Legionellose (Legionärskrankheit)
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- Legionärskrankheit, Legionellen-Pneumonie, Legionellen, Pontiac-Fieber
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- CT 1 · Histologie 1 · Blutausstrich & Zytologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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CT
Histologie
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Die Legionellose ist eine Infektion durch Bakterien der Gattung Legionella. Sie tritt als Legionärskrankheit, eine schwere Pneumonie, und als Pontiac-Fieber, ein akuter fieberhafter Infekt ohne Lungenentzündung, auf. Der Name geht auf einen Ausbruch bei einem Treffen der „American Legion“ 1976 in Philadelphia zurück.
Einteilung
Epidemiologisch werden vier Expositionskategorien unterschieden: ambulant erworben (knapp 75 % der Fälle), reiseassoziiert (etwa jeder fünfte Fall, mit mindestens einer Übernachtung in Hotel, Pension, auf Campingplatz oder Kreuzfahrtschiff), nosokomial und pflegeheimassoziiert (jeweils unter 5 %).
Vorkommen & Epidemiologie
Deutschland lag 2018 mit einer Meldeinzidenz von 1,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner knapp unter dem europäischen Durchschnitt von 1,8. Da nicht jede Pneumonie auf Legionellen untersucht wird, ist von einer deutlichen Untererfassung auszugehen; die tatsächliche Inzidenz nicht krankenhausassoziierter Fälle wird auf etwa 18 bis 36 pro 100.000 Einwohner geschätzt. Besonders betroffen sind ältere Menschen (75–80 % der gemeldeten Fälle sind älter als 50 Jahre), Raucher, Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie mit Diabetes mellitus oder chronischen Herz- und Lungenerkrankungen. Männer erkranken zwei- bis dreimal so häufig wie Frauen; die Fallzahlen steigen regelmäßig im Sommer und Herbst.
Ätiopathogenese
Erreger: gramnegative, aerobe Stäbchen; bekannt sind über 60 Arten mit mindestens 79 Serogruppen. Die meisten ambulant erworbenen Erkrankungen in Europa verursacht Legionella pneumophila der Serogruppe 1. Legionellen vermehren sich intrazellulär in frei lebenden Amöben und in menschlichen Makrophagen.
Reservoir: Oberflächen- und Grundwasser, feuchte Böden, Kompost. Ideale Wachstumsbedingungen bestehen bei 25–45 °C; unter 20 °C vermehren sie sich kaum. Infektiologisch bedeutsam sind technische Wassersysteme mit Aerosolbildung: Trinkwasser-Installationen mit Stagnation, Ablagerungen und Biofilm, offene Rückkühlwerke und Verdunstungskühlanlagen, Whirlpools, Duschen und Zierbrunnen.
Übertragung: meist durch Einatmen eines legionellenhaltigen Wasseraerosols, seltener durch (Mikro-)Aspiration. Das Trinken kontaminierten Wassers ist ungefährlich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch spielt praktisch keine Rolle.
Klinik
Legionärskrankheit: Inkubationszeit etwa 2–10 Tage, meist 5–6 Tage; bei Ausbrüchen erkrankten 5–16 % erst nach mehr als 10 Tagen. Typisch ist ein grippeähnlicher Beginn mit Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, Muskel- und Kopfschmerzen oder Verwirrtheit. Häufig sind Übelkeit, wässriger Durchfall, Bauchschmerzen, Husten und Gelenkschmerzen; pneumonische Zeichen sind Atemnot, pleuritische Schmerzen und Hämoptysen. Eine im Verhältnis zum Fieber relative Bradykardie kann auftreten. Klinisch lässt sich die Legionellen-Pneumonie nicht sicher von anderen Pneumonien unterscheiden. Extrapulmonale Manifestationen (z. B. Abszesse, Myokarditis, Perikarditis, Endokarditis) sind selten und betreffen meist immungeschwächte Patienten.
Pontiac-Fieber: Inkubationszeit etwa 5–72 Stunden (meist 8–24 Stunden); grippeähnliche Beschwerden mit Kopf- und Gliederschmerzen, Thoraxschmerzen und trockenem Husten, ohne Pneumonie. Die Erkrankten erholen sich innerhalb weniger Tage.
Diagnostik
- Röntgen-Thorax: meist fleckige, rasch und asymmetrisch fortschreitende Infiltrate, mit oder ohne kleine Pleuraergüsse.
- Labor: häufig Hyponatriämie, Hypophosphatämie sowie erhöhte Transaminasen und CRP.
- Urin-Antigentest: häufigste Methode; Spezifität über 99 %, Sensitivität für L. pneumophila Serogruppe 1 von 60–95 %, abhängig von der Schwere der Erkrankung. Erfasst werden praktisch nur Infektionen durch Serogruppe 1, ein negativer Test schließt eine Legionellose – besonders bei nosokomialen Fällen – daher nicht aus. Die Antigenausscheidung beginnt etwa 24 Stunden nach Symptombeginn und hält meist 2–6 Wochen an.
- PCR: aus Material der tiefen Atemwege (BAL, Trachealsekret, Sputum, Lungengewebe) schnell und sehr sensitiv; für Urin ungeeignet.
- Kultur: Goldstandard auf Spezialagar; Ergebnis erst nach mehreren Tagen, ermöglicht aber die Typisierung zur Suche nach der Infektionsquelle. Blutkulturen sind unzuverlässig.
- Direkte Immunfluoreszenz: geringe Sensitivität (etwa 20–60 %).
- Serologie: für die Akutdiagnostik ungeeignet, da ein beweisender Titeranstieg oft erst in der 6.–8. Krankheitswoche auftritt.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Pneumologie
- Ambulant erworbene Pneumonie
- Tuberkulose
- Pneumothorax
- Sarkoidose
- Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom)
- COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
- Pleuraerguss
- Asthma bronchiale
- ARDS (akutes Atemnotsyndrom)
- Pleuraempyem
- Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
- Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.