Konstriktive Perikarditis

Synonyme
Pericarditis constrictiva, Panzerherz, Pericarditis calcarea, Perikardkonstriktion, Konstriktion
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Die konstriktive Perikarditis ist eine ausgeprägte entzündlich-fibröse Verdickung und Versteifung des Perikards, oft mit Kalkeinlagerungen; viszerales und parietales Blatt können miteinander oder mit dem Myokard verwachsen. Das starre Perikard behindert die Füllung der Ventrikel, Schlagvolumen und Herzzeitvolumen sinken. Die systolische Funktion bleibt meist erhalten.

Einteilung

  • Subakute (frühe) Konstriktion: Wochen bis Monate nach einem auslösenden Ereignis.
  • Transiente Konstriktion: bildet sich wieder zurück; meist infektiös, nach Perikardiotomie oder idiopathisch.
  • Chronische Konstriktion: dauerhafte fibrotisch-verkalkte Form.
  • Effusiv-konstriktive Perikarditis: Konstriktion durch das viszerale Perikard mit relevantem Erguss; nach Ablassen des Ergusses bleibt eine konstriktive Hämodynamik bestehen.

Ätiopathogenese

  • Länder mit hohem Versorgungsstandard: ähnliche Ursachen wie bei der akuten Perikarditis – idiopathisch bzw. viral, frühere Perikardiotomie, frühere Strahlenexposition des Thorax.
  • Weltweit: tuberkulöse Perikarditis als häufigste Ursache.
  • Weitere: eitrige Perikarditis, systemische rheumatische Erkrankungen, Hämoperikard; manche Fälle entstehen ohne vorausgehende akute Perikarditis.
  • Pathophysiologie: Die diastolischen Drücke in Ventrikeln, Vorhöfen und Venen gleichen sich weitgehend an. Die systemvenöse Stauung führt zu Transsudation mit Ödemen und später Aszites; chronisch erhöhter Lebervenendruck kann eine kardiale Zirrhose verursachen. Rhythmusstörungen, besonders Vorhofflimmern, sind häufig.

Klinik

  • Zeichen der peripheren venösen Stauung: periphere Ödeme, gestaute Halsvenen, Hepatomegalie, später Aszites; manche Patienten werden zunächst wegen einer Leberzirrhose abgeklärt
  • Kussmaul-Zeichen: Anstieg des Venendrucks bei Inspiration (fehlt bei der Tamponade)
  • Perikardton (pericardial knock): frühdiastolischer Extraton, oft am besten in Inspiration hörbar
  • Belastungsdyspnoe und Orthopnoe; ausgeprägte Müdigkeit
  • Pulsus paradoxus selten und schwächer als bei der Tamponade; Lunge meist ohne Stauung
  • gelegentlich Pleuraerguss, Vorhofflimmern

Diagnostik

  • Echokardiographie: inspiratorischer Abfall der Mitraleinstromgeschwindigkeit meist über 25 %; verstärkter inspiratorischer Trikuspidaleinstrom; erhöhte Gewebedopplergeschwindigkeit e' am Mitralanulus, besonders septal – ist die septale e' höher als die laterale (Annulus reversus), spricht das sehr spezifisch für eine Konstriktion; atemabhängige Septumverschiebung; exspiratorische diastolische Flussumkehr in den Lebervenen; gestaute Hohlvene. Septumverschiebung kombiniert mit erhöhter medialer e' oder Lebervenen-Flussumkehr erreicht eine Sensitivität von 87 % und Spezifität von 91 % (Mayo-Kriterien).
  • Herzkatheter (rechts und links): pulmonalarterieller Verschlussdruck, diastolischer Pulmonalarteriendruck, rechtsventrikulärer enddiastolischer Druck und mittlerer Vorhofdruck etwa gleich bei 10–30 mmHg; betonte x- und y-Abfälle; „Dip-Plateau“ (Quadratwurzelzeichen) der Ventrikeldruckkurve; gegenläufige atemabhängige Veränderung der systolischen Drücke beider Ventrikel.
  • CT und MRT: Perikardverdickung über 4 mm mit typischer Hämodynamik bestätigt die Diagnose; eine normale Perikarddicke schließt sie nicht aus. Die MRT beurteilt zusätzlich Entzündungsaktivität und Hämodynamik.
  • EKG: meist Niedervoltage, unspezifische T-Wellen-Veränderungen, Vorhofflimmern bei einem Teil der Patienten.
  • Röntgen-Thorax: Perikardverkalkung, am besten in der seitlichen Aufnahme (unspezifisch).

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Konstriktive Perikarditis mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Pericarditis
  2. StatPearls: Constrictive Pericarditis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.