Morbus Waldenström
- Synonyme
- Makroglobulinämie Waldenström, Waldenström-Krankheit, lymphoplasmozytisches Lymphom, IgM-Gammopathie, Hyperviskositätssyndrom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Der Morbus Waldenström (Makroglobulinämie) ist ein lymphoplasmozytisches Lymphom mit Infiltration des Knochenmarks und Bildung eines monoklonalen IgM-Paraproteins. Klinisch ähnelt die Erkrankung eher einem indolenten Lymphom als dem multiplen Myelom; Osteolysen fehlen in der Regel. Nach dem Myelom ist sie die zweithäufigste maligne Erkrankung mit monoklonaler Gammopathie.
Vorkommen & Epidemiologie
Die Erkrankung ist selten. Das mediane Alter bei Diagnose liegt bei etwa 70 Jahren; Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Ätiopathogenese
Die Ursache ist unbekannt. Kennzeichnende Mutation ist MYD88 L265P bei über 90 % der lymphoplasmozytischen Lymphome; CXCR4-Mutationen finden sich bei bis zu etwa 40 %. Häufig geht eine IgM-MGUS voraus. Das große IgM-Pentamer erhöht die Plasmaviskosität; ein Teil der IgM-Paraproteine wirkt als Rheumafaktor oder Kälteagglutinin, etwa 10 % sind Kryoglobuline. Eine Amyloidose tritt bei etwa 5 % auf.
Klinik
- Viele Betroffene sind beschwerdefrei; Diagnose oft als Zufallsbefund einer IgM-Gammopathie.
- Anämie mit Müdigkeit und Schwäche.
- Hyperviskositätssyndrom: Müdigkeit, Haut- und Schleimhautblutungen, Sehstörungen, Kopfschmerzen, periphere Neuropathie und wechselnde neurologische Ausfälle; durch das vermehrte Plasmavolumen ggf. Herzinsuffizienz.
- Fundus: wurstförmig gestaute, segmental verengte Netzhautvenen; später Netzhautblutungen, Exsudate, Mikroaneurysmen und Papillenödem.
- Lymphknotenschwellung, Hepatosplenomegalie, Purpura.
- Kälteempfindlichkeit, Raynaud-Syndrom, wiederkehrende bakterielle Infektionen.
Diagnostik
- Eiweißdiagnostik: Serumelektrophorese mit Nachweis eines M-Proteins, Immunfixation (IgM, im Urin häufig monoklonale Leichtketten, meist kappa), quantitative Immunglobuline (normale Immunglobuline bei der Hälfte vermindert), freie Leichtketten.
- Blutbild: mäßige normozytäre, normochrome Anämie, ausgeprägte Geldrollenbildung, stark erhöhte BSG; gelegentlich Leukopenie, relative Lymphozytose, Thrombozytopenie.
- Kryoglobuline, Rheumafaktor, Kälteagglutinine, direkter Coombs-Test, Gerinnungsdiagnostik; Kälteagglutinine und Kryoglobuline können Routinewerte verfälschen.
- Plasmaviskosität: bei Hyperviskosität meist > 4,0 mPa·s (normal 1,4–1,8); ergänzend Fluoreszenzangiographie der Netzhaut.
- Knochenmarkuntersuchung: Vermehrung von Plasmazellen, Lymphozyten, plasmazytoiden Lymphozyten und Mastzellen; Nachweis von MYD88- und CXCR4-Mutationen. Lymphknotenbiopsie, wenn das Knochenmark unauffällig ist.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.