Hyperkaliämie
Prüfungsrelevanz: in 5 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 69- Synonyme
- Kaliumüberschuss, hohes Kalium, zu viel Kalium im Blut, Pseudohyperkaliämie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
- Bilder
- EKG 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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EKG
EKGDefinition
Eine Hyperkaliämie liegt bei einer Serum-Kaliumkonzentration über 5,5 mmol/l vor. Sie entsteht meist durch eine verminderte renale Kaliumausscheidung oder eine Verschiebung von Kalium aus den Zellen in den Extrazellulärraum. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen, etwa eine eingeschränkte Nierenfunktion, kaliumretinierende Medikamente und eine vermehrte Kaliumzufuhr. Gefährlich ist vor allem die Wirkung auf das Erregungsleitungssystem des Herzens.
Ätiopathogenese
- Pseudohyperkaliämie: häufig; meist durch Hämolyse in der Blutprobe, außerdem durch langes Stauen, kräftigen Faustschluss bei der Blutentnahme, Thrombozytose oder extreme Leukozytose.
- Verminderte renale Ausscheidung: akute Nierenschädigung, chronische Nierenkrankheit (ohne zusätzliche Kaliumzufuhr meist erst bei einer GFR unter 10 bis 15 ml/min), renale tubuläre Azidose Typ 4, Harnwegsobstruktion, Hypoaldosteronismus, Nebenniereninsuffizienz und eine verminderte effektive Zirkulation.
- Arzneimittelinduziert: Medikamente, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System blockieren (ACE-Blocker, Angiotensin-Rezeptorblocker, Renin-Blocker), kaliumsparende harntreibende Mittel, NSAR, Trimethoprim und Lithium.
- Freisetzung aus Zellen: Gewebszerfall (Tumorlyse, intravasale Hämolyse, Rhabdomyolyse, Verbrennungen, Blutungen in Weichteile oder Magen-Darm-Trakt), metabolische Azidose, Insulinmangel bei Diabetes mellitus, Fasten, körperliche Anstrengung, Digitalis-Intoxikation, β-Rezeptorenblocker und die seltene hyperkaliämische periodische Paralyse.
- Vermehrte Zufuhr: meist iatrogen, etwa durch kaliumhaltige Lösungen, Blutprodukte oder parenterale Ernährung; bei normaler Nierenfunktion meist nur vorübergehend.
Klinik
Eine Hyperkaliämie verläuft meist symptomarm, bis Herzrhythmusstörungen auftreten. Möglich sind Muskelschwäche und gelegentlich eine schlaffe Lähmung; bei der hyperkaliämischen periodischen Paralyse kommt es während der Attacken zu Schwäche bis hin zur vollständigen Lähmung. Schwere Hyperkaliämien können in Kammerflimmern oder Asystolie übergehen. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischer Nierenkrankheit, akuter Nierenschädigung, fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder Harnwegsobstruktion sowie unter Medikamenten, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System blockieren.
Diagnostik
EKG
- Frühe Zeichen (oft schon ab 5,5 mmol/l): Verlängerung der PQ-Zeit, Verkürzung der QT-Zeit und hohe, spitze, symmetrische T-Wellen.
- Über 6,5 mmol/l: weitere Leitungsverzögerung mit Verbreiterung des QRS-Komplexes, Verschwinden der P-Welle sowie nodalen und ventrikulären Ersatzrhythmen.
- Endstadium: Der QRS-Komplex geht in eine sinusförmige Kurve über, es folgen Kammerflimmern oder Asystolie.
- Einschränkung: Die Kaliumwerte bei vergleichbaren EKG-Veränderungen unterscheiden sich zwischen Patienten stark.
Labor und Ursachensuche
- Serumkalium: oft Zufallsbefund bei Routinelaboruntersuchungen.
- Ausschluss einer Pseudohyperkaliämie: bei fehlenden Risikofaktoren und unauffälligem EKG erneute Bestimmung ohne Hämolyse (ausreichend großer Kanülendurchmesser, kurze Stauung, kein Faustschluss) mit rascher Verarbeitung der Probe.
- Ursachensuche: ausführliche Anamnese mit Medikamentenliste, Untersuchung mit Beurteilung des Volumenstatus, Elektrolyte, Harnstoff und Kreatinin.
- Bei Niereninsuffizienz: Sonografie der Nieren und Harnwege zum Ausschluss einer Obstruktion.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.