Lungenabszess
- Synonyme
- Lungeneiterung, Abszess der Lunge, Aspirationsabszess, Lungengangrän
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- Schema 1 · CT 1 · Röntgen 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (4)
Schema
CT
Röntgen
MakropräparatDefinition
Ein Lungenabszess ist eine nekrotisierende Lungeninfektion mit einer abgegrenzten, eitergefüllten Höhle. Er entsteht meist nach Aspiration von Mundsekret bei Menschen mit Aspirationsneigung und beginnt schleichend. Abszesse können sich aus einer nekrotisierenden Pneumonie oder einer Lungengangrän entwickeln.
Ätiopathogenese
- Aspiration von Mundsekret (häufigste Ursache): bei Gingivitis oder schlechter Mundhygiene, meist zusammen mit Bewusstseinsstörung durch Alkohol, Drogen, Narkose, Beruhigungsmittel oder Opioide; außerdem bei älteren Menschen und Schluckstörungen, oft infolge neurologischer Erkrankungen.
- Endobronchiale Obstruktion: z. B. durch Bronchialkarzinom oder Fremdkörper.
- Immunsuppression: z. B. bei fortgeschrittener HIV-Infektion oder nach Organtransplantation.
- Hämatogene Aussaat (seltener): septische Embolien, z. B. bei Drogenkonsum, Lemierre-Syndrom oder rechtsseitiger Endokarditis; meist akut und mit multiplen Abszessen.
- Direkte Ausbreitung: aus einem Empyem, einem subphrenischen oder mediastinalen Abszess.
Erreger: Bei Aspiration überwiegen Anaerobier (Peptostreptococcus, Fusobacterium, Prevotella, Bacteroides); in etwa der Hälfte der Fälle sind Anaerobier und Aerobier gemeinsam beteiligt. Häufige aerobe Erreger sind Streptokokken und Staphylokokken (manchmal MRSA), gelegentlich gramnegative Bakterien wie Klebsiella. Bei Immunsupprimierten kommen Pseudomonas aeruginosa und andere gramnegative Erreger, Nocardia, Mykobakterien und Pilze hinzu; selten Amöben, Echinokokken oder Paragonimus.
Pathogenese: Die Entzündungsreaktion führt über ein bis zwei Wochen zur Gewebenekrose und Abszessbildung. Meist entleert sich der Abszess in einen Bronchus; zurück bleibt eine luft- und flüssigkeitsgefüllte Höhle.
Klinik
- Anaerob oder gemischt: meist chronisch über Wochen bis Monate mit produktivem Husten, Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß und Gewichtsverlust; eitriges oder blutig tingiertes, faulig riechendes und schmeckendes Sputum, Mundgeruch; Hämoptysen, pleuritische Schmerzen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit; Trommelschlegelfinger möglich.
- Aerobe Erreger: akuterer Verlauf über Stunden bis Tage, ähnlich einer bakteriellen Pneumonie.
- Mykobakterien oder Nocardia: kein fauliges Sekret, subakuter Verlauf, eher in nicht abhängigen Lungenabschnitten.
- Befund: unspezifisch wie bei Pneumonie – Konsolidierungszeichen, Temperatur ≥ 38 °C, Rasselgeräusche; meist Zeichen einer Parodontalerkrankung und ein Aspirationsrisiko in der Vorgeschichte.
- Komplikationen: Empyem in etwa 10 % der Fälle durch direkte Ausbreitung oder bronchopleurale Fistel.
Diagnostik
- Röntgen-Thorax: Bei Aspiration typischerweise Konsolidierung mit einer einzelnen Höhle und Luft-Flüssigkeits-Spiegel in den im Liegen abhängigen Lungenabschnitten (hinteres Oberlappensegment, oberes oder laterobasales Unterlappensegment). Embolische Prozesse verursachen eher multiple Höhlen.
- CT-Thorax: wenn eine Höhle im Röntgenbild nicht eindeutig ist, und bei Verdacht auf eine verlegende Raumforderung.
- Mikrobiologie: Gram-Färbung und Kultur von Sputum und Blut, bei klinischem Verdacht Kulturen auf Pilze und Mykobakterien; bei Erguss Gram-Färbung und Kultur der Pleuraflüssigkeit.
- Bronchoskopie: zum Ausschluss eines Karzinoms oder Fremdkörpers, zum Nachweis ungewöhnlicher Erreger sowie bei Immunsupprimierten.
- Echokardiographie: bei multiplen Abszessen zur Suche nach einer infektiösen Endokarditis.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.