Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
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- Sodbrennen, Reflux, Refluxösophagitis, Speiseröhrenentzündung, saures Aufstoßen, GERD, GÖRK, NERD
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
- Bilder
- Endoskopie 1 · Röntgen 1 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (3)
Endoskopie
Röntgen
HistologieDefinition
Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD, engl. gastro-oesophageal reflux disease) lässt ein insuffizienter unterer Ösophagussphinkter Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen und verursacht brennende Schmerzen. Anhaltender Reflux kann zu Ösophagitis und Striktur führen, selten zu Metaplasie (Barrett-Ösophagus) oder Karzinom.
Gastroösophagealer Reflux ist auch bei Säuglingen häufig, ist dort aber nicht immer krankhaft und nicht automatisch eine GERD.
Einteilung
Endoskopische Graduierung der Refluxösophagitis nach der Los-Angeles-Klassifikation:
- Grad A: ein oder mehrere Schleimhautdefekte ≤ 5 mm, die nicht über die Kuppen zweier Schleimhautfalten hinweggehen.
- Grad B: ein oder mehrere Schleimhautdefekte > 5 mm, die nicht über die Kuppen zweier Schleimhautfalten hinweggehen.
- Grad C: Schleimhautdefekte, die über mindestens zwei Falten hinweggehen, aber weniger als 75 % der Zirkumferenz umfassen.
- Grad D: Schleimhautdefekte über ≥ 75 % der Zirkumferenz.
Nach dem Lyon-Konsens gelten die Grade B, C und D als objektiver Nachweis einer GERD; bei unauffälliger Endoskopie oder nur Grad A ist eine erweiterte pH-Messung erforderlich.
Vorkommen & Epidemiologie
Die GERD ist häufig und betrifft weltweit etwa 13 % der Bevölkerung. Die Prävalenz schwankt regional und nimmt mit dem Alter zu. Bis zu etwa 94 % der Menschen mit GERD haben eine Hiatushernie unterschiedlichen Ausmaßes.
Ätiopathogenese
- Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters: durch einen generellen Verlust des Sphinktertonus oder durch wiederholte, unpassende transiente Relaxationen unabhängig vom Schluckakt. Transiente Relaxationen werden durch Magendehnung oder unterschwellige Reize im Rachen ausgelöst.
- Schutzfaktoren am Übergang: Winkel zwischen Speiseröhre und Kardia, Zwerchfellwirkung, Schwerkraft (aufrechte Haltung) und Lebensalter.
- Begünstigende Faktoren: Adipositas, Rauchen, fettreiche Speisen, koffeinhaltige oder kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol; genetische Veranlagung.
- Senkung des Sphinkterdrucks: durch bestimmte Medikamente, u. a. Anticholinergika, Histamin-H1-Rezeptor-Antagonisten, trizyklische Antidepressiva, Calciumkanalblocker, Progesteron, Nitrate.
- Entstehung der Ösophagitis: abhängig von der Aggressivität des Refluxats, der Fähigkeit der Speiseröhre, es zu beseitigen, dem Volumen des Mageninhalts und den lokalen Schutzmechanismen der Schleimhaut.
Klinik
- Leitsymptom: Sodbrennen, mit oder ohne Regurgitation von Mageninhalt in den Mund.
- Bei chronischer Aspiration: Husten, Heiserkeit, pfeifende Atmung.
- Ösophagitis: Odynophagie und Blutung, meist okkult, gelegentlich massiv; über längere Zeit Eisenmangelanämie.
- Peptische Striktur: langsam zunehmende Dysphagie für feste Speisen.
- Peptisches Ösophagusulkus: Schmerz wie beim Magen- oder Duodenalulkus, meist am Xiphoid oder hoch retrosternal lokalisiert; bildet sich nur langsam zurück, neigt zu Rezidiven und hinterlässt häufig eine Striktur.
- Komplikationen: Ösophagitis, Ösophagusulkus, Striktur, Barrett-Ösophagus und Adenokarzinom der Speiseröhre.
Diagnostik
- Anamnese: Eine genaue Anamnese weist auf die Diagnose hin; typische Beschwerden sind Sodbrennen und Regurgitation.
- Weitere Abklärung: bei fehlender Besserung, langjährigen Beschwerden, Hinweisen auf Komplikationen oder unklarer Abgrenzung zu anderen Erkrankungen.
- Endoskopie mit zytologischer Spülung und/oder Biopsie auffälliger Areale: bevorzugte Untersuchung; nur die Biopsie weist die zylinderzellige Schleimhaut des Barrett-Ösophagus zuverlässig nach.
- Erweiterte pH-Messung: bei unauffälliger Endoskopie und anhaltenden typischen Beschwerden; ohne laufende säurehemmende Medikamente.
- Röntgen-Breischluck: zeigt Ulzera und peptische Strikturen gut, ist bei leichter bis mäßiger Refluxkrankheit aber wenig hilfreich.
- Ösophagusmanometrie: beurteilt die Peristaltik der Speiseröhre.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.