Refeeding-Syndrom

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Synonyme
Wiederernährungssyndrom, Refeeding, Realimentationssyndrom, Hypophosphatämie bei Wiederernährung
Fachgebiet
Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Das Refeeding-Syndrom bezeichnet die metabolischen und klinischen Störungen, die bei mangelernährten oder längere Zeit hungernden Menschen auftreten können, wenn die Nahrungszufuhr wieder aufgenommen wird – oral, über eine Sonde oder parenteral. Dazu gehören Elektrolytverschiebungen (vor allem Hypophosphatämie, Hypokaliämie und Hypomagnesiämie), Flüssigkeitsretention mit Überwässerung, Hyperglykämie, Herzrhythmusstörungen und Durchfälle.

Vorkommen & Epidemiologie

Gefährdet sind vor allem Menschen mit Protein-Energie-Mangelernährung, etwa bei Anorexia nervosa, chronischer Alkoholkrankheit, tumorbedingter Kachexie, schweren Schluckstörungen oder bei älteren, mehrfach erkrankten Menschen. Eine klinisch bedeutsame akute Hypophosphatämie tritt typischerweise bei der Wiederernährung nach längerer Mangelernährung, unter parenteraler Ernährung und bei akuter Alkoholkrankheit auf.

Ätiopathogenese

Im Hungerzustand sind die Gesamtkörperbestände an Phosphat, Kalium, Magnesium und Thiamin oft erschöpft, während die Serumwerte noch normal sein können. Mit der erneuten Kohlenhydratzufuhr steigt die Insulinausschüttung; Glukose, Phosphat und Kalium werden in die Zellen aufgenommen, zum Beispiel für die Glykogenbildung. Dadurch fallen die Serumspiegel teils abrupt ab. Da Thiamin für den Glukosestoffwechsel benötigt wird, kann eine Glukosezufuhr einen vorbestehenden Thiaminmangel demaskieren oder verstärken. Zugleich werden Natrium und Wasser zurückgehalten.

Risikofaktoren

Ein hohes Risiko besteht nach den Kriterien der britischen NICE-Leitlinie bei mindestens einem der folgenden Merkmale:

  • Body-Mass-Index unter 16 kg/m²
  • ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 15 % in den letzten 3 bis 6 Monaten
  • kaum oder keine Nahrungsaufnahme über mehr als 10 Tage
  • niedrige Kalium-, Phosphat- oder Magnesiumspiegel vor Beginn der Ernährung

Ebenso gilt ein hohes Risiko bei mindestens zwei der folgenden Merkmale:

  • Body-Mass-Index unter 18,5 kg/m²
  • ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den letzten 3 bis 6 Monaten
  • kaum oder keine Nahrungsaufnahme über mehr als 5 Tage
  • Alkoholmissbrauch oder bestimmte Medikamente in der Vorgeschichte

Klinik

  • Flüssigkeitshaushalt und Herz: Ödeme, Überwässerung bis zur Herzinsuffizienz sowie Herzrhythmusstörungen.
  • Hypophosphatämie: Muskelschwäche, respiratorische Insuffizienz, Herzinsuffizienz, Rhabdomyolyse, hämolytische Anämie, gestörte Funktion von Leukozyten und Thrombozyten sowie Enzephalopathie mit Krampfanfällen bis zum Koma.
  • Hypokaliämie und Hypomagnesiämie: Muskelschwäche, Tetanie und Herzrhythmusstörungen.
  • Thiaminmangel: Wernicke-Enzephalopathie mit Apathie, Nystagmus, Ataxie, Augenmuskelparesen und Bewusstseinsstörung.
  • Stoffwechsel und Darm: Hyperglykämie und Durchfälle.

Diagnostik

  • Risikoerkennung: Body-Mass-Index, ungewollter Gewichtsverlust in den letzten Monaten, Dauer der fehlenden oder geringen Nahrungsaufnahme, Alkoholanamnese und Begleiterkrankungen.
  • Labor: Phosphat, Kalium, Magnesium, Natrium, Glukose und Nierenwerte vor Beginn und nach Wiederaufnahme der Ernährung. Eine Hypophosphatämie liegt unter 0,81 mmol/l vor; leicht 0,65 bis 0,81, mittelschwer 0,32 bis 0,65 und schwer unter 0,32 mmol/l.
  • Klinische Zeichen: Gewichtsverlauf, Ödeme, Atemfrequenz, Puls und neurologische Auffälligkeiten.
  • EKG: bei Elektrolytstörungen und Herzrhythmusstörungen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Refeeding-Syndrom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Protein-Energy Undernutrition (PEU)
  2. MSD Manual Professional: Hypophosphatemia
  3. MSD Manual Professional: Thiamine Deficiency
  4. MSD Manual Professional: Hypokalemia
  5. MSD Manual Professional: Hypomagnesemia
  6. StatPearls: Refeeding Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.