Perikarderguss und Herzbeuteltamponade
Prüfungsrelevanz: in 5 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 69- Synonyme
- Herzbeutelerguss, Perikardtamponade, Herztamponade, Wasser im Herzbeutel, Hämoperikard
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Bilder
- Röntgen 1 · EKG 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Röntgen
EKGDefinition
Ein Perikarderguss ist eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel. Die Herzbeuteltamponade liegt vor, wenn ein mittelgroßer oder großer Erguss die Füllung des Herzens behindert; es folgen ein niedriges Herzzeitvolumen und mitunter Schock und Tod. Die Tamponade ist in erster Linie eine klinische Diagnose.
Einteilung
- Nach Zusammensetzung: serös (eventuell mit Fibrinfäden), serosanguinös, Blut (Hämoperikard), Eiter, Chylus.
- Nach Verteilung: frei oder gekammert; gekammerte Ergüsse und umschriebene Hämatome können eine lokalisierte Tamponade nur einzelner Herzhöhlen verursachen.
- Kleiner Erguss: echokardiographisch unter 1 cm bzw. etwa 100 ml.
Ätiopathogenese
- Wie bei der Perikarditis: Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Urämie, Postinfarkt- und Postperikardiotomie-Syndrom, Tumoren, Hypothyreose (auch Cholesterinperikarditis), radiogen.
- Großer chronischer Erguss: am häufigsten durch Metastasen, v. a. von Lungen- und Mammakarzinom, Sarkomen, Melanom, Leukämie oder Lymphom.
- Hämoperikard: Thoraxtrauma, iatrogene Verletzung (Herzkatheter, Schrittmacheranlage, zentraler Venenkatheter), Ruptur eines thorakalen Aortenaneurysmas, Herzwandruptur nach Myokardinfarkt (meist 1–10 Tage nach dem Infarkt).
- Pathophysiologie: Das Perikard kann sich nur langsam dehnen. Sammelt sich Flüssigkeit (meist Blut) rasch an, können schon etwa 150 ml eine Tamponade auslösen; bei langsamer Zunahme werden bis zu 1500 ml ohne Tamponade toleriert.
Klinik
- Perikarderguss: oft schmerzlos und beschwerdefrei, auch bei großer Menge, wenn er sich über Monate entwickelt; leise Herztöne, vergrößerte Herzdämpfung; bei großen Ergüssen abgeschwächtes Atemgeräusch und Rasselgeräusche links basal (unterhalb der linken Skapula). Puls, Halsvenen und Blutdruck bleiben normal, solange keine Tamponade besteht.
- Tamponade: Bild ähnlich dem kardiogenen Schock mit niedrigem Herzzeitvolumen, Hypotonie, Tachykardie und Dyspnoe, aber deutlich gestauten Halsvenen; leise Herztöne, außer bei kleinem Erguss.
- Pulsus paradoxus: bei schwerer Tamponade fast immer inspiratorischer Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 10 mmHg; in fortgeschrittenen Fällen verschwindet der Puls bei Inspiration.
- Das Kussmaul-Zeichen fehlt bei der Tamponade.
Diagnostik
- Echokardiographie: bestätigt den Erguss und schätzt seine Größe; Hinweise auf eine Tamponade sind übermäßige atemabhängige Schwankungen der transvalvulären und venösen Flüsse, Eindellung oder Kollaps der rechten Herzhöhlen sowie eine gestaute untere Hohlvene (Durchmesserabnahme unter 50 % bei tiefer Inspiration).
- EKG: häufig verminderte QRS-Amplitude bei meist erhaltenem Sinusrhythmus; bei großen chronischen Ergüssen elektrischer Alternans durch das „schwingende Herz“. Niedervoltage und Alternans sind für die Tamponade weder sensitiv noch spezifisch.
- Röntgen-Thorax: vergrößerte Herzsilhouette.
- CT und Kardio-MRT: Erguss oft als Zufallsbefund in der CT (Größe wird eher überschätzt); Nachweis von Metastasen.
- Rechtsherzkatheter bei unklarer Tamponade: diastolische Drücke in allen Herzhöhlen und der Pulmonalarterie erhöht (etwa 10–30 mmHg) und angeglichen; in der Vorhofdruckkurve erhaltener x-, aber fehlender y-Abfall; kein frühdiastolischer Dip.
- Ergussanalyse: Zytologie und Kultur einschließlich säurefester Stäbchen; andere Laborwerte des Ergusses sind meist unspezifisch.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Vorhofflimmern
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
- Ventrikuläre Tachykardie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.