Rhabdomyolyse
- Synonyme
- Muskelzerfall, Muskelauflösung, Crush-Syndrom, Myoglobinurie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
- Bilder
- Klinik 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Die Rhabdomyolyse ist ein klinisches Syndrom mit Zerfall von Skelettmuskelgewebe und Freisetzung von Myoglobin, Kreatinkinase (CK) und intrazellulären Elektrolyten ins Blut. Gefürchtet sind die akute Nierenschädigung durch Myoglobinurie und lebensbedrohliche Elektrolytstörungen.
Ätiopathogenese
Die normale Muskelfunktion setzt einen intakten Elektrolytaustausch, einen ausreichenden ATP-Stoffwechsel und eine intakte Zellmembran der Myozyten voraus. Wird einer dieser Prozesse gestört, zerfallen Muskelzellen; grundsätzlich kann jede Form der Muskelschädigung eine Rhabdomyolyse auslösen.
- Mechanisches Trauma und Ischämie: Quetschverletzungen (Crush), Stromunfälle, Krampfanfälle und Kompartmentsyndrom.
- Pharmaka, Drogen und Toxine: ausgelöst unter anderem durch Statine, Anxiolytika, Antipsychotika, Kokain, Amphetamine und Alkohol.
- Infektionen: zum Beispiel Influenza A und B, Coxsackie-Viren und Staphylococcus aureus.
- Seltenere Ursachen: Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypophosphatämie), diabetische Ketoazidose und hyperosmolare Hyperglykämie, genetische Muskelerkrankungen (z. B. Muskeldystrophie Duchenne oder Becker), extreme körperliche Belastung oder lange Immobilisation sowie extreme Körpertemperaturen (Hypothermie, Hitzschlag, malignes neuroleptisches Syndrom, maligne Hyperthermie).
Klinik
- Klassische Trias: Muskelschmerzen, Muskelschwäche und rotbrauner („teefarbener“) Urin; sie liegt jedoch bei weniger als 10 % der Betroffenen vollständig vor.
- Muskelbeschwerden: häufig fehlend; wenn vorhanden, betreffen sie proximale Muskelgruppen wie Schultern, Oberschenkel, unteren Rücken und Waden oder die direkt geschädigten Muskeln.
- Urinverfärbung: entsteht bei hoher Myoglobinkonzentration; wegen der raschen Ausscheidung schließt ein unauffälliger Urin eine Rhabdomyolyse nicht aus.
- Akute Nierenschädigung: in 15 bis 55 % der Fälle; wahrscheinlicher bei gleichzeitiger Dehydratation, Sepsis und einer CK über 15.000 U/l.
- Weitere Komplikationen: Hyperkaliämie mit Herzrhythmusstörungen, Kompartmentsyndrom und disseminierte intravasale Gerinnung.
- Begleitzeichen der Ursache: etwa Fieber bei Infektion oder Bewusstseinsstörung bei Intoxikation.
Diagnostik
- Kreatinkinase: Diagnosekriterium ist meist eine CK über dem Fünffachen der oberen Normgrenze (z. B. über 1000 U/l); ein fester Grenzwert ist nicht etabliert.
- Urin: Der Teststreifen ist positiv für Blut, obwohl im Sediment keine Erythrozyten nachweisbar sind (Myoglobinurie); Myoglobin im Urin bestätigt den Befund.
- Weitere Laborbefunde: rasch steigendes Kreatinin, Hyperkaliämie, Hyperurikämie, Hypo- oder Hyperkalzämie, Hyperphosphatämie, Laktatazidose und Thrombozytopenie.
- Anamnese: Trauma, Immobilisation, Anstrengung, Krampfanfälle, Medikamente, Drogen, Alkohol und Infektionen.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.