Nosokomiale Pneumonie (HAP/VAP)
Prüfungsrelevanz: in 1 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 181- Synonyme
- Krankenhauspneumonie, HAP, VAP, beatmungsassoziierte Pneumonie, Krankenhauslungenentzündung
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- Makropräparat 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Makropräparat
MakropräparatDefinition
Die nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) Pneumonie (hospital-acquired pneumonia, HAP) entwickelt sich mindestens 48 Stunden nach der Aufnahme ins Krankenhaus und befand sich bei der Aufnahme noch nicht in Inkubation. Die postoperative Pneumonie gehört dazu.
Die VAP ist eine Untergruppe der im Krankenhaus erworbenen Pneumonie: Sie entsteht mindestens 48 Stunden nach Einlage eines Endotrachealtubus oder innerhalb von 48 Stunden nach der Extubation. Bei ihr treten häufiger Erreger mit eingeschränkter Empfindlichkeit gegenüber Antiinfektiva auf.
Vorkommen & Epidemiologie
Die VAP tritt bei 9–27 % der Patienten auf, die über einen Endotrachealtubus maschinell unterstützt atmen. Das Risiko ist in den ersten zehn Tagen nach Einlage des Tubus am höchsten.
Ätiopathogenese
Entstehung: Häufigste Ursache ist die Mikroaspiration von Bakterien, die bei schwer kranken Patienten Oropharynx, obere Atemwege und teilweise den oberen Gastrointestinaltrakt besiedeln. Seltener gelangen Erreger über eine Bakteriämie oder kontaminierte Aerosole (z. B. mit Legionellen, Aspergillus oder Influenzaviren) in die Lunge. Ein Endotrachealtubus durchbricht die Abwehr der Atemwege, behindert Abhusten und mukoziliäre Clearance und erleichtert die Aspiration von Sekret oberhalb der Tubusblockung; auf dem Tubus bilden Bakterien einen schützenden Biofilm.
Erreger: vor allem gramnegative Stäbchen (Pseudomonas aeruginosa, Enterobacter, Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli, Serratia, Proteus, Acinetobacter) und Staphylococcus aureus einschließlich MRSA. Bei Pneumonien innerhalb von 4–7 Tagen nach Aufnahme überwiegen methicillinsensible S. aureus, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae; mit zunehmender Liegedauer werden P. aeruginosa, MRSA und gramnegative Darmbakterien häufiger. Anaerobier spielen keine wesentliche Rolle. Das Erregerspektrum unterscheidet sich zwischen Einrichtungen deutlich.
Risikofaktoren: höheres Alter, Bewusstseinstrübung, Aspiration, vorausgegangene Antiinfektiva, erhöhter pH-Wert im Magen, Herz-, Lungen-, Leber- oder Niereninsuffizienz; für die postoperative Pneumonie Alter über 70 Jahre und eine Wundregion im Oberbauch oder Thorax. Chronisch-eitrige Lungenerkrankungen wie Mukoviszidose und Bronchiektasen begünstigen gramnegative Erreger.
Hinweise auf Problemerreger bei VAP: parenterale Antiinfektiva-Exposition in den letzten 90 Tagen, septischer Schock zum Zeitpunkt der VAP, ein vorausgehendes ARDS und ein Krankenhausaufenthalt von mindestens 5 Tagen vor Auftreten der VAP.
Klinik
- Ohne Endotrachealtubus ähnlich wie bei der ambulant erworbenen Pneumonie: Unwohlsein, Fieber, Schüttelfrost, Husten, Atemnot und Thoraxschmerzen
- Mit Endotrachealtubus: Fieber, Anstieg von Atem- oder Herzfrequenz, Zunahme eitriger Sekrete, Verschlechterung der Hypoxämie
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich meist auf ein neues Lungeninfiltrat im Röntgen-Thorax oder in der CT zusammen mit klinischen Infektionszeichen: erneutes Fieber, eitriges Sputum, Leukozytose und verschlechterte Oxygenierung. Kein Symptom und kein Röntgenbefund ist allein ausreichend sensitiv oder spezifisch.
- Sputum bzw. Trachealsekret: Gram-Färbung und semiquantitative Kultur.
- Bronchoskopisch gewonnene Proben aus den unteren Atemwegen mit quantitativer Kultur: unterscheiden zuverlässiger zwischen Kolonisation und Infektion.
- Blutkulturen: relativ spezifisch, wenn ein Atemwegserreger wächst, aber wenig sensitiv.
- Pleurapunktat: Bei Pleuraerguss ist der kulturelle Erregernachweis aus der Pleuraflüssigkeit die einzige Methode, die Pneumonie und Erreger zuverlässig belegt.
- Molekulare Tests: erfassen Erreger und genetische Marker verminderter Empfindlichkeit in Atemwegssekreten.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.