Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)

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Synonyme
Autoimmunhämolyse, Wärmeantikörper-Anämie, Kälteagglutininkrankheit, Coombs-positive Anämie, Donath-Landsteiner-Syndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 4
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (4)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Histologie
  8. Diagnostik
  9. Weiterlernen in der App
  10. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  11. Querverweise

Bilder (4)

Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) – Blutausstrich bei Wärme-AIHA: viele Sphärozyten und größere, bläulich-polychromatische RetikulozytenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei Wärme-AIHA: viele Sphärozyten und größere, bläulich-polychromatische RetikulozytenBild: E. Uthman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) – Blutausstrich bei Wärme-AIHA (starke Vergrößerung): Sphärozyten neben polychromatischen Erythrozyten und einem GranulozytenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei Wärme-AIHA (starke Vergrößerung): Sphärozyten neben polychromatischen Erythrozyten und einem GranulozytenBild: Ed Uthman from Houston, TX, USA (Wikimedia Commons) · CC BY 2.0 · Quelle
Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) – Blutausstrich/Zytologie: Objektträger bei Kälteagglutininkrankheit: links grob körnige Agglutination der Erythrozyten, rechts gleichmäßiger VergleichsausstrichBlutausstrich & Zytologie
Objektträger bei Kälteagglutininkrankheit: links grob körnige Agglutination der Erythrozyten, rechts gleichmäßiger VergleichsausstrichBild: Spicy (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) – Blutausstrich bei Kälteagglutininen: Erythrozyten liegen in großen, unregelmäßigen Klumpen zusammenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei Kälteagglutininen: Erythrozyten liegen in großen, unregelmäßigen Klumpen zusammenBild: Spicy (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) ist eine erworbene Hämolyse durch Autoantikörper gegen körpereigene Erythrozyten. Nach der Temperatur, bei der die Antikörper optimal binden, unterscheidet man Wärme- und Kälteantikörper. Die Hämolyse verläuft überwiegend extravasal; der direkte Antiglobulintest (Coombs-Test) sichert die Diagnose.

Einteilung

  • Wärmeautoantikörper-AIHA (wAIHA): Antikörper reagieren bei 37 °C, meist polyklonales IgG gegen häufige Erythrozytenantigene (Panagglutinine); Abbau vor allem in der Milz. Primär (idiopathisch) oder sekundär, z. B. bei systemischem Lupus erythematodes, Lymphomen, chronischer lymphatischer Leukämie oder arzneimittelinduziert.
  • Kälteagglutininkrankheit (CAD): fast immer klonales IgM gegen das I-Antigen, Reaktion unter 37 °C; maßgeblich ist die Temperaturamplitude, nicht der Titer. Primär meist mit einer klonalen B-Zell-Population (niedriggradige lymphoproliferative Erkrankung), chronisch und vorwiegend bei Älteren.
  • Sekundäres Kälteagglutininsyndrom: akut nach Infektionen, besonders Mykoplasmenpneumonie (Anti-I) oder infektiöser Mononukleose (Anti-i), oder bei manifestem Lymphom.
  • Paroxysmale Kältehämoglobinurie (Donath-Landsteiner): selten, vor allem bei Kindern meist nach Virusinfekten; ein IgG gegen das P-Antigen bindet in der Kälte und löst nach Wiedererwärmung eine intravasale Hämolyse aus.
  • Gemischte AIHA: Wärme- und Kälteantikörper zugleich.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Inzidenz der wAIHA wird auf 1:50.000 bis 1:100.000, die der Kälteagglutininkrankheit auf etwa 1:1.000.000 pro Jahr geschätzt. Die wAIHA macht etwa 48–70 %, die Kälteagglutininkrankheit etwa 15–25 % aller AIHA aus; Frauen sind von der wAIHA etwas häufiger betroffen. Etwa die Hälfte der wAIHA bei Erwachsenen ist sekundär. Eine AIHA tritt bei etwa 10 % der Menschen mit systemischem Lupus erythematodes und bei 5–10 % der Menschen mit chronischer lymphatischer Leukämie auf.

Ätiopathogenese

Mit IgG beladene Erythrozyten werden von Makrophagen der Milz erkannt und abgebaut oder teilweise phagozytiert; dabei verlieren sie Membran und werden zu Mikrosphärozyten. IgM-Kälteagglutinine binden in kühleren Körperregionen, aktivieren Komplement und führen zu C3-Beladung; die Zellen werden überwiegend in Leber und Milz abgebaut. Bei komplementverstärkenden Situationen wie Infektionen kann die Hämolyse auch intravasal ablaufen.

Die arzneimittelinduzierte Immunhämolyse entsteht über verschiedene Mechanismen: Bildung echter Autoantikörper gegen Rh-Antigene oder Antikörper gegen einen Komplex aus Medikament und Erythrozytenmembran (Hapten-Mechanismus).

Klinik

  • wAIHA: Anämiesymptome, Ikterus, typischerweise leichte Splenomegalie; bei schwerem Verlauf Fieber, Thoraxschmerz, Synkope, Leber- oder Herzinsuffizienz. Venöse Thromboembolien sind häufig.
  • Kälteagglutininkrankheit: akute oder chronische Hämolyse, meist nicht schwer; kälteabhängige Akrozyanose und Raynaud-Phänomen, erhöhtes Thromboserisiko.
  • Paroxysmale Kältehämoglobinurie: nach Kälteexposition starke Rücken- und Beinschmerzen, Kopfschmerz, Erbrechen, Durchfall, Fieber und dunkelbrauner Urin; mitunter Hepatosplenomegalie.

Histologie

Blutausstrich

Bei wAIHA Mikrosphärozyten und Polychromasie bei hoher Retikulozytenzahl, kaum oder keine Schistozyten. Bei Kälteagglutininkrankheit verklumpen die Erythrozyten in nicht angewärmtem Blut sichtbar im Ausstrich.

Diagnostik

  • Hämolyseparameter: Retikulozyten, LDH und indirektes Bilirubin erhöht, Haptoglobin erniedrigt. Bei Kälteagglutininen täuscht die Verklumpung im Automaten ein hohes MCV und ein falsch niedriges Hb vor; Anwärmen der Probe normalisiert die Werte weitgehend.
  • Direkter Antiglobulintest: Muster IgG allein oder IgG plus C3 bei wAIHA; C3 ohne IgG bei Kälteagglutininkrankheit und paroxysmaler Kältehämoglobinurie. Etwa 5 % der AIHA sind DAT-negativ (sehr geringe Antikörperdichte, selten IgA). Ein positiver DAT ohne Hämolyse kommt vor, z. B. bei Paraproteinen, nach Immunglobulingabe oder durch Alloantikörper nach Fremdblut.
  • Indirekter Antiglobulintest: freie Antikörper im Serum; positiv bei negativem DAT spricht eher für Alloantikörper.
  • Kälteagglutinintiter (bei 4 °C; meist mindestens 1:64) und Temperaturamplitude (klinisch relevant bei Bindung oberhalb von 28–30 °C).
  • Donath-Landsteiner-Test: spezifisch für die paroxysmale Kältehämoglobinurie.
  • Suche nach Grunderkrankungen (sekundäre AIHA): ANA, Antiphospholipid-Antikörper und Komplement bei Verdacht auf Autoimmunerkrankung; Eiweißelektrophorese, Immunfixation, Immunphänotypisierung der B-Lymphozyten und Bildgebung bei Verdacht auf Lymphom; Immunglobulinspiegel bei Verdacht auf Immundefekt; Serologie auf HIV, Hepatitis B und C, CMV, EBV, Parvovirus B19 und Mykoplasmen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Autoimmune Hemolytic Anemia
  2. Onkopedia-Leitlinie (DGHO): Autoimmunhämolytische Anämien (AIHA)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.