Sjögren-Syndrom
- Synonyme
- Sicca-Syndrom, Morbus Sjögren, Sjögren-Krankheit, trockene Augen und trockener Mund, Keratoconjunctivitis sicca, Anti-Ro
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Rheumatologie & Immunologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 1 · Klinik 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Blutausstrich & Zytologie
Definition
Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische, systemische, autoimmun-entzündliche Erkrankung unbekannter Ursache. Leitbefund ist die Trockenheit von Mund, Augen und anderen Schleimhäuten (Sicca-Syndrom) durch lymphozytäre Infiltration und Funktionsverlust exokriner Drüsen. Daneben können zahlreiche andere Organe betroffen sein.
Einteilung
- Primäres Sjögren-Syndrom: ohne andere zugrunde liegende Erkrankung.
- Sekundäres Sjögren-Syndrom: bei etwa 30 % der Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerose, Mischkollagenose oder Hashimoto-Thyreoiditis.
ACR/EULAR-Klassifikationskriterien 2016 (bei mindestens einem Trockenheitssymptom von Auge oder Mund, ohne Ausschlusskriterien; Klassifikation ab 4 Punkten):
- Fokale lymphozytäre Sialadenitis in der Lippenspeicheldrüse mit Focus-Score ≥ 1: 3 Punkte
- Anti-SSA(Ro)-Antikörper: 3 Punkte
- Okulärer Färbe-Score ≥ 5 (oder van-Bijsterveld-Score ≥ 4) an mindestens einem Auge: 1 Punkt
- Schirmer-Test ≤ 5 mm in 5 Minuten an mindestens einem Auge: 1 Punkt
- Unstimulierter Speichelfluss ≤ 0,1 ml/min: 1 Punkt
Vorkommen & Epidemiologie
Am häufigsten erkranken Frauen mittleren Alters. Reine Sicca-Beschwerden ohne Autoantikörper sind häufiger als das antikörperpositive Sjögren-Syndrom.
Ätiopathogenese
Genetische Assoziationen sind bekannt (z. B. HLA-DR3 bei weißen Menschen mit primärem Sjögren-Syndrom). Speichel-, Tränen- und andere exokrine Drüsen werden von CD4-positiven T-Zellen und B-Zellen infiltriert; Zytokine wie Interleukin-2 und Interferon-γ schädigen die Ausführungsgänge. Die Atrophie des sekretorischen Epithels der Tränendrüsen führt zur Keratoconjunctivitis sicca; in der Parotis entstehen myoepitheliale Inseln.
Klinik
- Augen: Sand- oder Fremdkörpergefühl ohne Juckreiz; in fortgeschrittenen Fällen Hornhautschäden (Keratitis filiformis) mit Sehminderung.
- Mund: Xerostomie mit Kau- und Schluckbeschwerden, Candida-Infektionen, Karies, Speichelsteinen, vermindertem Geschmacks- und Geruchssinn.
- Trockenheit auch von Haut, Nase, Rachen, Kehlkopf, Bronchien und Vagina; Husten und Heiserkeit.
- Parotisschwellung bei etwa einem Drittel, meist fest, glatt und leicht druckschmerzhaft.
- Gelenke: Arthralgien bei etwa 50 %, nicht erosive Arthritis bei etwa 20 %.
- Extraglanduläre Manifestationen: Lymphadenopathie, Raynaud-Syndrom, interstitielle Lungenerkrankung, Kleingefäßvaskulitis mit Purpura, Polyneuropathie oder Mononeuritis multiplex, Glomerulonephritis, distale renal-tubuläre Azidose mit Hypokaliämie, Pankreatitis, Müdigkeit.
- Lymphomrisiko: etwa 16-fach erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome, besonders MALT-Lymphome; Hinweise sind niedriges C4, monoklonale Gammopathie, kryoglobulinämische Vaskulitis und anhaltende Parotisschwellung.
Diagnostik
- Augen: Schirmer-Test (gesund etwa 15 mm Benetzung in 5 Minuten, bei Sjögren meist unter 5 mm; je etwa 15 % falsch positive und falsch negative Ergebnisse), Anfärbung mit Bengalrosa oder Lissamingrün (Ocular Staining Score), Tränenfilmaufrisszeit unter 10 Sekunden an der Spaltlampe.
- Speicheldrüsen: Speichelflussmessung (≤ 0,1 ml/min), seltener Sialographie oder Szintigraphie; einfache Hinweise sind ein fehlender Speichelsee unter der Zunge oder ein an der Mundschleimhaut haftender Spatel.
- Autoantikörper: Anti-SSA(Ro) (als einziger Antikörper Teil der Klassifikationskriterien), Anti-SSB(La), ANA; Rheumafaktor bei über 70 %.
- Weitere Laborbefunde: BSG bei etwa 70 % erhöht, Anämie bei 33 %, Leukopenie bei bis zu 25 %.
- Lippenspeicheldrüsenbiopsie: mehrere große Lymphozytenherde mit Azinusatrophie; vor allem wenn die Serologie nicht weiterhilft oder ein Organ schwer betroffen ist.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
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- Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis)
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- Mischkollagenose (Sharp-Syndrom)
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.