Non-Hodgkin-Lymphome
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- NHL, Lymphdrüsenkrebs, Lymphknotenkrebs, malignes Lymphom, B-Zell-Lymphom, DLBCL, follikuläres Lymphom, Mantelzelllymphom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- CT 2 · Makropräparat 1 · Histologie 2 · Blutausstrich & Zytologie 1 · Sonographie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (7)
CT
Makropräparat
Histologie
Blutausstrich & Zytologie
CT
Sonographie
HistologieDefinition
Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind eine heterogene Gruppe maligner, monoklonaler Neoplasien lymphatischer Zellen. Sie entstehen in Lymphknoten, Knochenmark, Milz, Leber, Gastrointestinaltrakt und anderen extranodalen Geweben. Die meisten NHL gehen von B-Lymphozyten aus, die übrigen von T-Lymphozyten oder natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Das Differenzierungsstadium der Ursprungszelle prägt Erscheinungsbild und Verlauf. Zwischen Lymphomen und Leukämien bestehen fließende Übergänge, da Lymphomzellen auch Blut und Knochenmark besiedeln können.
Einteilung
Seit 2022 bestehen zwei Klassifikationen, die WHO-Klassifikation (5. Auflage) und die International Consensus Classification (ICC). Beide verbinden Morphologie, Immunphänotyp, Genetik und klinisches Bild. Klinisch gebräuchlich ist die Unterteilung in:
- Indolente Lymphome: langsam fortschreitend
- Aggressive Lymphome: rasch fortschreitend
Bei Kindern sind NHL fast immer aggressiv; follikuläre und andere indolente Lymphome sind dort ungewöhnlich.
Wichtige Entitäten
- Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL): häufigste Entität der großzelligen B-Zell-Lymphome; aggressiv
- Follikuläres Lymphom: überwiegend (85 %) als klassisches follikuläres Lymphom aus Zentrozyten und Zentroblasten mit Translokation t(14;18) und IGH::BCL2-Fusion; indolent
- Mantelzelllymphom: IGH::CCND1-Fusion durch t(11;14) bei ≥ 95 %, Cyclin-D1-Überexpression
- Marginalzonenlymphome: extranodal (MALT-Lymphom), nodal und splenisch; Tumorzellen meist CD5- und CD10-negativ
- CLL/kleinzelliges lymphozytisches Lymphom und lymphoplasmozytisches Lymphom (Morbus Waldenström)
- Burkitt-Lymphom: mittelgroße Zellen mit Keimzentrumsphänotyp (CD10+, BCL6+), Ki-67 > 95 %, IG::MYC-Translokation; sehr aggressiv
- Haarzellleukämie: BRAF-V600E-Mutation bei ≥ 95 %
- T- und NK-Zell-Lymphome, z. B. adulte T-Zell-Leukämie/-Lymphom (HTLV-1-assoziiert), anaplastisches großzelliges Lymphom, kutane T-Zell-Lymphome
Stadien
Die Stadieneinteilung erfolgt wie beim Hodgkin-Lymphom nach Lugano (I–IV). Bei Diagnose ist die Erkrankung meist bereits disseminiert.
Vorkommen & Epidemiologie
NHL sind deutlich häufiger als das Hodgkin-Lymphom. In Deutschland erkrankten 2022 etwa 17.930 Menschen an einem NHL (rund 8.100 Frauen und 9.800 Männer). Es ist vor allem eine Erkrankung des höheren Lebensalters: Das mittlere Erkrankungsalter lag bei Frauen bei 73 und bei Männern bei 71 Jahren.
Ätiopathogenese
Die Ursache ist meist unbekannt. Bekannte Risikofaktoren:
- Viren: humanes T-lymphotropes Virus 1 (HTLV-1), Epstein-Barr-Virus (u. a. endemisches Burkitt-Lymphom in Afrika), Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virus, HIV, humanes Herpesvirus 8
- Helicobacter pylori: begünstigt das MALT-Lymphom des Magens
- Angeborene und erworbene Immundefekte, z. B. Immunsuppression bei rheumatischen Systemerkrankungen oder bei Transplantatempfängern; NHL gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen bei HIV-Infektion
- Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Sjögren-Syndrom, chronische Entzündung
- Chemikalien: Benzol, möglicherweise bestimmte Herbizide und Insektizide
- Genetische Faktoren: Verwandte ersten Grades von Lymphompatienten haben ein erhöhtes Risiko
Klinik
Allgemeine Symptome
- Schmerzlose periphere Lymphknotenschwellung als häufigstes Erstsymptom; die Knoten sind gummiartig, zunächst abgrenzbar und verbacken später zu Paketen. Meist sind mehrere Regionen betroffen.
- B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) und Müdigkeit, vor allem bei aggressiven Lymphomen; teils ohne tastbare Lymphknoten.
- Leukämisches Bild mit Lymphozytose und Knochenmarkbefall bei bis zu 50 % der Kinder und etwa 20 % der Erwachsenen mit bestimmten NHL.
- Anämie durch Blutung, Hämolyse, Hypersplenismus oder Knochenmarkinfiltration.
- Hypogammaglobulinämie bei etwa 15 % bei Diagnose, mit erhöhter Infektanfälligkeit.
Kompression und extranodaler Befall
Vergrößerte mediastinale und retroperitoneale Lymphknoten verursachen Kompressionssymptome:
- Vena cava superior: Luftnot und Gesichtsödem (obere Einflussstauung)
- Gallenwege: Ikterus
- Ureteren: Hydronephrose
- Darm: Erbrechen und Obstipation bis zum Ileus
- Lymphabfluss: chylöser Pleura- oder Peritonealerguss, Lymphödem eines Beins
Extranodale Manifestationen: Haut (bei B-Zell-Lymphomen erythematöse Knoten an Kopfhaut oder Beinen; bei kutanen T-Zell-Lymphomen Erytheme, Papeln, Plaques oder Tumoren), Gastrointestinaltrakt (besonders terminales Ileum bei aggressiven Lymphomen im Kindesalter), Meningen, Hoden. Die adulte T-Zell-Leukämie/-Lymphom verläuft fulminant mit Hautinfiltraten, Hepatosplenomegalie und häufig Hyperkalzämie.
Histologie
Die Histologie zeigt eine Zerstörung der normalen Lymphknotenarchitektur mit Infiltration von Kapsel und umgebendem Fettgewebe durch neoplastische Zellen. Die Einordnung erfolgt durch Immunphänotypisierung, Nachweis der B- oder T-Zell-Klonalität, Zytogenetik und ggf. Gensequenzierung.
Diagnostik
Gewebediagnose
- Lymphknotenbiopsie als Grundlage der Diagnose: bei gut tastbarem Knoten offene Biopsie, bei Befall in Thorax oder Abdomen CT- oder ultraschallgesteuerte Stanzbiopsie; eine Feinnadelpunktion liefert oft zu wenig Gewebe.
- Beurteilung durch eine in der Lymphomdiagnostik erfahrene Hämatopathologie; Zytogenetik und Durchflusszytometrie benötigen Frischgewebe.
Staging und Bildgebung
- FDG-PET/CT von Thorax, Abdomen und Becken; alternativ kontrastmittelverstärkte CT.
- Einseitige Knochenmarkaspiration und -biopsie häufig, besonders wenn das Ergebnis die Einordnung verändert.
- MRT von Gehirn und/oder Rückenmark bei neurologischen Symptomen.
Labor
- Blutbild mit Differenzialblutbild (Anämie, Lymphozytose), Immunglobuline.
- Serologie auf HIV, Hepatitis B und Hepatitis C; bei adulter T-Zell-Leukämie/-Lymphom zusätzlich HTLV-1.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
- Anämie (Einteilung und Abklärung)
- Hämolytische Anämien
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Eisenmangelanämie
- Vitamin-B12-Mangel und perniziöse Anämie
- Multiples Myelom (Plasmozytom)
- Paraneoplastische Syndrome
- Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
- Febrile Neutropenie
- Immunthrombozytopenie (ITP)
- Renale Anämie
- Aplastische Anämie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.