Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

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Synonyme
AATM, Alpha-1-Proteaseinhibitor-Mangel, erbliches Lungenemphysem, Laurell-Eriksson-Syndrom, AAT-Mangel
Fachgebiet
Innere Medizin · Pneumologie
Bilder
CT 1 · Histologie 2 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (4)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (4)

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel – CT (axial und koronar): panlobuläres Emphysem mit diffus vermindertem Lungenparenchym und rarefizierten Gefäßen – das typische Emphysemmuster beim AAT-MangelCT
CT (axial und koronar): panlobuläres Emphysem mit diffus vermindertem Lungenparenchym und rarefizierten Gefäßen – das typische Emphysemmuster beim AAT-MangelBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel – Histologie (HE) bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: panlobuläres Emphysem mit gleichmäßiger Zerstörung der Alveolarsepten im ganzen LobulusHistologie
Histologie (HE) bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: panlobuläres Emphysem mit gleichmäßiger Zerstörung der Alveolarsepten im ganzen LobulusBild: Yale Rosen from USA (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel – Makropräparat: Lungenschnitt: panlobuläres Emphysem mit diffuser, gleichmäßiger Rarefizierung des LungengewebesMakropräparat
Lungenschnitt: panlobuläres Emphysem mit diffuser, gleichmäßiger Rarefizierung des LungengewebesBild: Yale Rosen from USA (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel – Histologie: Leberbiopsie (PAS-Färbung nach Diastase-Andauung) bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: rosa Globuli in den HepatozytenHistologie
Leberbiopsie (PAS-Färbung nach Diastase-Andauung) bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: rosa Globuli in den HepatozytenBild: Jerad M Gardner, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Definition

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist ein erblicher Mangel an Alpha-1-Antitrypsin, der wichtigsten Antiprotease der Lunge gegenüber der neutrophilen Elastase. Er führt zu vermehrter proteolytischer Gewebezerstörung mit Emphysem im Erwachsenenalter; die Anreicherung fehlgefalteter Moleküle in der Leber kann bei Kindern und Erwachsenen Lebererkrankungen verursachen.

Einteilung

Die Allele werden kodominant exprimiert; mehr als 140 Allele sind anhand der Pi-Phänotypen beschrieben.

PhänotypSerumspiegelEmphysemrisiko
Pi*MM150–350 mg/dlnormal
Pi*MZ90–210 mg/dlminimal erhöht
Pi*SS100–200 mg/dlminimal erhöht
Pi*SZ75–120 mg/dlleicht erhöht
Pi*ZZ20–45 mg/dlhoch

Über 95 % der Menschen mit schwerem Mangel und Emphysem sind homozygot für das Z-Allel (Pi*ZZ). Null-Allele (Pi*Z-Null, Pi*Null-Null) führen zu nicht nachweisbaren Serumspiegeln.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Prävalenz des Genotyps Pi*ZZ in der Allgemeinbevölkerung beträgt 1/2.000 bis 1/10.000. Betroffen sind vor allem Menschen nordeuropäischer Abstammung; bei asiatischer und afrikanischer Abstammung ist das Z-Allel selten. Etwa 1–2 % aller COPD-Fälle werden auf einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zurückgeführt.

Ätiopathogenese

Alpha-1-Antitrypsin wird überwiegend in Hepatozyten und Monozyten gebildet und gelangt mit dem Blut in die Lunge, wo es die neutrophile Elastase neutralisiert.

  • Lunge: Der Mangel erhöht die Aktivität der neutrophilen Elastase und führt zum Emphysem, besonders bei Rauchern, da Zigarettenrauch die Proteasenaktivität zusätzlich steigert.
  • Leber: Bestimmte Varianten verändern die Konformation des Moleküls, das polymerisiert und in den Hepatozyten zurückgehalten wird. Diese Anreicherung verursacht bei 10–15 % der Betroffenen einen neonatalen cholestatischen Ikterus und erhöht das Risiko für Zirrhose und Leberzellkarzinom.
  • Weitere Assoziationen: Pannikulitis, ANCA-positive Vaskulitis, Colitis ulcerosa, Aneurysmen, Glomerulumerkrankungen.

Klinik

  • Lunge: frühes Emphysem mit COPD-Symptomen (Atemnot, Husten, Giemen, verlängertes Exspirium); bei Rauchern früher als bei Nichtrauchern, vor dem 25. Lebensjahr aber selten. Der Schweregrad variiert stark mit Phänotyp, Rauchstatus und weiteren Faktoren. Einige Patienten haben Bronchiektasen.
  • Leber: bei Neugeborenen cholestatischer Ikterus und Hepatomegalie in der ersten Lebenswoche, meist rückläufig nach 2–4 Monaten; in etwa 20 % führt die neonatale Leberbeteiligung zu einer Zirrhose im Kindesalter. Etwa 10 % der Patienten ohne kindliche Lebererkrankung entwickeln im Erwachsenenalter eine Zirrhose.
  • Haut: Pannikulitis mit indurierten, weichen, depigmentierten Plaques oder Knoten, typischerweise an Unterbauch, Gesäß und Oberschenkeln.

Diagnostik

Verdacht besteht bei:

  • Rauchern mit Emphysem vor dem 45. Lebensjahr
  • Nichtrauchern ohne berufliche Exposition mit Emphysem in jedem Alter
  • positiver Familienanamnese für Emphysem, unklare Leberzirrhose oder Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  • Pannikulitis, ungeklärten Bronchiektasen oder Lebererkrankungen
  • Neugeborenen mit Ikterus oder erhöhten Leberwerten

Labor: Ein Serumspiegel unter 80 mg/dl (unter 15 µmol/l, radiale Immundiffusion) bzw. unter 50 mg/dl (unter 9 µmol/l, Nephelometrie) stützt die Diagnose; sie wird durch Genotypisierung bzw. Phänotypisierung bestätigt. Bei seltenen Varianten können normale Spiegel eines funktionsgestörten Proteins vorliegen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Alpha-1-Antitrypsin-Mangel mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Profi-Ausgabe: Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  2. StatPearls: Alpha-1 Antitrypsin Deficiency

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.