Renale Anämie

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Synonyme
Anämie bei Niereninsuffizienz, Erythropoetinmangel, EPO-Mangel, Blutarmut bei Nierenschwäche
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Die renale Anämie ist eine hypoproliferative, meist normochrom-normozytäre Anämie bei chronischer Nierenerkrankung. Sie beruht vor allem auf einer verminderten Bildung von Erythropoetin (EPO) in der Niere oder auf einer verminderten Reaktion des Knochenmarks auf das Hormon; weitere Faktoren kommen hinzu.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Anämie ist kennzeichnend für die mittelgradige bis fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung ab Stadium 3. Sie tritt auf, wenn die Kreatinin-Clearance unter etwa 45 ml/min fällt. Das Ausmaß von EPO-Mangel und Anämie korreliert dabei nicht immer mit dem Grad der Nierenfunktionseinschränkung: Glomeruläre Erkrankungen, etwa bei Amyloidose oder diabetischer Nephropathie, gehen im Verhältnis zur Funktionseinbuße meist mit der schwersten Anämie einher, polyzystische Nierenerkrankungen mit einer milderen.

Ätiopathogenese

  • EPO-Mangel (Hauptmechanismus): Mit dem Verlust funktionsfähigen Nierengewebes sinkt die EPO-Bildung relativ zum Hämoglobinwert. Der EPO-Mangel vermindert zugleich die Bildung von Erythroferron; dadurch entfällt die Hemmung des Hepcidins, und Eisen wird – wie bei der Entzündungsanämie – in den Speichern zurückgehalten.
  • Verminderte Empfindlichkeit des Knochenmarks für EPO; außerdem trägt der sekundäre Hyperparathyreoidismus bei.
  • Verkürzte Erythrozytenlebensdauer durch Urämie.
  • Blutverluste durch gestörte Thrombozytenfunktion und Angiodysplasien.
  • Begleitende Mängel an Eisen, Folsäure und Vitamin B12.

Klinik

Die Anämie entwickelt sich langsam mit dem Fortschreiten der Nierenerkrankung und kann ausgeprägt sein; typisch ist ein Hämatokrit von 20–30 %, bei polyzystischer Nierenerkrankung eher 35–40 %. Sie trägt zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verminderter Belastbarkeit und Belastungsdyspnoe bei, die sich mit den Beschwerden der fortgeschrittenen Niereninsuffizienz überlagern (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Juckreiz, Konzentrationsstörungen). Durch die urämische Thrombozytenfunktionsstörung besteht zusätzlich eine Blutungsneigung.

Diagnostik

  • Die Diagnose stützt sich auf den Nachweis einer Niereninsuffizienz, einer normozytären Anämie und einer Retikulozytopenie.
  • Eisenstatus: Bei chronischer Nierenerkrankung spricht ein Ferritin unter 200 ng/ml für einen begleitenden Eisenmangel. Als bester Hinweis auf eine eisendefizitäre Erythropoese gilt hier ein Anteil hypochromer Erythrozyten über 10 %.
  • Vitamin B12 und Folsäure zum Ausschluss weiterer Mangelzustände.
  • Blutausstrich: Fragmentozyten – besonders zusammen mit Thrombozytopenie und erhöhten Retikulozyten – weisen auf eine mikroangiopathische hämolytische Anämie hin und erfordern eine eigene Abklärung.
  • Knochenmark (nur selten nötig): erythroide Hypoplasie.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Renale Anämie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Anemia of Renal Disease
  2. MSD Manual Professional: Chronic Kidney Disease
  3. MSD Manual Professional: Anemia of Chronic Disease
  4. Onkopedia-Leitlinie (DGHO): Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Kapitel Renale Anämie)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.