ARDS (akutes Atemnotsyndrom)

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Synonyme
akutes Lungenversagen, Schocklunge, akutes Atemnotsyndrom, ALI
Fachgebiet
Innere Medizin · Pneumologie
Bilder
Röntgen 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (3)

ARDS (akutes Atemnotsyndrom) – Röntgen-Thorax a.p.: ARDS mit beidseitigen, diffusen fleckig-konfluierenden Verschattungen bei normal großem HerzenRöntgen
Röntgen-Thorax a.p.: ARDS mit beidseitigen, diffusen fleckig-konfluierenden Verschattungen bei normal großem HerzenBild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
ARDS (akutes Atemnotsyndrom) – Histologie (HE): diffuser Alveolarschaden mit eosinophilen hyalinen Membranen entlang der Alveolarwände (Pfeile)Histologie
Histologie (HE): diffuser Alveolarschaden mit eosinophilen hyalinen Membranen entlang der Alveolarwände (Pfeile)Bild: Mohanty SK, Satapathy A, Naidu MM, Mukhopadhyay S, Sharma S, Barton LM; et al. (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle
ARDS (akutes Atemnotsyndrom) – Makropräparat: Autopsiebefund: links diffus verdichtete, blasse, schwere Lunge bei diffusem Alveolarschaden; rechts zum Vergleich eine unauffällige LungeMakropräparat
Autopsiebefund: links diffus verdichtete, blasse, schwere Lunge bei diffusem Alveolarschaden; rechts zum Vergleich eine unauffällige LungeBild: Yale Rosen from USA (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
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Definition

Das akute Atemnotsyndrom (acute respiratory distress syndrome, ARDS) ist eine diffuse, entzündliche Lungenschädigung und eine Ursache der akuten hypoxämischen respiratorischen Insuffizienz. Eine erhöhte Durchlässigkeit der alveolokapillären Schranke führt zu einem nicht kardial bedingten Lungenödem mit schwerer Hypoxämie.

Einteilung

Berlin-Definition:

  • Zeitlicher Verlauf: Beginn innerhalb einer Woche nach einem bekannten Auslöser oder nach neuen bzw. zunehmenden Atembeschwerden.
  • Bildgebung (Röntgen oder CT): beidseitige Verschattungen, die nicht vollständig durch Ergüsse, Lappen- oder Lungenkollaps oder Rundherde erklärt sind.
  • Ursprung des Ödems: respiratorisches Versagen, das nicht vollständig durch Herzversagen oder Flüssigkeitsüberladung erklärt ist.
SchweregradPaO₂/FiO₂ (bei PEEP ≥ 5 cmH₂O)
leicht> 200 bis ≤ 300 mmHg
mittelschwer> 100 bis ≤ 200 mmHg
schwer≤ 100 mmHg

Der leichte Schweregrad entspricht der früheren Kategorie „akute Lungenschädigung“ (ALI). Eine neuere, globale Definition erweitert die Kriterien: Ultraschall zum Nachweis beidseitiger Verschattungen, Einbeziehung von Patienten unter Sauerstoff mit hohem Fluss (mindestens 30 l/min) und ein Quotient aus Sauerstoffsättigung und FiO₂ von ≤ 315, sofern die Sättigung ≤ 97 % beträgt.

Ätiopathogenese

Sepsis und Pneumonie sind für etwa 60 % der ARDS-Fälle verantwortlich.

  • Direkte Lungenschädigung – häufig: Aspiration von Magensäure, Pneumonie.
  • Direkte Lungenschädigung – seltener: diffuse alveoläre Blutung, Lungenkontusion, Ertrinken, Fettembolie, Inhalation reizender Gase, Fruchtwasserembolie.
  • Indirekte Lungenschädigung – häufig: Sepsis, Trauma mit länger anhaltendem hypovolämischem Schock.
  • Indirekte Lungenschädigung – seltener: Pankreatitis, Verbrennungen, Vergiftungen (z. B. Kokain, Opioide, trizyklische Antidepressiva), neurogenes Lungenödem nach Schlaganfall, Krampfanfall oder Schädeltrauma, Präeklampsie.

Pathophysiologie: Die pulmonale oder systemische Entzündung setzt Zytokine frei, die Alveolarmakrophagen aktivieren und neutrophile Granulozyten in die Lunge locken. Diese setzen Leukotriene, Oxidanzien, plättchenaktivierenden Faktor und Proteasen frei und schädigen Kapillarendothel und Alveolarepithel. Ödemflüssigkeit, Eiweiß und Zelltrümmer gelangen in Alveolen und Interstitium, zerstören das Surfactant und führen zum Kollaps von Lufträumen, vor allem in den abhängigen Lungenabschnitten; Folgen sind Shunt, schwere Hypoxämie und pulmonale Hypertonie. Auf diese exsudative Phase folgt eine fibroproliferative Phase mit Proliferation des Alveolarepithels und Fibrose. Da geflutete oder kollabierte Alveolen kein Gas aufnehmen, bessert sich die Hypoxämie durch eine höhere inspiratorische Sauerstofffraktion nur wenig.

Klinik

  • Atemnot, Unruhe und Angst, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, vermehrtes Schwitzen
  • Verwirrtheit bis Bewusstseinsstörung; später Herzrhythmusstörungen und Koma
  • Diffuse inspiratorische Rasselgeräusche, mitunter basal betont
  • Zeichen der auslösenden Erkrankung, z. B. Sepsis, Pneumonie oder Pankreatitis

Diagnostik

  • Pulsoxymetrie und arterielle Blutgasanalyse: Nachweis und Schweregrad der Hypoxämie (PaO₂/FiO₂-Quotient).
  • Röntgen-Thorax: beidseitige Verschattungen; zu Beginn kann die Hypoxämie den Röntgenveränderungen vorausgehen.
  • Ursachensuche: pulmonale und extrapulmonale Auslöser (z. B. Pneumonie, Sepsis, Pankreatitis, Trauma, Aspiration).
  • Abgrenzung zum kardialen Lungenödem: Für ein ARDS ist das respiratorische Versagen nicht vollständig durch Herzversagen oder Flüssigkeitsüberladung erklärt; hierzu dient die Beurteilung der Herzfunktion, z. B. mittels Echokardiographie.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du ARDS (akutes Atemnotsyndrom) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Profi-Ausgabe: Akute hypoxämische respiratorische Insuffizienz (AHRF, ARDS)
  2. StatPearls: Acute Respiratory Distress Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.