Spontan bakterielle Peritonitis (SBP)
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- SBP, Bauchfellentzündung bei Aszites, Aszitesinfektion, infiziertes Bauchwasser, Bakteraszites
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Leber & Gallenwege
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Die spontan bakterielle Peritonitis (SBP) ist eine bakterielle Infektion eines vorbestehenden Aszites ohne erkennbare intraabdominelle Infektionsquelle wie Perforation, Cholezystitis oder Divertikulitis. Sie tritt vor allem bei Aszites infolge einer Leberzirrhose auf.
Diagnostisch definiert ist die SBP durch mehr als 250 neutrophile Granulozyten pro µl Aszites, unabhängig vom Kulturergebnis. Davon abgegrenzt wird der Bakteraszites: Bakteriennachweis in der Kultur ohne erhöhte Granulozytenzahl.
Vorkommen & Epidemiologie
Die SBP ist die häufigste spontane bakterielle Infektion bei Leberzirrhose und macht bei Krankenhauspatienten mit Zirrhose etwa ein Viertel aller bakteriellen Infektionen aus. Bei asymptomatischen ambulanten Patienten mit Aszites liegt die Prävalenz bei höchstens etwa 3,5 %, bei Krankenhauspatienten bei 8–36 %.
Ätiopathogenese
Meist liegt eine Infektion mit einem einzigen Erreger vor. Häufig sind gramnegative Darmbakterien wie Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae, daneben grampositive Erreger wie Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus und Enterokokken. Bei ambulant erworbener SBP überwiegen gramnegative, bei im Krankenhaus erworbener SBP grampositive Erreger.
Risikofaktoren für eine SBP:
- frühere SBP-Episode
- gastrointestinale Blutung
- niedriges Gesamteiweiß im Aszites (unter 1,5 g/dl)
- Bilirubin über 3,2 mg/dl und Thrombozyten unter 98.000/µl
- hoher MELD-Score
- genetische Faktoren wie Varianten im NOD2-Gen
Klinik
Die Beschwerden sind oft wenig ausgeprägt. Typisch sind Fieber, Krankheitsgefühl und diffuse, anhaltende, leichte bis mäßige Bauchschmerzen. Peritonitiszeichen wie Druckschmerz und Loslassschmerz sind vorhanden, durch den Aszites aber abgeschwächt.
Häufig fallen nur eine hepatische Enzephalopathie, eine Verschlechterung der Leberfunktion, ein akutes Nierenversagen oder eine sonst unerklärte klinische Verschlechterung auf; die SBP kann auch völlig asymptomatisch verlaufen.
Diagnostik
Aszitespunktion
Entscheidend ist die diagnostische Aszitespunktion mit Zellzahl und Differenzierung. Eine Zahl neutrophiler Granulozyten über 250/µl sichert die Diagnose. Bei hämorrhagischem Aszites wird die Granulozytenzahl um 1 je 250 Erythrozyten/µl vermindert.
Das Punktat wird direkt am Bett in aerobe und anaerobe Blutkulturflaschen gefüllt, mindestens 10 ml je Flasche; zusätzlich werden Blutkulturen abgenommen. Trotzdem gelingt der Erregernachweis nur bei etwa 36–59 % der Fälle. Urin-Teststreifen sind als alleiniges Verfahren zu wenig empfindlich.
Abgrenzung der sekundären Peritonitis
Hinweise auf eine sekundäre Peritonitis, etwa durch Perforation oder Abszess, sind:
- Nachweis mehrerer Erregerarten, auch von Anaerobiern oder Pilzen
- neu aufgetretene, ausgeprägte Bauchbeschwerden
- deutlich erhöhte Zellzahl oder erhöhtes Gesamteiweiß im Aszites
- Glukose im Aszites unter 2,7 mmol/l und Aszites-LDH über der oberen Normgrenze des Serums
- erhöhtes CEA (über 5 ng/ml) oder erhöhte alkalische Phosphatase (über 240 U/l) im Aszites
Bei diesem Verdacht wird zusätzlich eine Schnittbildgebung zur Suche nach der Infektionsquelle durchgeführt.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Leber & Gallenwege
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.