Exsikkose (Dehydratation)
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- Austrocknung, Flüssigkeitsmangel, Wassermangel, Volumenmangel, Dehydratation, Dehydration
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
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- Klinik 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Definition
Als Exsikkose oder Dehydratation bezeichnet man einen Mangel an Körperwasser. Klinisch werden zwei Komponenten unterschieden, die oft gemeinsam auftreten: der Volumenmangel (Verlust von Natrium und damit von extrazellulärer Flüssigkeit) und der reine Wassermangel, der zu einer Hypernatriämie führt. Da Natriumverlust immer Wasserverlust nach sich zieht, kann das Serumnatrium bei Volumenmangel je nach Verhältnis der Verluste und der Trinkmenge erhöht, normal oder erniedrigt sein.
Einteilung
- Nach dem Serumnatrium: isotone, hypotone (hyponatriämische) und hypertone (hypernatriämische) Dehydratation.
- Leichter Volumenmangel (Verlust unter 5 % der extrazellulären Flüssigkeit): oft nur verminderter Hautturgor, Durst und Oligurie.
- Mittelschwerer Volumenmangel (5 bis 10 %): meist orthostatische Tachykardie, Hypotonie oder beides.
- Schwerer Volumenmangel (über 10 %): Schockzeichen wie Tachypnoe, Tachykardie, Hypotonie, Verwirrtheit und verlängerte Rekapillarisierungszeit.
Vorkommen & Epidemiologie
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, vor allem postoperativ, bei Sonden- oder parenteraler Ernährung und wenn sie beim Trinken auf Hilfe angewiesen sind. Bei ihnen kommen ein nachlassendes Durstempfinden und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit der Nieren hinzu. Gefährdet sind außerdem Menschen mit Bewusstseinsstörung oder Desorientierung, mit Durchfallerkrankungen sowie unter Saluretika.
Ätiopathogenese
- Unzureichende Trinkmenge: gestörter Durst, fehlender Zugang zu Wasser, Koma oder Desorientierung.
- Gastrointestinale Verluste: Erbrechen, Durchfall und Ableitung von Magensaft über eine Sonde.
- Verluste über die Haut: starkes Schwitzen, Fieber, Verbrennungen und großflächige Hautablösung.
- Verluste in einen „dritten Raum“: Darmlumen bei Ileus, Bauchhöhle oder Retroperitoneum.
- Renale Verluste: Saluretika, osmotische Diurese bei Glukosurie, Salzverlustnephropathien und die polyurische Erholungsphase nach akuter Nierenschädigung.
- Hormonelle Ursachen: Nebenniereninsuffizienz, Hypoaldosteronismus und Arginin-Vasopressin-Mangel.
- Blutverluste: gastrointestinale Blutung oder Trauma.
Klinik
Typisch sind Durst, trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor (am besten am Oberkörper zu prüfen), Oligurie sowie orthostatische Tachykardie und Hypotonie. Bei älteren Menschen ist der Hautturgor oft auch ohne Volumenmangel vermindert, trockene Schleimhäute finden sich auch bei Mundatmung; beide Zeichen sind daher unzuverlässig. Bei hypertoner Dehydratation stehen Durst und zentralnervöse Zeichen durch Schrumpfung der Hirnzellen im Vordergrund: Verwirrtheit, neuromuskuläre Übererregbarkeit, Krampfanfälle und Koma. Ein schwerer Volumenmangel führt zum Schock mit verminderter Organdurchblutung.
Diagnostik
- Klinische Diagnose: Anamnese (Trinkmenge, Verluste, Saluretika, Nieren- und Nebennierenerkrankungen) und körperliche Untersuchung. Ist das Körpergewicht unmittelbar vor und nach dem Flüssigkeitsverlust bekannt, gibt die Differenz den Verlust genau an.
- Serumwerte: Elektrolyte, Harnstoff und Kreatinin; das Verhältnis von Harnstoff-Stickstoff zu Kreatinin liegt oft über 20:1, der Hämatokrit steigt an.
- Urin: Bei funktionierenden Nieren ist das Urin-Natrium niedrig (unter 15 mmol/l), die fraktionelle Natriumausscheidung unter 1 % und die Urinosmolalität oft über 450 mosmol/kg.
- Fallstricke: Bei metabolischer Alkalose kann das Urin-Natrium hoch sein; dann zeigt ein Urin-Chlorid unter 10 mmol/l den Volumenmangel zuverlässiger an. Renale Verluste, Saluretika oder Nebenniereninsuffizienz führen zu einem irreführend hohen Urin-Natrium über 20 mmol/l.
- Sonografie: Die Beurteilung der Kollapsibilität der unteren Hohlvene kann bei unklarem Volumenstatus helfen.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.