Hämochromatose

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Synonyme
Eisenspeicherkrankheit, Bronzediabetes, HFE-Hämochromatose, Siderose, Eisenüberladung
Fachgebiet
Innere Medizin · Leber & Gallenwege
Bilder
Histologie 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Histologie
  8. Diagnostik
  9. Weiterlernen in der App
  10. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  11. Querverweise

Bilder (2)

Hämochromatose – Histologie: Leberbiopsie (Berliner-Blau-Färbung): blau angefärbte Eisenablagerungen in den Hepatozyten mit periportaler Betonung (Grad 3), daneben VerfettungHistologie
Leberbiopsie (Berliner-Blau-Färbung): blau angefärbte Eisenablagerungen in den Hepatozyten mit periportaler Betonung (Grad 3), daneben VerfettungBild: Joseph Mathew, May Y Leong, Nick Morley and Alastair D Burt (Wikimedia Commons) · CC BY 2.0 · Quelle
Hämochromatose – Histologie (HE) bei Hämochromatose: braun-gelbes Hämosiderin-Pigment in Hepatozyten und im PortalfeldHistologie
Histologie (HE) bei Hämochromatose: braun-gelbes Hämosiderin-Pigment in Hepatozyten und im PortalfeldBild: Calicut Medical College (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die hereditäre Hämochromatose ist eine erbliche Störung des Eisenstoffwechsels mit übermäßiger Eisenaufnahme aus dem Darm. Das Eisen lagert sich in Leber, Pankreas, Herz, Gelenken, Haut und endokrinen Organen ab und schädigt sie. Davon abzugrenzen sind sekundäre Eisenüberladungen, etwa bei häufigem Empfang von Spenderblut oder ineffektiver Blutbildung.

Einteilung

Nach dem betroffenen Gen werden vier Typen unterschieden:

  • Typ 1 (HFE-assoziiert): klassische Form; über 80 % der Fälle durch homozygote C282Y-Mutation; C282Y/H63D-Mischerbigkeit führt nur selten zu relevanter Eisenüberladung
  • Typ 2 (juvenile Hämochromatose): Mutationen in HJV (Typ 2A) oder HAMP (Typ 2B); Beginn oft im Jugendalter
  • Typ 3: Mutationen im Transferrinrezeptor-2-Gen (TFR2), sehr selten
  • Typ 4 (Ferroportin-Krankheit): autosomal-dominante Mutationen in SLC40A1; bei Typ 4A ist die Transferrinsättigung normal oder niedrig

Vorkommen & Epidemiologie

Die HFE-Hämochromatose wird autosomal-rezessiv vererbt. Bei Menschen nordeuropäischer Herkunft ist etwa jede 200. Person homozygot und etwa jede 8. Person heterozygot für die Mutation. Bei Menschen afrikanischer Herkunft sind die Mutationen selten, bei asiatischer Herkunft sehr selten. Die Penetranz ist gering: Etwa 70 % der C282Y-Homozygoten haben ein erhöhtes Ferritin, aber nur etwa 10 % zeigen Organschäden. Männer erkranken häufiger und früher; bei Frauen wirkt der Eisenverlust durch Menstruation bis zur Menopause ausgleichend.

Ätiopathogenese

Zentral ist ein Mangel an Wirkung oder Bildung von Hepcidin, einem in der Leber gebildeten Peptidhormon. Hepcidin hemmt normalerweise den Eisenexporter Ferroportin und begrenzt so die Eisenaufnahme. Fehlt diese Bremse, nimmt der Darm dauerhaft zu viel Eisen auf.

Der Gesamtkörpereisenbestand beträgt normalerweise etwa 2,5 g bei Frauen und 3,5 g bei Männern; Symptome treten oft erst bei Speichermengen von über 10–20 g auf. Freies Eisen fördert die Bildung reaktiver Sauerstoffradikale. In der Leber führen Lipidperoxidation und Zelltod zur Aktivierung von Kupffer- und Sternzellen, zu Fibrose, Zirrhose und einem erhöhten Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom.

Klinik

Laborauffälligkeiten gehen den Beschwerden meist voraus; frühe Symptome sind unspezifisch. Ungefähre Häufigkeiten bei manifester Erkrankung:

  • Allgemeinsymptome wie Schwäche und Müdigkeit sowie auffällige Leberwerte: je etwa 75 %
  • Hyperpigmentierung der Haut: etwa 70 %
  • Diabetes mellitus („Bronzediabetes"): etwa 50 %
  • Arthropathie, besonders der Fingergrundgelenke II und III, oft mit Chondrokalzinose: etwa 45 %
  • erektile Dysfunktion und Hypogonadismus: etwa 45 % der Männer
  • Kardiomyopathie mit Herzinsuffizienz oder Rhythmusstörungen: etwa 15 %

Die Lebererkrankung ist die häufigste Komplikation und kann in eine Zirrhose übergehen; von den Patienten mit Zirrhose entwickeln 20–30 % ein hepatozelluläres Karzinom. Weitere Befunde sind Hepatomegalie, Oberbauchschmerzen, Hypothyreose und Porphyria cutanea tarda.

Histologie

In der Leberbiopsie zeigt die Eisenfärbung (Berliner-Blau-Reaktion) bei der HFE-Hämochromatose vorwiegend Eisenablagerungen in den Hepatozyten, betont periportal. Zusätzlich lässt sich der Lebereisengehalt quantitativ bestimmen und das Fibrosestadium beurteilen.

Diagnostik

  • Ferritin als einfachster Suchtest: erhöht bei Werten über 200 ng/ml (Frauen) bzw. über 250 ng/ml (Männer); auch bei Entzündung, Fettlebererkrankung, Alkohol, Tumoren oder Übergewicht erhöht
  • Transferrinsättigung und nüchternes Serumeisen: Transferrinsättigung meist über 50 %, bei juveniler Hämochromatose über 90 %
  • Gentest auf HFE-Mutationen (C282Y, H63D) sichert die Typ-1-Hämochromatose
  • MRT zur nichtinvasiven Abschätzung des Lebereisengehalts, kombiniert mit MR-Elastographie zur Fibrosebeurteilung
  • Leberbiopsie bei Ferritin über 1.000 ng/ml zur Klärung einer Zirrhose sowie bei Eisenüberladung mit negativem Gentest
  • Untersuchung auf Organschäden: Glukose bzw. HbA1c, Echokardiographie und EKG, Hormonstatus, Röntgen der Hände

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hämochromatose mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Hereditary Hemochromatosis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.