Perikarderguss und Herzbeuteltamponade

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Synonyme
Herzbeutelerguss, Perikardtamponade, Herztamponade, Wasser im Herzbeutel, Hämoperikard
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Bilder
Röntgen 1 · EKG 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Perikarderguss und Herzbeuteltamponade – Röntgen-Thorax: verbreiterter, bocksbeutelförmiger Herzschatten bei PerikardergussRöntgen
Röntgen-Thorax: verbreiterter, bocksbeutelförmiger Herzschatten bei PerikardergussBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Perikarderguss und Herzbeuteltamponade – EKG: Elektrischer Alternans bei großem PerikardergussEKG
Elektrischer Alternans bei großem PerikardergussBild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Definition

Ein Perikarderguss ist eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel. Die Herzbeuteltamponade liegt vor, wenn ein mittelgroßer oder großer Erguss die Füllung des Herzens behindert; es folgen ein niedriges Herzzeitvolumen und mitunter Schock und Tod. Die Tamponade ist in erster Linie eine klinische Diagnose.

Einteilung

  • Nach Zusammensetzung: serös (eventuell mit Fibrinfäden), serosanguinös, Blut (Hämoperikard), Eiter, Chylus.
  • Nach Verteilung: frei oder gekammert; gekammerte Ergüsse und umschriebene Hämatome können eine lokalisierte Tamponade nur einzelner Herzhöhlen verursachen.
  • Kleiner Erguss: echokardiographisch unter 1 cm bzw. etwa 100 ml.

Ätiopathogenese

  • Wie bei der Perikarditis: Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Urämie, Postinfarkt- und Postperikardiotomie-Syndrom, Tumoren, Hypothyreose (auch Cholesterinperikarditis), radiogen.
  • Großer chronischer Erguss: am häufigsten durch Metastasen, v. a. von Lungen- und Mammakarzinom, Sarkomen, Melanom, Leukämie oder Lymphom.
  • Hämoperikard: Thoraxtrauma, iatrogene Verletzung (Herzkatheter, Schrittmacheranlage, zentraler Venenkatheter), Ruptur eines thorakalen Aortenaneurysmas, Herzwandruptur nach Myokardinfarkt (meist 1–10 Tage nach dem Infarkt).
  • Pathophysiologie: Das Perikard kann sich nur langsam dehnen. Sammelt sich Flüssigkeit (meist Blut) rasch an, können schon etwa 150 ml eine Tamponade auslösen; bei langsamer Zunahme werden bis zu 1500 ml ohne Tamponade toleriert.

Klinik

  • Perikarderguss: oft schmerzlos und beschwerdefrei, auch bei großer Menge, wenn er sich über Monate entwickelt; leise Herztöne, vergrößerte Herzdämpfung; bei großen Ergüssen abgeschwächtes Atemgeräusch und Rasselgeräusche links basal (unterhalb der linken Skapula). Puls, Halsvenen und Blutdruck bleiben normal, solange keine Tamponade besteht.
  • Tamponade: Bild ähnlich dem kardiogenen Schock mit niedrigem Herzzeitvolumen, Hypotonie, Tachykardie und Dyspnoe, aber deutlich gestauten Halsvenen; leise Herztöne, außer bei kleinem Erguss.
  • Pulsus paradoxus: bei schwerer Tamponade fast immer inspiratorischer Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 10 mmHg; in fortgeschrittenen Fällen verschwindet der Puls bei Inspiration.
  • Das Kussmaul-Zeichen fehlt bei der Tamponade.

Diagnostik

  • Echokardiographie: bestätigt den Erguss und schätzt seine Größe; Hinweise auf eine Tamponade sind übermäßige atemabhängige Schwankungen der transvalvulären und venösen Flüsse, Eindellung oder Kollaps der rechten Herzhöhlen sowie eine gestaute untere Hohlvene (Durchmesserabnahme unter 50 % bei tiefer Inspiration).
  • EKG: häufig verminderte QRS-Amplitude bei meist erhaltenem Sinusrhythmus; bei großen chronischen Ergüssen elektrischer Alternans durch das „schwingende Herz“. Niedervoltage und Alternans sind für die Tamponade weder sensitiv noch spezifisch.
  • Röntgen-Thorax: vergrößerte Herzsilhouette.
  • CT und Kardio-MRT: Erguss oft als Zufallsbefund in der CT (Größe wird eher überschätzt); Nachweis von Metastasen.
  • Rechtsherzkatheter bei unklarer Tamponade: diastolische Drücke in allen Herzhöhlen und der Pulmonalarterie erhöht (etwa 10–30 mmHg) und angeglichen; in der Vorhofdruckkurve erhaltener x-, aber fehlender y-Abfall; kein frühdiastolischer Dip.
  • Ergussanalyse: Zytologie und Kultur einschließlich säurefester Stäbchen; andere Laborwerte des Ergusses sind meist unspezifisch.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Perikarderguss und Herzbeuteltamponade mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Pericarditis
  2. MSD Manual Professional: Cardiac Tamponade
  3. StatPearls: Pericardial Effusion
  4. StatPearls: Cardiac Tamponade

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.