Hypokaliämie
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- Kaliummangel, niedriges Kalium, zu wenig Kalium im Blut
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Elektrolyte & Säure-Basen
- Bilder
- EKG 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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EKG
EKGDefinition
Eine Hypokaliämie liegt bei einer Serum-Kaliumkonzentration unter 3,5 mmol/l vor. Sie beruht entweder auf einem Mangel an Gesamtkörperkalium oder auf einer Verschiebung von Kalium in die Zellen. Häufigste Ursache sind vermehrte Verluste über die Nieren oder den Magen-Darm-Trakt; eine geringe Zufuhr allein ist selten verantwortlich.
Einteilung
- Leicht (3,0 bis 3,4 mmol/l): verursacht selten Beschwerden.
- Mittelschwer (2,5 bis 3,0 mmol/l): führt meist zu Muskelschwäche und kann Lähmungen und eine respiratorische Insuffizienz auslösen.
- Schwer (unter 2,5 mmol/l): geht mit EKG-Veränderungen oder schweren Symptomen einher.
Ätiopathogenese
- Gastrointestinale Verluste: chronische Durchfälle einschließlich Laxanzienmissbrauch, selten ein villöses Kolonadenom. Bei anhaltendem Erbrechen oder Magensonde geht Kalium vor allem über die Nieren verloren, weil metabolische Alkalose und volumenbedingte Aldosteron-Stimulation die renale Kaliumausscheidung steigern.
- Renale Verluste durch Saluretika: mit Abstand die häufigste medikamentöse Ursache; auch die heimliche Einnahme von Saluretika oder Laxanzien ist eine häufige Ursache anhaltender Hypokaliämie, etwa bei starker Fixierung auf das Körpergewicht.
- Aldosteron- und Mineralokortikoid-Exzess: primärer Hyperaldosteronismus, Cushing-Syndrom, reninbildende Tumoren, adrenogenitales Syndrom und Lakritzkonsum (Glykyrrhizin blockiert das Enzym 11β-HSD, sodass Kortisol wie Aldosteron wirkt).
- Tubuläre Erkrankungen: Bartter- und Gitelman-Syndrom (Salzverlust bei normalem Blutdruck), Liddle-Syndrom (mit schwerer Hypertonie), renale tubuläre Azidosen und Fanconi-Syndrom.
- Hypomagnesiämie: häufige Begleiterscheinung; sie steigert selbst die renalen Kaliumverluste.
- Verschiebung in die Zellen: vermehrte Insulinausschüttung (z. B. nach Glukosezufuhr), β2-adrenerge Stimulation, Alkalose, Thyreotoxikose (hypokaliämische thyreotoxische periodische Paralyse) und die familiäre periodische Paralyse, deren Attacken oft durch kohlenhydratreiche Mahlzeiten oder schwere körperliche Anstrengung ausgelöst werden.
Klinik
- Muskulatur: Schwäche, Krämpfe, Faszikulationen, Tetanie, Schwäche der Atemmuskulatur bis zur respiratorischen Insuffizienz und Rhabdomyolyse.
- Magen-Darm-Trakt und Kreislauf: paralytischer Ileus und Hypotonie.
- Niere: Eine anhaltende Hypokaliämie beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit; es kommt zu Polyurie mit sekundärer Polydipsie.
- Herz: Extrasystolen, supraventrikuläre und ventrikuläre Tachyarrhythmien, AV-Blockierungen II. und III. Grades und schließlich Kammerflimmern. Bei vorbestehender Herzerkrankung oder Digitalis-Einnahme können Rhythmusstörungen schon bei leichter Hypokaliämie auftreten.
Diagnostik
EKG
Kardiale Effekte sind meist gering, solange das Kalium nicht unter etwa 3 mmol/l fällt. Typisch sind eine Senkung der ST-Strecke, eine Abflachung der T-Welle und eine Zunahme der U-Welle. Mit fortschreitender Hypokaliämie wird die T-Welle immer kleiner und die U-Welle immer größer; verschmelzen beide, kann eine QT-Verlängerung vorgetäuscht werden.
Labor und Ursachensuche
- Serumkalium und Magnesium: Ausgangspunkt der Abklärung.
- Anamnese: Die Ursache ergibt sich meist aus der Vorgeschichte, insbesondere der Medikamentenanamnese.
- Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin: nach Ausschluss von Azidose und anderen Verschiebungsursachen. Werte unter 15 mmol/l sprechen für extrarenale (gastrointestinale) Verluste oder eine geringe Zufuhr, Werte über 15 mmol/l für renale Verluste.
- Blutdruck als Wegweiser: Renaler Kaliumverlust mit Hypertonie weist auf einen aldosteronbildenden Tumor oder ein Liddle-Syndrom hin; bei normalem Blutdruck kommen Bartter- oder Gitelman-Syndrom infrage, häufiger jedoch Hypomagnesiämie, heimliches Erbrechen oder heimliche Einnahme von Saluretika.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.