Kammerflimmern und plötzlicher Herztod
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- VF, Kammerflattern, Herzstillstand, Kreislaufstillstand, Sekundenherztod, plötzlicher Herztod, SCD, Herzstillstand beim Sport
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Plötzlicher Herztod
- Junge Sportlerinnen und Sportler (bis 35 Jahre): Am häufigsten ist ein plötzlicher Tod ohne strukturellen Befund in der Autopsie, oft durch eine vererbte Rhythmusstörung wie Long-QT- oder Brugada-Syndrom. Weitere Ursachen sind hypertrophe Kardiomyopathie, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, Koronaranomalien, Myokarditis, WPW-Syndrom, katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie und Commotio cordis.
- Ältere Sportlerinnen und Sportler (über 35 Jahre): überwiegend koronare Herzkrankheit, gelegentlich hypertrophe Kardiomyopathie oder Herzklappenerkrankungen
- Männliche Sportler sind bis zu zehnmal häufiger betroffen als weibliche.
Kammerflimmern ist eine ungeordnete, flimmernde Aktivität der Kammern ohne wirksame Kontraktion. Es führt sofort zur Bewusstlosigkeit und innerhalb von Minuten zum Tod, wenn es anhält. Elektrophysiologisch liegt ein Reentry vieler kleiner Erregungswellen zugrunde. Ein plötzlicher Herzstillstand ist das unerwartete Erliegen des Kreislaufs kurz nach Beginn von Symptomen, oft ohne Vorwarnung.
Vorkommen & Epidemiologie
Früher war Kammerflimmern bei etwa 75 % der Kreislaufstillstände der erste dokumentierte Rhythmus, in neueren Daten bei etwa 40 %. Da Kammerflimmern mit der Zeit in eine Asystolie übergeht, unterschätzt dieser Anteil die tatsächliche Bedeutung. Bei Säuglingen und Kindern ist Kammerflimmern viel seltener; dort steht die Asystolie im Vordergrund.
Ätiopathogenese
Die meisten Betroffenen haben eine zugrunde liegende Herzerkrankung, typischerweise eine ischämische Kardiomyopathie, aber auch hypertrophe oder dilatative Kardiomyopathien und andere arrhythmogene Erkrankungen. Beim Erwachsenen geht der plötzliche Herzstillstand überwiegend auf akute Koronarsyndrome und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück; oft ist er die erste Manifestation einer Herzerkrankung. Bei Kindern und Jugendlichen sind Ionenkanalerkrankungen und strukturelle Herzfehler die häufigsten Ursachen.
Elektrolytstörungen, Azidose, Hypoxämie und Ischämie erhöhen bei jeder Grunderkrankung das Risiko. Wird trotz umfassender Diagnostik keine Ursache gefunden, spricht man von idiopathischem Kammerflimmern; vermutlich liegt bei einem Teil eine noch unbekannte genetische Störung vor.
Klinik
Kammerflimmern führt zum sofortigen Bewusstseinsverlust mit Pulslosigkeit und fehlender normaler Atmung. Vorausgehen können Brustschmerz, Palpitationen, Dyspnoe oder Synkopen; häufig fehlt jede Vorwarnung.
Diagnostik
- EKG: ultraschnelle, in Zeitabstand und Form unregelmäßige Undulationen der Grundlinie ohne abgrenzbare QRS-Komplexe
- Ursachensuche nach überlebtem Ereignis: Untersuchung auf koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien und Ionenkanalerkrankungen mit EKG, Bildgebung (Echokardiographie, Kardio-MRT, Koronarangiographie) und Provokationstests
- Genetische Diagnostik bei Verdacht auf Ionenkanalerkrankung oder nicht-ischämische Kardiomyopathie, ggf. mit Kaskadentestung von Angehörigen; Familienangehörige werden bei Symptomen mit EKG, Belastungstest und Echokardiographie untersucht.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Vorhofflimmern
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
- Ventrikuläre Tachykardie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.