Hypokaliämie

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Synonyme
Kaliummangel, niedriges Kalium, zu wenig Kalium im Blut
Fachgebiet
Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
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EKG 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Hypokaliämie – 12-Kanal-EKG bei Hypokaliämie: abgeflachte T-Wellen, ST-Senkungen und prominente U-Wellen, besonders in V2–V4EKG
12-Kanal-EKG bei Hypokaliämie: abgeflachte T-Wellen, ST-Senkungen und prominente U-Wellen, besonders in V2–V4Bild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Hypokaliämie – EKG-Ausschnitt (V6): deutliche U-Welle direkt nach der T-WelleEKG
EKG-Ausschnitt (V6): deutliche U-Welle direkt nach der T-WelleBild: Bobjgalindo (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Eine Hypokaliämie liegt bei einer Serum-Kaliumkonzentration unter 3,5 mmol/l vor. Sie beruht entweder auf einem Mangel an Gesamtkörperkalium oder auf einer Verschiebung von Kalium in die Zellen. Häufigste Ursache sind vermehrte Verluste über die Nieren oder den Magen-Darm-Trakt; eine geringe Zufuhr allein ist selten verantwortlich.

Einteilung

  • Leicht (3,0 bis 3,4 mmol/l): verursacht selten Beschwerden.
  • Mittelschwer (2,5 bis 3,0 mmol/l): führt meist zu Muskelschwäche und kann Lähmungen und eine respiratorische Insuffizienz auslösen.
  • Schwer (unter 2,5 mmol/l): geht mit EKG-Veränderungen oder schweren Symptomen einher.

Ätiopathogenese

  • Gastrointestinale Verluste: chronische Durchfälle einschließlich Laxanzienmissbrauch, selten ein villöses Kolonadenom. Bei anhaltendem Erbrechen oder Magensonde geht Kalium vor allem über die Nieren verloren, weil metabolische Alkalose und volumenbedingte Aldosteron-Stimulation die renale Kaliumausscheidung steigern.
  • Renale Verluste durch Saluretika: mit Abstand die häufigste medikamentöse Ursache; auch die heimliche Einnahme von Saluretika oder Laxanzien ist eine häufige Ursache anhaltender Hypokaliämie, etwa bei starker Fixierung auf das Körpergewicht.
  • Aldosteron- und Mineralokortikoid-Exzess: primärer Hyperaldosteronismus, Cushing-Syndrom, reninbildende Tumoren, adrenogenitales Syndrom und Lakritzkonsum (Glykyrrhizin blockiert das Enzym 11β-HSD, sodass Kortisol wie Aldosteron wirkt).
  • Tubuläre Erkrankungen: Bartter- und Gitelman-Syndrom (Salzverlust bei normalem Blutdruck), Liddle-Syndrom (mit schwerer Hypertonie), renale tubuläre Azidosen und Fanconi-Syndrom.
  • Hypomagnesiämie: häufige Begleiterscheinung; sie steigert selbst die renalen Kaliumverluste.
  • Verschiebung in die Zellen: vermehrte Insulinausschüttung (z. B. nach Glukosezufuhr), β2-adrenerge Stimulation, Alkalose, Thyreotoxikose (hypokaliämische thyreotoxische periodische Paralyse) und die familiäre periodische Paralyse, deren Attacken oft durch kohlenhydratreiche Mahlzeiten oder schwere körperliche Anstrengung ausgelöst werden.

Klinik

  • Muskulatur: Schwäche, Krämpfe, Faszikulationen, Tetanie, Schwäche der Atemmuskulatur bis zur respiratorischen Insuffizienz und Rhabdomyolyse.
  • Magen-Darm-Trakt und Kreislauf: paralytischer Ileus und Hypotonie.
  • Niere: Eine anhaltende Hypokaliämie beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit; es kommt zu Polyurie mit sekundärer Polydipsie.
  • Herz: Extrasystolen, supraventrikuläre und ventrikuläre Tachyarrhythmien, AV-Blockierungen II. und III. Grades und schließlich Kammerflimmern. Bei vorbestehender Herzerkrankung oder Digitalis-Einnahme können Rhythmusstörungen schon bei leichter Hypokaliämie auftreten.

Diagnostik

EKG

Kardiale Effekte sind meist gering, solange das Kalium nicht unter etwa 3 mmol/l fällt. Typisch sind eine Senkung der ST-Strecke, eine Abflachung der T-Welle und eine Zunahme der U-Welle. Mit fortschreitender Hypokaliämie wird die T-Welle immer kleiner und die U-Welle immer größer; verschmelzen beide, kann eine QT-Verlängerung vorgetäuscht werden.

Labor und Ursachensuche

  • Serumkalium und Magnesium: Ausgangspunkt der Abklärung.
  • Anamnese: Die Ursache ergibt sich meist aus der Vorgeschichte, insbesondere der Medikamentenanamnese.
  • Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin: nach Ausschluss von Azidose und anderen Verschiebungsursachen. Werte unter 15 mmol/l sprechen für extrarenale (gastrointestinale) Verluste oder eine geringe Zufuhr, Werte über 15 mmol/l für renale Verluste.
  • Blutdruck als Wegweiser: Renaler Kaliumverlust mit Hypertonie weist auf einen aldosteronbildenden Tumor oder ein Liddle-Syndrom hin; bei normalem Blutdruck kommen Bartter- oder Gitelman-Syndrom infrage, häufiger jedoch Hypomagnesiämie, heimliches Erbrechen oder heimliche Einnahme von Saluretika.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hypokaliämie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Hypokalemia
  2. StatPearls: Hypokalemia

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.