Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen

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Synonyme
Lungenfibrose, IPF, ILD, interstitielle Lungenerkrankung, Lungenvernarbung, UIP
Fachgebiet
Innere Medizin · Pneumologie
Bilder
CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Histologie
  8. Diagnostik
  9. Weiterlernen in der App
  10. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  11. Querverweise

Bilder (3)

Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen – CT-Bild: HRCT bei idiopathischer Lungenfibrose: subpleural und basal betonte Retikulation mit Honigwabenmuster und Traktionsbronchiektasen (UIP-Muster)CT
HRCT bei idiopathischer Lungenfibrose: subpleural und basal betonte Retikulation mit Honigwabenmuster und Traktionsbronchiektasen (UIP-Muster)Bild: IPFeditor (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle · bearbeitet (verkleinert, zugeschnitten)
Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen – Histologie (HE): gewöhnliche interstitielle Pneumonie (UIP) – fleckiges Nebeneinander von normalen Alveolen, Fibrose und EntzündungHistologie
Histologie (HE): gewöhnliche interstitielle Pneumonie (UIP) – fleckiges Nebeneinander von normalen Alveolen, Fibrose und EntzündungBild: Yale Rosen (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen – Makropräparat: Schnittfläche der Lunge: Honigwabenlunge mit zahlreichen zystischen Räumen zwischen derben Fibrosesträngen, basal betontMakropräparat
Schnittfläche der Lunge: Honigwabenlunge mit zahlreichen zystischen Räumen zwischen derben Fibrosesträngen, basal betontBild: Yale Rosen from USA (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 2.0 · Quelle
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Definition

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD, diffuse parenchymatöse Lungenerkrankungen) sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, deren pathologische Prozesse primär das Interstitium der Lunge betreffen und sich auf Alveolen, Bronchiolen und Bronchien ausbreiten. Kennzeichnend sind eine diffuse Verdickung der Alveolarsepten, Fibroblastenproliferation und Kollagenablagerung, unbehindert fortschreitend bis zur Lungenfibrose.

Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine fibrosierende Erkrankung unbekannter Ursache mit dem histologischen Muster der gewöhnlichen interstitiellen Pneumonie (UIP); sie macht die meisten Fälle idiopathischer interstitieller Pneumonien aus.

Einteilung

Unterschieden werden u. a. akute und chronische, granulomatöse und nicht-granulomatöse Formen sowie Erkrankungen bekannter und unbekannter Ursache:

  • Systemische rheumatische Erkrankungen: z. B. rheumatoide Arthritis, systemische Sklerose, Sjögren-Syndrom, systemischer Lupus erythematodes, Myositiden (besonders Antisynthetase-Syndrom), Mischkollagenose.
  • Iatrogen und toxisch: zahlreiche Medikamente, darunter Zytostatika und Antiarrhythmika, sowie Drogen wie Kokain.
  • Berufs- und Umweltbelastungen: anorganische Stäube (Asbestose, Silikose, Berylliose, Kohlenbergarbeiter-Pneumokoniose, Hartmetalle) und organische Antigene (exogen-allergische Alveolitis).
  • Idiopathische interstitielle Pneumonien: IPF, nicht-spezifische interstitielle Pneumonie, kryptogen organisierende Pneumonie, desquamative interstitielle Pneumonie, akute interstitielle Pneumonie, lymphoide interstitielle Pneumonie, pleuroparenchymale Fibroelastose.
  • Weitere: Sarkoidose, Vaskulitiden, eosinophile Pneumonien, pulmonale Langerhans-Zell-Histiozytose, Lymphangioleiomyomatose, pulmonale alveoläre Proteinose, genetische Syndrome wie das Hermansky-Pudlak-Syndrom.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Prävalenz interstitieller Lungenerkrankungen wird in Europa und den USA auf etwa 75 pro 100.000 Menschen geschätzt, mit leichter männlicher Prädominanz; höheres Alter, besonders über 70 Jahre, ist ein Risikofaktor. Die IPF betrifft Menschen über 50 Jahre, Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen, mit deutlich steigender Inzidenz in jedem weiteren Lebensjahrzehnt.

Ätiopathogenese

Bei der IPF schädigen wiederholte kleine Verletzungen alveoläre Epithelzellen, die bereits zur Seneszenz neigen. Umweltfaktoren (vor allem aktuelles oder früheres Rauchen), genetische Faktoren und weitere, unbekannte Einflüsse führen zu einer Fehlfunktion des Epithels und zu überschießender Fibroproliferation. Eine genetische Prädisposition durch Varianten des Muzin-Gens MUC5B findet sich in etwa 30–35 % der Fälle. Diskutiert werden außerdem Veränderungen des Lungenmikrobioms und berufliche Expositionen gegenüber Dämpfen.

Klinik

  • Über Monate bis Jahre zunehmende Belastungsdyspnoe und unproduktiver Husten bei nahezu allen Patienten mit IPF; Allgemeinsymptome wie leichtes Fieber und Myalgien sind selten
  • Feines, trockenes inspiratorisches „Knisterrasseln“ an beiden Lungenbasen (Sklerosiphonie, Klettverschluss-Rasselgeräusche)
  • Trommelschlegelfinger bei etwa der Hälfte der Patienten, mitunter Akrozyanose
  • Im Verlauf Zeichen der pulmonalen Hypertonie und der rechtsventrikulären Funktionsstörung

Histologie

Das UIP-Muster zeigt eine subpleurale Fibrose mit Fibroblastenherden und dichter Narbenbildung im Wechsel mit Arealen normalen Lungenparenchyms (Heterogenität), eine diffus verteilte interstitielle Entzündung mit Lymphozyten, Plasmazellen und Histiozyten sowie einen zystischen Umbau (Wabenlunge), der mit dem Fortschreiten zunimmt.

Diagnostik

  • Röntgen-Thorax: diffuse retikuläre Zeichnung in den unteren und peripheren Lungenabschnitten; bei fortgeschrittener Fibrose kleine zystische Läsionen (Honigwaben) und Traktionsbronchiektasen.
  • HRCT: für die Diagnose der IPF erforderlich; typisch sind fleckige, pleuranahe retikuläre Veränderungen mit verdickten Interlobärsepten, subpleurale Honigwaben und Traktionsbronchiektasen. Ausgeprägte Milchglastrübungen, Knötchen oder Mosaikmuster mit Air Trapping sprechen für eine andere Diagnose.
  • Lungenfunktion: restriktives Muster; die Diffusionskapazität ist bei fast allen Patienten mit IPF vermindert; Belastungshypoxämie.
  • Labor: spielt eine geringe Rolle, außer zum Ausschluss systemischer rheumatischer Erkrankungen.
  • Lungenbiopsie: bei weiterhin unklarer Diagnose nach der Erstuntersuchung.

HRCT-Muster UIP und NSIP

Die internationale Leitlinie (ATS/ERS/JRS/ALAT) teilt die HRCT-Befunde in vier Kategorien ein: UIP-Muster, wahrscheinliches UIP-Muster, unbestimmt für UIP und Befunde, die eher für eine andere Diagnose sprechen.

  • UIP-Muster: subpleural und basal betont, oft heterogen (normales Lungengewebe neben Fibrose); Honigwaben mit oder ohne Traktionsbronchiektasen bzw. -bronchiolektasen, meist mit retikulärem Muster und leichten Milchglastrübungen.
  • Wahrscheinliches UIP-Muster: ebenfalls subpleural und basal betont; retikuläres Muster mit Traktionsbronchiektasen bzw. -bronchiolektasen, ohne Aussparung der subpleuralen Zone.
  • Hinweis auf eine NSIP: peribronchovaskulär betonte Veränderungen mit Aussparung der subpleuralen Zone.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Profi-Ausgabe: Interstitielle Lungenerkrankungen
  2. MSD Manual Profi-Ausgabe: Idiopathische pulmonale Fibrose
  3. StatPearls: Idiopathic Pulmonary Fibrosis
  4. Raghu G et al.: Idiopathic Pulmonary Fibrosis (an Update) and Progressive Pulmonary Fibrosis in Adults – ATS/ERS/JRS/ALAT-Leitlinie 2022 (PMC9851481)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.