelomRöntgen
Röntgen LWS seitlich: pathologische Kompressionsfraktur eines Lendenwirbelkörpers (Pfeil) bei multiplem MyelomBild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Histologie eines Plasmozytoms (HE): dichte Rasen atypischer Plasmazellen mit exzentrischen KernenHistologie
Histologie eines Plasmozytoms (HE): dichte Rasen atypischer Plasmazellen mit exzentrischen KernenBild: Nephron (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Röntgen Schulter: zahlreiche lochförmige Knochendefekte in Oberarm, Schulterblatt und RippenRöntgen
Röntgen Schulter: zahlreiche lochförmige Knochendefekte in Oberarm, Schulterblatt und RippenBild: Chaustanley (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Multiples Myelom (Plasmozytom) – Blutausstrich bei multiplem Myelom: Erythrozyten liegen vielerorts in kurzen, münzrollenartigen Ketten (Geldrollenbildung)Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei multiplem Myelom: Erythrozyten liegen vielerorts in kurzen, münzrollenartigen Ketten (Geldrollenbildung)Bild: Osaretin (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Das multiple Myelom (Synonym: Plasmozytom; in der WHO-Klassifikation Plasmazellmyelom) ist eine maligne Vermehrung antikörperbildender Plasmazellen. Die klonalen Plasmazellen bilden ein monoklonales Immunglobulin oder dessen Leichtketten (M-Protein, Paraprotein), wachsen meist multifokal im Knochenmark und zerstören den angrenzenden Knochen. Typische Folgen sind Knochenschmerzen und Frakturen, Niereninsuffizienz, Hyperkalzämie, Anämie und Infektanfälligkeit. Praktisch alle Myelome entstehen aus einer monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS).

Einteilung

Diagnosekriterien

Nach den Kriterien der International Myeloma Working Group (IMWG) liegt ein Myelom vor bei ≥ 10 % klonalen Plasmazellen im Knochenmark oder einem Plasmozytom plus mindestens einem myelomdefinierenden Ereignis:

  • CRAB-Kriterien: Hyperkalzämie (Serumcalcium > 0,25 mmol/l über der Norm oder > 2,75 mmol/l), Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 40 ml/min oder Serumkreatinin > 2 mg/dl), Anämie (Hämoglobin > 2 g/dl unter der Norm oder < 10 g/dl), osteolytische Knochenläsionen in Röntgen, CT oder PET-CT
  • SLiM-Kriterien: ≥ 60 % klonale Plasmazellen im Knochenmark, Quotient der freien Leichtketten (beteiligt/unbeteiligt) ≥ 100, mehr als eine fokale Läsion (≥ 5 mm) in der MRT

Smoldering (schwelendes) Myelom: M-Protein ≥ 3 g/dl und/oder 10–59 % klonale Plasmazellen ohne myelomdefinierendes Ereignis.

Formen und Stadien

  • Nach Isotyp: IgG bei etwa 50–55 %, IgA bei etwa 20 %, reines Leichtkettenmyelom (nur Bence-Jones-Protein) bei 15–20 %, IgD und IgM je 1–2 %, IgE äußerst selten; asekretorisches Myelom selten.
  • Varianten: extramedulläres Plasmozytom, solitäres Plasmozytom des Knochens, osteosklerotisches Myelom (POEMS-Syndrom: Polyneuropathie, Organomegalie, Endokrinopathie, M-Protein, Hautveränderungen).
  • Revidiertes Internationales Staging-System (R-ISS): Stadium I mit β2-Mikroglobulin < 3,5 mg/l, Albumin ≥ 3,5 g/dl, normaler LDH und Standardrisiko-Zytogenetik; Stadium III mit β2-Mikroglobulin ≥ 5,5 mg/l und Hochrisiko-Zytogenetik [t(4;14), t(14;16), del(17p)] und/oder erhöhter LDH; Stadium II alle übrigen.

Vorkommen & Epidemiologie

In Deutschland erkrankten 2022 etwa 2.730 Frauen und 3.790 Männer neu. Das Risiko steigt im höheren Alter deutlich an; vor dem 45. Lebensjahr ist die Erkrankung äußerst selten. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren. Menschen afrikanischer Abstammung erkranken etwa doppelt so häufig; Männer sind etwas häufiger betroffen.

Ätiopathogenese

  • Risikofaktoren: vorbestehende MGUS, höheres Alter, männliches Geschlecht, afrikanische Abstammung, familiäre Häufung; Zusammenhänge mit HIV- und Hepatitis-C-Infektion; nach intensiver beruflicher Benzolexposition ist das Myelom unter bestimmten Bedingungen als Berufskrankheit anerkannt.
  • Genetik: Hyperdiploidie (Trisomien ungerader Chromosomen) bei 50–60 %; Translokationen am Immunglobulin-Schwerkettenlocus, z. B. t(11;14), t(4;14), t(14;16); Hochrisikomerkmale sind t(4;14), t(14;16), del(17p) und 1q-Zugewinn.
  • Knochen: Myelomzellen sezernieren Zytokine, die Osteoklasten aktivieren und Osteoblasten hemmen; es entstehen Osteolysen oder eine diffuse Osteoporose, bevorzugt in Becken, Wirbelsäule, Rippen, Femur, Humerus und Schädel.
  • Niere: am häufigsten Ablagerung von Leichtketten in den distalen Tubuli (Myelomniere) oder Hyperkalzämie.
  • Anämie durch Nierenschädigung und Verdrängung der Erythropoese; Infektanfälligkeit durch Mangel an normalen Antikörpern.
  • AL-Amyloidose bei etwa 10 %, meist bei Lambda-Leichtketten.

Klinik

  • Knochenschmerzen, anhaltend und oft nachts oder in Ruhe, besonders im Rücken oder Thorax
  • Pathologische Frakturen; Wirbelkörpereinbrüche bis zur Rückenmarkkompression mit Querschnittssymptomatik
  • Niereninsuffizienz, teils bereits bei Diagnose
  • Wiederkehrende bakterielle Infektionen
  • Anämiesymptome, teils einziger Anlass der Abklärung
  • Hyperkalzämie: Polydipsie, Exsikkose
  • Häufig auch periphere Neuropathie, Karpaltunnelsyndrom (besonders bei Amyloidose) und Blutungsneigung; ein Hyperviskositätssyndrom nur bei wenigen
  • Lymphknotenvergrößerung und Hepatosplenomegalie sind ungewöhnlich.

Viele Myelome fallen bei Routineuntersuchungen auf, etwa durch erhöhtes Gesamteiweiß, Proteinurie, ungeklärte Anämie oder Niereninsuffizienz.

Diagnostik

Labor

  • Blutbild: Anämie bei etwa 80 %, meist normozytär und normochrom, mit Geldrollenbildung (Rouleaux) im Ausstrich; Leukozyten und Thrombozyten meist normal.
  • Klinische Chemie: Kreatinin, Harnstoff, Calcium (Hyperkalzämie bei Diagnose bei etwa 10 %), Harnsäure, LDH, β2-Mikroglobulin und Albumin; teils erniedrigte Anionenlücke.

Eiweißdiagnostik

  • Serumeiweißelektrophorese: M-Gradient bei etwa 80–90 %.
  • Immunfixation in Serum und konzentriertem 24-Stunden-Urin: bestimmt den Isotyp und erfasst Bence-Jones-Proteinurie.
  • Freie Leichtketten im Serum (kappa, lambda, Quotient): wichtig besonders beim Leichtkettenmyelom; der Quotient ist auch Teil der SLiM-Kriterien.
  • Quantitative Bestimmung der Immunglobuline (Verminderung der nicht betroffenen Immunglobuline).

Bildgebung und Knochenmark

  • Bildgebung des Skeletts: Röntgen-Skelettstatus sowie PET-CT oder Ganzkörper-MRT, die Knochenläsionen empfindlicher erfassen; ausgestanzte Osteolysen (z. B. am Schädel) oder diffuse Osteoporose bei etwa 80 %. Die Skelettszintigraphie ist meist wenig hilfreich.
  • Knochenmarkaspiration und -biopsie: Rasen oder Nester von Plasmazellen; wegen fleckförmigen Befalls können einzelne Proben < 10 % zeigen. Durchflusszytometrie, konventionelle Zytogenetik und FISH bestimmen Klonalität und Risikoprofil.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Multiples Myelom (Plasmozytom) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Multiple Myeloma
  2. Clin Exp Med 2026: Monoclonal gammopathies, MGUS, SMM and multiple myeloma (PMC-Volltext)
  3. Fac Rev 2022: Monoclonal gammopathy of undetermined significance (PMC-Volltext)
  4. RKI, Zentrum für Krebsregisterdaten: Multiples Myelom
  5. Onkopedia-Leitlinie Multiples Myelom (DGHO)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.