Pulmonale Hypertonie

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Synonyme
Lungenhochdruck, PH, pulmonal-arterielle Hypertonie, PAH, CTEPH, Cor pulmonale
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Die pulmonale Hypertonie (PH) ist ein erhöhter Druck im Lungenkreislauf. Die Lungengefäße können verengt, rarefiziert, verloren gegangen oder verschlossen sein; eine schwere PH führt zu Druckbelastung und Versagen des rechten Ventrikels.

Hämodynamische Definition

  • Pulmonale Hypertonie: mittlerer pulmonalarterieller Druck (mPAP) über 20 mmHg in Ruhe; zuvor galt ein Grenzwert von mindestens 25 mmHg.
  • Präkapilläre PH: mPAP über 20 mmHg, pulmonalarterieller Verschlussdruck (PAWP) bis 15 mmHg und pulmonalvaskulärer Widerstand (PVR) über 2 Wood-Einheiten.
  • Isoliert postkapilläre PH: mPAP über 20 mmHg, PAWP über 15 mmHg, PVR bis 2 Wood-Einheiten, z. B. bei Linksherzerkrankung.
  • Kombiniert prä- und postkapilläre PH: mPAP über 20 mmHg, PAWP über 15 mmHg und PVR über 2 Wood-Einheiten.

Einteilung

Klinische Klassifikation (5 Gruppen)

  • Gruppe 1 – pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH): idiopathisch, hereditär (z. B. BMPR2), durch Medikamente und Toxine, assoziiert mit angeborenen Herzfehlern, Kollagenosen, HIV-Infektion, portaler Hypertension oder Schistosomiasis; pulmonale veno-okklusive Erkrankung; persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen.
  • Gruppe 2 – PH bei Linksherzerkrankung: diastolische Dysfunktion einschließlich Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, systolische Dysfunktion, Klappenerkrankungen, Ein- oder Ausflussbehinderungen.
  • Gruppe 3 – PH bei Lungenerkrankung und/oder Hypoxie: COPD, interstitielle Lungenerkrankung, schlafbezogene Atmungsstörungen, chronischer Aufenthalt in großer Höhe.
  • Gruppe 4 – PH durch Obstruktion der Pulmonalarterien: chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH), nicht-thrombotische Embolien (z. B. Tumor, Parasiten).
  • Gruppe 5 – unklare oder multifaktorielle Mechanismen: hämatologische Erkrankungen (chronisch-hämolytische Anämie, Sichelzellkrankheit, myeloproliferative Erkrankungen, Splenektomie), Sarkoidose, Stoffwechselerkrankungen, chronische Nierenerkrankung, fibrosierende Mediastinitis.

Ätiopathogenese

  • Häufigste Ursachen insgesamt: Linksherzinsuffizienz einschließlich diastolischer Dysfunktion und Lungenparenchymerkrankungen mit Hypoxie; weitere sind Schlafapnoe, systemische rheumatische Erkrankungen und rezidivierende Lungenembolien.
  • Genetik: Mutationen im BMPR2-Gen verursachen etwa 75 % der hereditären PAH (autosomal-dominant mit unvollständiger Penetranz); andere Gene (z. B. ALK-1, CAV1, ENG, KCNK3, SMAD9, TBX4) sind deutlich seltener.
  • Auslösende Substanzen: bestimmte Appetitzügler, Amphetamine und Methamphetamine sowie einzelne Proteinkinase-blockierende Krebsmedikamente sind gesichert mit einer PAH verbunden.
  • Erhöhter pulmonalvaskulärer Widerstand: Vasokonstriktion (vermehrte Wirkung von Thromboxan und Endothelin-1, verminderte von Prostazyklin und Stickstoffmonoxid), Proliferation von Endothel und glatter Muskulatur, Entzündung und Umbau der Gefäßwand, lokale Gerinnungsaktivierung.
  • Erhöhter pulmonalvenöser Druck: bei Erkrankungen des linken Herzens, am häufigsten bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion.
  • Erhöhter Lungendurchfluss: bei angeborenen Shuntvitien wie Vorhof- und Ventrikelseptumdefekt oder offenem Ductus arteriosus.
  • Folgen: Rechtsherzhypertrophie, später Dilatation und Rechtsherzversagen mit eingeschränktem Herzzeitvolumen unter Belastung.

Klinik

  • Fortschreitende Belastungsdyspnoe und rasche Ermüdbarkeit bei fast allen Patienten.
  • Atypische Brustbeschwerden sowie Schwindel oder Präsynkope unter Belastung deuten auf eine schwerere Erkrankung hin.
  • Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz in fortgeschrittenen Stadien: rechtsventrikuläre Hebung, weit gespaltener zweiter Herzton mit betontem Pulmonalanteil, pulmonaler Ejektionsklick, rechtsventrikulärer dritter Herzton, Geräusch einer Trikuspidalinsuffizienz, Halsvenenstauung.
  • Leberstauung und periphere Ödeme als häufige Spätzeichen; die Lungenauskultation ist meist unauffällig.

Diagnostik

  • Röntgen-Thorax: erweiterte Hilusgefäße mit raschem Kalibersprung zur Peripherie, rechter Ventrikel füllt in der Seitaufnahme den Retrosternalraum aus.
  • EKG: Rechtsachsenabweichung, R größer als S in V1, S1Q3T3-Muster (Rechtsherzhypertrophie), spitze P-Wellen in II (Vorhofdilatation rechts).
  • Transthorakale Doppler-Echokardiographie: rechtsventrikuläre Funktion und systolischer Pulmonalarteriendruck; Nachweis einer ursächlichen Linksherzerkrankung.
  • Ursachensuche: Lungenfunktion mit Diffusionskapazität, V/Q-Szintigraphie oder CT-Angiographie (thromboembolische Erkrankung), hochauflösende CT, Autoantikörper, Polysomnographie, HIV-Test, Leberwerte, Blutbild.
  • Rechtsherzkatheter: sichert die Diagnose und den Schweregrad; mittlerer pulmonalarterieller Druck über 20 mmHg, pulmonalarterieller Verschlussdruck bis 15 mmHg und pulmonalvaskulärer Widerstand über 2 Wood-Einheiten kennzeichnen eine PAH; Sauerstoffsättigungen rechtsseitig zum Ausschluss eines Links-rechts-Shunts.
  • Schweregrad: 6-Minuten-Gehstrecke sowie NT-proBNP bzw. BNP; Zeichen der rechtsventrikulären systolischen Dysfunktion in der Echokardiographie.
  • Familienanamnese und genetische Testung (z. B. BMPR2) bei hereditärer oder idiopathischer PAH.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Pulmonale Hypertonie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Pulmonary Hypertension
  2. StatPearls: Pulmonary Hypertension
  3. Updated Clinical Classification and Hemodynamic Definitions of Pulmonary Hypertension, J Cardiovasc Dev Dis 2024

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.