Silikose
- Synonyme
- Staublunge, Quarzstaublunge, Steinstaublunge, Pneumokoniose, Bergmannslunge
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- Röntgen 2 · Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (4)
Röntgen
Röntgen
Histologie
MakropräparatDefinition
Die Silikose ist eine Pneumokoniose durch Einatmen von lungengängigem kristallinem Siliziumdioxid (meist Quarz). Kennzeichnend ist eine knötchenförmige Lungenfibrose. Amorphes Siliziumdioxid wie Glas oder Kieselgur hat keine kristalline Struktur und verursacht keine Silikose.
Einteilung
- Chronische Silikose: häufigste Form, entwickelt sich langsam und tritt typischerweise Jahrzehnte nach der ersten Exposition auf. Bei der einfachen Form bleiben die Knötchen getrennt und schränken die Lungenfunktion nicht ein; bei der komplizierten Form (progressive massive Fibrose) verschmelzen sie zu großen Konglomeraten, meist in den Oberfeldern.
- Akzelerierte Silikose: wie die chronische Form, aber bei hoher Exposition mit Beginn innerhalb von 5–10 Jahren nach der ersten Exposition.
- Akute Silikose (Silikoproteinose): nach intensiver Exposition über kurze Zeit; Beginn Wochen bis einige Jahre nach der ersten Exposition, ähnlich einer pulmonalen alveolären Proteinose.
Ätiopathogenese
Am stärksten gefährdet sind Menschen, die Gestein und Sand bewegen oder sprengen (Bergleute, Steinbrucharbeiter, Steinmetze, Bauarbeiter) oder quarzhaltige Schleifmittel verwenden (Sandstrahler, Glasmacher, Gießer, Edelstein- und Keramikarbeiter, Töpfer). Schwere Ausbrüche wurden auch in der Natursteinverarbeitung beobachtet. Inzidenz und Schweregrad hängen von Dauer und Intensität der Exposition sowie von Form und Oberfläche der Partikel ab.
Pathophysiologie: Alveolarmakrophagen nehmen die Quarzpartikel auf und setzen Zytokine, reaktive Sauerstoffspezies und weitere Mediatoren frei, die Entzündung und Fibrose fördern. Quarzbeladene Makrophagen fördern die Bildung des pathognomonischen silikotischen Knötchens.
Klinik
- Chronische Silikose: kann symptomlos sein; viele Patienten entwickeln fortschreitende Atemnot und Husten. Bei fortgeschrittener Erkrankung Konsolidierungen, pulmonale Hypertonie und respiratorische Insuffizienz mit oder ohne Rechtsherzinsuffizienz; bei progressiver massiver Fibrose schwere chronische Atemwegsbeschwerden.
- Akute Silikose: rasch zunehmende Atemnot, Gewichtsverlust und Erschöpfung mit diffusen beidseitigen Rasselgeräuschen; Hypoxämie häufig.
- Komplikationen: erhöhtes Risiko für Tuberkulose und andere Mykobakteriosen, COPD, Lungenkrebs und systemische Autoimmunerkrankungen.
Histologie
Das silikotische Knötchen enthält anfangs Kollagenfasern und verstreute doppelbrechende Quarzpartikel, die am besten im polarisierten Licht sichtbar sind. Mit zunehmender Reife liegen die Kollagenfasern zentral und werden von einer äußeren Schicht aus Entzündungszellen umgeben.
Diagnostik
- Berufsanamnese: Dauer der Exposition, Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz und zeitlicher Verlauf der Beschwerden; die Silikose wird weiterhin zu selten diagnostiziert.
- Röntgen-Thorax: Einstufung nach der ILO-Klassifikation der Pneumokoniosen. Bei einfacher Silikose überwiegend in den Oberlappen beidseitige, 1–3 mm große retikulonoduläre Verdichtungen; verkalkte hiläre und mediastinale Lymphknoten, gelegentlich eierschalenartig (nicht pathognomonisch). Bei komplizierter Silikose große Verschattungen bzw. verkalkte Konglomerate.
- CT-Thorax: empfindlicher als das Röntgenbild; bei akuter Silikose diffuse alveoläre, basal betonte Verdichtungen ähnlich einer alveolären Proteinose.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.