Obstruktive Schlafapnoe
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- Schlafapnoe, OSAS, OSA, Atemaussetzer im Schlaf, Schnarchen mit Atempausen
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Die obstruktive Schlafapnoe besteht aus wiederholten Episoden eines teilweisen oder vollständigen Verschlusses der oberen Atemwege im Schlaf. Sie führen zu Apnoen oder Hypopnoen, gefolgt von Weckreaktionen (Arousals) und vertiefter Atmung (Hyperpnoe). Typische Beschwerden sind Tagesschläfrigkeit, unruhiger Schlaf, Schnarchen, wiederholtes Erwachen und morgendliche Kopfschmerzen.
Vorkommen & Epidemiologie
Die obstruktive Schlafapnoe ist weit verbreitet; weltweit sind schätzungsweise 1 Milliarde Menschen betroffen, die meisten davon nicht diagnostiziert. Eine symptomatische obstruktive Schlafapnoe findet sich bei 8–16 % der Erwachsenen. Männer sind bis zu viermal, Menschen mit Adipositas (BMI ≥ 30) siebenmal häufiger betroffen; ein Drittel der Patienten ist jedoch weder übergewichtig noch adipös. Die Häufigkeit steigt mit der Verbreitung der Adipositas.
Ätiopathogenese
- Anatomische Risikofaktoren: enger Mund-Rachen-Raum mit kurzem oder zurückliegendem Unterkiefer, prominenter Zungengrund oder große Tonsillen, runde Kopfform und kurzer Hals, Halsumfang über 43 cm bei Männern bzw. über 41 cm bei Frauen, dicke seitliche Pharynxwände und parapharyngeale Fettpolster.
- Weitere Risikofaktoren: Zustand nach der Menopause, Alter, Übergewicht und Adipositas, Alkohol oder Sedativa.
- Begünstigende Erkrankungen: nächtlicher gastroösophagealer Reflux, Akromegalie, Hypothyreose, früherer Schlaganfall.
- Familiäre Häufung: bei 25–40 % der Erwachsenen findet sich eine positive Familienanamnese (polygene Faktoren).
Pathophysiologie: Der Schlaf destabilisiert die Durchgängigkeit der oberen Atemwege, sodass Nasopharynx und/oder Oropharynx wiederholt teilweise oder vollständig kollabieren. Beitragen kann die nächtliche Umverteilung von Ödemflüssigkeit in den Hals im Liegen. Die Apnoen und Hypopnoen führen zu Hypoxie und Hyperkapnie und fragmentieren den Schlaf durch Weckreaktionen aus dem NREM- und REM-Schlaf. Atemanstrengungen gegen die verschlossenen Atemwege erzeugen starke intrathorakale Druckschwankungen, die die Herzleistung beeinträchtigen; hinzu kommen Endothel- und Neurotransmitterstörungen.
Klinik
- Lautes, störendes Schnarchen (bei 85 % der Patienten; die meisten Schnarcher haben aber keine Schlafapnoe)
- Würgen, Keuchen oder Schnauben im Schlaf, unruhiger und nicht erholsamer Schlaf, Durchschlafstörungen; nächtliche Symptome werden oft erst vom Bettpartner bemerkt
- Morgendliche Halsschmerzen, Mundtrockenheit oder Kopfschmerzen
- Tagesschläfrigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche; nicht alle Patienten sind schläfrig
- Befund: Hinweise auf Nasenobstruktion, Tonsillenhypertrophie und Auffälligkeiten des Rachens, Einstufung mit dem modifizierten Mallampati-Score
Folgen und Begleiterkrankungen: arterielle Hypertonie (eng assoziiert), Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen, Schlaganfall sowie ein erhöhtes Unfallrisiko, z. B. im Straßenverkehr.
Weitere Folgen
- Metabolische Folgen: Erhöhtes Risiko für Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes.
- Psychische Folgen: Depression, Angststörungen.
Diagnostik
- Anamnese und Fragebögen: Angaben von Bettpartnern sind hilfreich. STOP-BANG, Berliner Fragebogen und Epworth-Schläfrigkeitsskala dienen der Risikoabschätzung, haben aber eine geringe Spezifität; STOP-BANG und Berliner Fragebogen sind spezifischer als die Epworth-Skala und haben einen guten negativen Vorhersagewert.
- Diagnosekriterien: Tages- und/oder Nachtsymptome zusammen mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von ≥ 5 pro Stunde, ohne Symptome von ≥ 15 pro Stunde. Ein AHI ≥ 15 entspricht mindestens einer mittelschweren Schlafapnoe.
- Polysomnographie im Schlaflabor: Goldstandard; erfasst Schlafstadien (EEG, Elektrookulographie, Kinn-EMG), Atemfluss an Nase und Mund, Atemanstrengung über Brust- und Bauchsensoren, Sauerstoffsättigung, EKG, Beinbewegungen, Körperlage und Video.
- Heimschlaftest (Polygraphie): wenige Kanäle (Herzfrequenz, Pulsoxymetrie, Atemanstrengung, Lage, nasaler Atemfluss); kann die Atemstörung unterschätzen, ein negatives Ergebnis bei Symptomen erfordert eine Polysomnographie.
- TSH: nur bei klinischem Verdacht auf Hypothyreose.
AHI und Schweregrade
Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ist die Zahl der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf. Nach den Bewertungsregeln der American Academy of Sleep Medicine gilt beim Erwachsenen:
- Apnoe: Abfall des Atemflusssignals um ≥ 90 % für ≥ 10 Sekunden.
- Hypopnoe: Abfall um ≥ 30 % für ≥ 10 Sekunden mit einem Abfall der Sauerstoffsättigung um ≥ 3 % oder einer Weckreaktion (Arousal).
- Schweregrade: leicht AHI 5 bis unter 15, mittelschwer 15–30, schwer über 30 pro Stunde.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Obstruktive Schlafapnoe
- AWMF-Leitlinienregister 063-001: Schlafbezogene Atmungsstörungen
- StatPearls: Obstructive Sleep Apnea
- Berry RB et al.: Rules for Scoring Respiratory Events in Sleep – Update of the 2007 AASM Manual (PMC3459210)
- MSD Manual Professional Edition: Obstructive Sleep Apnea (OSA)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.