Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
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- Autoimmunhämolyse, Wärmeantikörper-Anämie, Kälteagglutininkrankheit, Coombs-positive Anämie, Donath-Landsteiner-Syndrom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 4
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & Zytologie
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Blutausstrich & ZytologieDefinition
Die autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) ist eine erworbene Hämolyse durch Autoantikörper gegen körpereigene Erythrozyten. Nach der Temperatur, bei der die Antikörper optimal binden, unterscheidet man Wärme- und Kälteantikörper. Die Hämolyse verläuft überwiegend extravasal; der direkte Antiglobulintest (Coombs-Test) sichert die Diagnose.
Einteilung
- Wärmeautoantikörper-AIHA (wAIHA): Antikörper reagieren bei 37 °C, meist polyklonales IgG gegen häufige Erythrozytenantigene (Panagglutinine); Abbau vor allem in der Milz. Primär (idiopathisch) oder sekundär, z. B. bei systemischem Lupus erythematodes, Lymphomen, chronischer lymphatischer Leukämie oder arzneimittelinduziert.
- Kälteagglutininkrankheit (CAD): fast immer klonales IgM gegen das I-Antigen, Reaktion unter 37 °C; maßgeblich ist die Temperaturamplitude, nicht der Titer. Primär meist mit einer klonalen B-Zell-Population (niedriggradige lymphoproliferative Erkrankung), chronisch und vorwiegend bei Älteren.
- Sekundäres Kälteagglutininsyndrom: akut nach Infektionen, besonders Mykoplasmenpneumonie (Anti-I) oder infektiöser Mononukleose (Anti-i), oder bei manifestem Lymphom.
- Paroxysmale Kältehämoglobinurie (Donath-Landsteiner): selten, vor allem bei Kindern meist nach Virusinfekten; ein IgG gegen das P-Antigen bindet in der Kälte und löst nach Wiedererwärmung eine intravasale Hämolyse aus.
- Gemischte AIHA: Wärme- und Kälteantikörper zugleich.
Vorkommen & Epidemiologie
Die Inzidenz der wAIHA wird auf 1:50.000 bis 1:100.000, die der Kälteagglutininkrankheit auf etwa 1:1.000.000 pro Jahr geschätzt. Die wAIHA macht etwa 48–70 %, die Kälteagglutininkrankheit etwa 15–25 % aller AIHA aus; Frauen sind von der wAIHA etwas häufiger betroffen. Etwa die Hälfte der wAIHA bei Erwachsenen ist sekundär. Eine AIHA tritt bei etwa 10 % der Menschen mit systemischem Lupus erythematodes und bei 5–10 % der Menschen mit chronischer lymphatischer Leukämie auf.
Ätiopathogenese
Mit IgG beladene Erythrozyten werden von Makrophagen der Milz erkannt und abgebaut oder teilweise phagozytiert; dabei verlieren sie Membran und werden zu Mikrosphärozyten. IgM-Kälteagglutinine binden in kühleren Körperregionen, aktivieren Komplement und führen zu C3-Beladung; die Zellen werden überwiegend in Leber und Milz abgebaut. Bei komplementverstärkenden Situationen wie Infektionen kann die Hämolyse auch intravasal ablaufen.
Die arzneimittelinduzierte Immunhämolyse entsteht über verschiedene Mechanismen: Bildung echter Autoantikörper gegen Rh-Antigene oder Antikörper gegen einen Komplex aus Medikament und Erythrozytenmembran (Hapten-Mechanismus).
Klinik
- wAIHA: Anämiesymptome, Ikterus, typischerweise leichte Splenomegalie; bei schwerem Verlauf Fieber, Thoraxschmerz, Synkope, Leber- oder Herzinsuffizienz. Venöse Thromboembolien sind häufig.
- Kälteagglutininkrankheit: akute oder chronische Hämolyse, meist nicht schwer; kälteabhängige Akrozyanose und Raynaud-Phänomen, erhöhtes Thromboserisiko.
- Paroxysmale Kältehämoglobinurie: nach Kälteexposition starke Rücken- und Beinschmerzen, Kopfschmerz, Erbrechen, Durchfall, Fieber und dunkelbrauner Urin; mitunter Hepatosplenomegalie.
Histologie
Blutausstrich
Bei wAIHA Mikrosphärozyten und Polychromasie bei hoher Retikulozytenzahl, kaum oder keine Schistozyten. Bei Kälteagglutininkrankheit verklumpen die Erythrozyten in nicht angewärmtem Blut sichtbar im Ausstrich.
Diagnostik
- Hämolyseparameter: Retikulozyten, LDH und indirektes Bilirubin erhöht, Haptoglobin erniedrigt. Bei Kälteagglutininen täuscht die Verklumpung im Automaten ein hohes MCV und ein falsch niedriges Hb vor; Anwärmen der Probe normalisiert die Werte weitgehend.
- Direkter Antiglobulintest: Muster IgG allein oder IgG plus C3 bei wAIHA; C3 ohne IgG bei Kälteagglutininkrankheit und paroxysmaler Kältehämoglobinurie. Etwa 5 % der AIHA sind DAT-negativ (sehr geringe Antikörperdichte, selten IgA). Ein positiver DAT ohne Hämolyse kommt vor, z. B. bei Paraproteinen, nach Immunglobulingabe oder durch Alloantikörper nach Fremdblut.
- Indirekter Antiglobulintest: freie Antikörper im Serum; positiv bei negativem DAT spricht eher für Alloantikörper.
- Kälteagglutinintiter (bei 4 °C; meist mindestens 1:64) und Temperaturamplitude (klinisch relevant bei Bindung oberhalb von 28–30 °C).
- Donath-Landsteiner-Test: spezifisch für die paroxysmale Kältehämoglobinurie.
- Suche nach Grunderkrankungen (sekundäre AIHA): ANA, Antiphospholipid-Antikörper und Komplement bei Verdacht auf Autoimmunerkrankung; Eiweißelektrophorese, Immunfixation, Immunphänotypisierung der B-Lymphozyten und Bildgebung bei Verdacht auf Lymphom; Immunglobulinspiegel bei Verdacht auf Immundefekt; Serologie auf HIV, Hepatitis B und C, CMV, EBV, Parvovirus B19 und Mykoplasmen.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.