Eisenmangelanämie
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- Eisenmangel, Blutarmut durch Eisenmangel, hypochrome mikrozytäre Anämie, Sideropenie, niedriges Ferritin
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
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- Klinik 2 · Blutausstrich & Zytologie 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Eisenmangel ist eine Verminderung des Gesamtkörpereisens. Von einer Eisenmangelanämie spricht man, wenn das Hämoglobin infolge des Eisenmangels unter den alters- und geschlechtsspezifischen Normwert fällt (nach WHO 12 g/dl bei Frauen, 13 g/dl bei Männern).
Sie ist die klassische hypochrome, mikrozytäre Anämie und die häufigste Anämieform überhaupt. Da sie meist durch Blutverlust entsteht, ist der Nachweis eines Eisenmangels immer Anlass zur Suche nach der Blutungsquelle.
Einteilung
Stadien
- Stadium I – Speichereisenmangel: Eisenspeicher vermindert (Ferritin erniedrigt), die Erythropoese ist noch ausreichend versorgt; Hämoglobin und Blutbild normal.
- Stadium II – eisendefizitäre Erythropoese: Die roten Vorstufen werden nicht mehr ausreichend mit Eisen versorgt; Transferrinsättigung erniedrigt, löslicher Transferrinrezeptor und Zinkprotoporphyrin steigen, Hämoglobin noch im Normbereich.
- Stadium III – Eisenmangelanämie: Hämoglobin unter dem Normwert, zunehmend Mikrozytose und Hypochromie.
Die Begriffe „latenter“ und „prälatenter“ Eisenmangel gelten als überholt. Vom absoluten Eisenmangel abzugrenzen ist der funktionelle Eisenmangel: Die Speicher sind gefüllt, das Eisen steht der Erythropoese aber nicht zur Verfügung – typisch für die Anämie der chronischen Erkrankung.
Vorkommen & Epidemiologie
Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung und mit mindestens 50 % die häufigste Anämieursache; geschätzt sind etwa zwei Milliarden Menschen betroffen. In Europa liegt die Prävalenz bei 5–10 %, bei Frauen im gebärfähigen Alter bei etwa 20 %. Weitere Risikogruppen sind Säuglinge und Kleinkinder, vor allem zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat, Jugendliche in der Wachstumsphase (im Alter von 13–15 Jahren 4–8 %, meist als Speichereisenmangel) und Schwangere, von denen 20–30 % eine Eisenmangelanämie entwickeln.
Ätiopathogenese
Eisenstoffwechsel
Der Körper enthält etwa 3–5 g Eisen, davon rund 3 g im Hämoglobin. Die Speicher umfassen bei Männern etwa 0,5–1 g, bei Frauen vor der Menopause nur 0,2–0,4 g. Der Eisenbestand wird ausschließlich über die Aufnahme reguliert, denn eine aktive Ausscheidung ist nicht möglich.
Eisen wird im Duodenum und oberen Jejunum resorbiert. Häm-Eisen aus Fleisch wird deutlich besser aufgenommen als dreiwertiges Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlicher Kost, das zuvor zu zweiwertigem Eisen reduziert wird. Zentraler Regulator ist das in der Leber gebildete Hepcidin: Es bewirkt den Abbau des Eisenexporters Ferroportin und drosselt damit die Eisenaufnahme aus dem Darm und die Freisetzung aus Makrophagen. Bei Eisenmangel sinkt die Hepcidinbildung, die Resorption steigt.
Ursachen
- Blutverlust (häufigste Ursache): bei Männern und Frauen nach der Menopause meist chronische okkulte Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt (Ulkus, Karzinom, Polypen, Angiodysplasien, Hämorrhoiden, Refluxösophagitis); bei Frauen vor der Menopause vor allem die Menstruation – etwa 15 % der Frauen haben eine Hypermenorrhö mit über 80 ml Blutverlust pro Zyklus; außerdem Blutspenden, Blutverluste über die Harnwege oder die Lunge, weltweit häufig Hakenwurmbefall.
- Erhöhter Bedarf: Wachstum im Säuglings-, Kleinkind- und Jugendalter, Schwangerschaft und Stillzeit, Hochleistungssport, chronische intravasale Hämolyse.
- Verminderte Aufnahme: einseitige oder streng vegetarische Ernährung, Anorexie, atrophische oder Helicobacter-pylori-Gastritis, Achlorhydrie, Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Kurzdarmsyndrom.
- Genetisch (selten): eisenrefraktäre Eisenmangelanämie (IRIDA) durch autosomal-rezessive Mutationen im TMPRSS6-Gen (Matriptase-2) mit inadäquat hohem Hepcidin.
Klinik
Symptome und Befunde
Die Beschwerden setzen sich aus den allgemeinen Anämiezeichen und den spezifischen Folgen des Eisenmangels zusammen. Ihre Ausprägung hängt vom Schweregrad und von der Geschwindigkeit der Entstehung ab.
- Müdigkeit, Leistungsminderung, Belastungsdyspnoe, Schwindel, Tachykardie, Blässe der Konjunktiven
- brüchige Nägel und Haare, Hohlnägel (Koilonychie)
- Mundwinkelrhagaden (Cheilitis angularis), atrophische Glossitis, Dysphagie
- Pica: Verlangen nach nicht essbaren Substanzen wie Eis, Erde oder Stärke
- Restless-Legs-Syndrom
- Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, depressive Verstimmung
- bei Kindern mit schwerem chronischem Eisenmangel Wachstumsstörungen sowie neurologische und kognitive Defizite
- in der Schwangerschaft bei schwerer Anämie gehäuft Aborte, Frühgeburten und fetale Entwicklungsstörungen
Histologie
Blutausstrich und Knochenmark
- Ausstrich: hypochrome, mikrozytäre Erythrozyten mit vergrößerter zentraler Aufhellung, ringförmige Zellen (Anulozyten), Zigarrenformen und Elliptozyten, ausgeprägte Anisozytose und Poikilozytose.
- Thrombozyten: in 20–30 % reaktiv vermehrt.
- Knochenmark (Berliner-Blau-Färbung): fehlendes Speichereisen; der Anteil der Sideroblasten liegt unter 15 % der roten Vorstufen (normal 15–50 %). Die Knochenmarkuntersuchung ist der Goldstandard, wird für diese Frage aber nur ausnahmsweise durchgeführt.
Diagnostik
Blutbild
- MCV unter 80 fl und MCH unter 28 pg (hypochrom, mikrozytär); im Frühstadium kann die Anämie noch normozytär sein.
- erhöhte Erythrozytenverteilungsbreite (RDW) als Ausdruck der Anisozytose
- Retikulozyten normal oder erniedrigt, bei fortbestehender Blutung erhöht
- Retikulozytenhämoglobin (CHr): früher Marker; unter etwa 26 pg spricht es für eine eisendefizitäre Erythropoese.
- Hypochrome Erythrozyten (HYPO): ein Anteil über 10 % gilt als beweisend für eine eisendefizitäre Erythropoese (normal unter 2,5 %).
Eisenparameter
- Ferritin: sensitivster Marker, korreliert mit den Eisenspeichern und fällt bereits im Stadium I. Werte unter 15 µg/l gelten als beweisend; zunehmend wird geschlechtsunabhängig unter 30 µg/l als Grenze für Erwachsene verwendet. Als Akute-Phase-Protein steigt Ferritin bei Entzündung, Tumor- und Lebererkrankungen und kann einen Eisenmangel maskieren; bei Entzündung sind Werte bis etwa 100 µg/l noch mit Eisenmangel vereinbar.
- Transferrinsättigung: normal 16–45 %; Werte von 15 % und darunter sprechen für eine eisendefizitäre Erythropoese. Sie ist auch bei Entzündung erniedrigt und schwankt im Tagesverlauf.
- Transferrin bzw. totale Eisenbindungskapazität: erhöht.
- Löslicher Transferrinrezeptor: steigt ab Stadium II; bei funktionellem Eisenmangel durch Entzündung meist normal.
- Serumeisen: wegen Tagesschwankungen und Erniedrigung auch bei Entzündung für die Diagnose ungeeignet.
Ursachensuche
Nach der Diagnose gilt eine okkulte Blutung als Ursache, bis das Gegenteil bewiesen ist. Bei Männern und Frauen nach der Menopause ohne erkennbare Blutungsquelle gehört die Untersuchung des Magen-Darm-Trakts (Gastroskopie, Koloskopie) zur Abklärung, da die Anämie das einzige Zeichen eines okkulten Karzinoms sein kann. Je nach Anamnese kommen Tests auf Zöliakie und Helicobacter pylori, eine Urinuntersuchung auf Blut sowie die Frage nach Blutspenden, Menstruationsstärke, Nasenbluten und Ernährung hinzu.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
- Anämie (Einteilung und Abklärung)
- Hämolytische Anämien
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Non-Hodgkin-Lymphome
- Vitamin-B12-Mangel und perniziöse Anämie
- Multiples Myelom (Plasmozytom)
- Paraneoplastische Syndrome
- Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
- Febrile Neutropenie
- Immunthrombozytopenie (ITP)
- Renale Anämie
- Aplastische Anämie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.