Morbus Waldenström

Synonyme
Makroglobulinämie Waldenström, Waldenström-Krankheit, lymphoplasmozytisches Lymphom, IgM-Gammopathie, Hyperviskositätssyndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Der Morbus Waldenström (Makroglobulinämie) ist ein lymphoplasmozytisches Lymphom mit Infiltration des Knochenmarks und Bildung eines monoklonalen IgM-Paraproteins. Klinisch ähnelt die Erkrankung eher einem indolenten Lymphom als dem multiplen Myelom; Osteolysen fehlen in der Regel. Nach dem Myelom ist sie die zweithäufigste maligne Erkrankung mit monoklonaler Gammopathie.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Erkrankung ist selten. Das mediane Alter bei Diagnose liegt bei etwa 70 Jahren; Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Ätiopathogenese

Die Ursache ist unbekannt. Kennzeichnende Mutation ist MYD88 L265P bei über 90 % der lymphoplasmozytischen Lymphome; CXCR4-Mutationen finden sich bei bis zu etwa 40 %. Häufig geht eine IgM-MGUS voraus. Das große IgM-Pentamer erhöht die Plasmaviskosität; ein Teil der IgM-Paraproteine wirkt als Rheumafaktor oder Kälteagglutinin, etwa 10 % sind Kryoglobuline. Eine Amyloidose tritt bei etwa 5 % auf.

Klinik

  • Viele Betroffene sind beschwerdefrei; Diagnose oft als Zufallsbefund einer IgM-Gammopathie.
  • Anämie mit Müdigkeit und Schwäche.
  • Hyperviskositätssyndrom: Müdigkeit, Haut- und Schleimhautblutungen, Sehstörungen, Kopfschmerzen, periphere Neuropathie und wechselnde neurologische Ausfälle; durch das vermehrte Plasmavolumen ggf. Herzinsuffizienz.
  • Fundus: wurstförmig gestaute, segmental verengte Netzhautvenen; später Netzhautblutungen, Exsudate, Mikroaneurysmen und Papillenödem.
  • Lymphknotenschwellung, Hepatosplenomegalie, Purpura.
  • Kälteempfindlichkeit, Raynaud-Syndrom, wiederkehrende bakterielle Infektionen.

Diagnostik

  • Eiweißdiagnostik: Serumelektrophorese mit Nachweis eines M-Proteins, Immunfixation (IgM, im Urin häufig monoklonale Leichtketten, meist kappa), quantitative Immunglobuline (normale Immunglobuline bei der Hälfte vermindert), freie Leichtketten.
  • Blutbild: mäßige normozytäre, normochrome Anämie, ausgeprägte Geldrollenbildung, stark erhöhte BSG; gelegentlich Leukopenie, relative Lymphozytose, Thrombozytopenie.
  • Kryoglobuline, Rheumafaktor, Kälteagglutinine, direkter Coombs-Test, Gerinnungsdiagnostik; Kälteagglutinine und Kryoglobuline können Routinewerte verfälschen.
  • Plasmaviskosität: bei Hyperviskosität meist > 4,0 mPa·s (normal 1,4–1,8); ergänzend Fluoreszenzangiographie der Netzhaut.
  • Knochenmarkuntersuchung: Vermehrung von Plasmazellen, Lymphozyten, plasmazytoiden Lymphozyten und Mastzellen; Nachweis von MYD88- und CXCR4-Mutationen. Lymphknotenbiopsie, wenn das Knochenmark unauffällig ist.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Morbus Waldenström mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Macroglobulinemia
  2. Alaggio et al., Leukemia 2022: WHO-Klassifikation (5. Aufl.), lymphatische Neoplasien (PMC-Volltext)
  3. Clin Exp Med 2026: Monoclonal gammopathies, MGUS, SMM and multiple myeloma (PMC-Volltext)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.