Myelodysplastische Syndrome (MDS)
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- Myelodysplasie, myelodysplastische Neoplasie, Präleukämie, 5q-Syndrom, MDS-IB
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 3
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind klonale Erkrankungen der hämatopoetischen Stammzelle mit ineffektiver und dysplastischer Blutbildung. Kennzeichnend sind periphere Zytopenien, morphologische Dysplasiezeichen der Vorläuferzellen und ein hyper- oder hypozelluläres Knochenmark. Die aktuelle WHO-Klassifikation (5. Auflage, 2022) spricht von myelodysplastischen Neoplasien und betont damit den neoplastischen Charakter. Nach WHO 2022 liegt der Blastenanteil unter 20 %; ab 20 % Blasten liegt eine akute myeloische Leukämie (AML) vor. Die International Consensus Classification (ICC 2022) ordnet Fälle mit 10–19 % Blasten dagegen der eigenen Kategorie MDS/AML zu. Ein Teil der MDS geht in eine AML über.
Einteilung
Die WHO-Klassifikation 2022 unterscheidet MDS mit definierenden genetischen Veränderungen von morphologisch definierten Formen:
- MDS mit wenig Blasten und isolierter 5q-Deletion (MDS-5q): Blasten < 5 % im Knochenmark und < 2 % im Blut
- MDS mit wenig Blasten und SF3B1-Mutation: alternativ ≥ 15 % Ringsideroblasten
- MDS mit biallelischer TP53-Inaktivierung
- MDS mit wenig Blasten (MDS-LB)
- Hypoplastisches MDS (MDS-h): Knochenmarkzellularität ≤ 25 % (altersadjustiert)
- MDS mit vermehrten Blasten: MDS-IB1 mit 5–9 % Blasten im Knochenmark bzw. 2–4 % im Blut; MDS-IB2 mit 10–19 % im Knochenmark bzw. 5–19 % im Blut oder Auer-Stäbchen
Ätiopathogenese
Die Ursache ist meist unbekannt. Mit dem Alter sammeln sich somatische Mutationen an, die einem Stammzellklon einen Wachstumsvorteil verschaffen; am häufigsten betroffen sind Gene des RNA-Spleißens. Als Risikofaktoren gelten Benzol, ionisierende Strahlung und frühere zytostatische Medikamente, besonders Alkylanzien und Topoisomerase-Gifte. Chromosomenveränderungen sind häufig, oft unter Beteiligung der Chromosomen 5 oder 7. Die ineffektive Hämatopoese führt zu Anämie, Neutropenie und Thrombozytopenie; bei chronischer Anämie entwickelt sich häufig eine Eisenüberladung.
Klinik
Die Beschwerden richten sich nach der am stärksten betroffenen Zellreihe:
- Anämie: Blässe, Schwäche, Müdigkeit
- Neutropenie: Fieber und gehäufte Infektionen
- Thrombozytopenie: Hämatome, Petechien, Nasenbluten und Schleimhautblutungen
- Hepato- und Splenomegalie durch extramedulläre Blutbildung sind nicht selten.
- Im Verlauf kann sich eine Myelofibrose entwickeln oder eine AML entstehen.
Das 5q-Syndrom betrifft vorwiegend Frauen und zeigt typischerweise eine makrozytäre Anämie mit Thrombozytose.
Diagnostik
- Blutbild: Anämie als häufigster Befund, meist makrozytär mit erhöhtem MCV und erhöhter Erythrozytenverteilungsbreite (RDW); Leukozyten normal, erhöht oder erniedrigt; meist Thrombozytopenie.
- Blutausstrich: hypogranulierte Neutrophile, Pseudo-Pelger-Huët-Zellen (hyposegmentierte Neutrophile), Thrombozyten unterschiedlicher Größe.
- Knochenmarkaspiration und -biopsie: Dysplasiezeichen; der WHO-Schwellenwert für Dysplasie liegt bei 10 % der Zellen einer Reihe. Ringsideroblasten in der Eisenfärbung.
- Zytogenetik und Mutationsanalyse: sichern die Diagnose und ordnen das MDS ein (z. B. 5q-Deletion, SF3B1, TP53).
- Ausschluss anderer Ursachen einer Zytopenie: Vitamin-B12- und Folsäuremangel, Kupfermangel, aplastische Anämie, paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie, Autoimmunerkrankungen und medikamentöse Ursachen.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- MSD Manual Professional: Myelodysplastic Syndromes (MDS)
- Khoury et al., Leukemia 2022: WHO-Klassifikation (5. Aufl.), myeloische Neoplasien (PMC-Volltext)
- MSD Manual Professional: Overview of Leukemia
- Arber et al., Blood 2022: International Consensus Classification (ICC) myeloischer Neoplasien und akuter Leukämien (PMC-Volltext)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
- Anämie (Einteilung und Abklärung)
- Hämolytische Anämien
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Eisenmangelanämie
- Non-Hodgkin-Lymphome
- Vitamin-B12-Mangel und perniziöse Anämie
- Multiples Myelom (Plasmozytom)
- Paraneoplastische Syndrome
- Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
- Febrile Neutropenie
- Immunthrombozytopenie (ITP)
- Renale Anämie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.