Infektiöse Gastroenteritis und Reisediarrhö

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Synonyme
Magen-Darm-Grippe, Brechdurchfall, Durchfallerkrankung, Reisedurchfall, Norovirus, Rotavirus, Lebensmittelvergiftung, Campylobacter-Enteritis, Salmonellose
Fachgebiet
Innere Medizin · Gastroenterologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Die Gastroenteritis ist eine Entzündung der Schleimhaut von Magen, Dünn- und Dickdarm. Die meisten Fälle sind infektiös, ausgelöst durch Viren, Bakterien oder Parasiten; seltener entsteht sie nach Aufnahme von Medikamenten oder chemischen Giftstoffen. Die Übertragung erfolgt über Lebensmittel, Wasser, von Mensch zu Mensch oder gelegentlich von Tieren. Die meisten Episoden verlaufen selbstlimitierend.

Die Reisediarrhö ist eine Gastroenteritis bei Reisenden, meist verursacht durch Bakterien, die im örtlichen Wasser vorkommen.

Einteilung

Nach dem Mechanismus:

  • viral: Viren befallen die Enterozyten der Dünndarmzotten; Flüssigkeit und Elektrolyte treten ins Darmlumen über, nicht resorbierte Kohlenhydrate verstärken den Durchfall osmotisch; wässriger Durchfall, Blut und Leukozyten im Stuhl selten
  • enterotoxinbedingt: z. B. Vibrio cholerae und enterotoxinbildende E. coli haften an der Schleimhaut, ohne einzudringen; ihre Toxine stimulieren die Adenylatzyklase und führen zu wässrigem Durchfall
  • durch vorgebildete Toxine in Lebensmitteln: z. B. Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens; Übelkeit, Erbrechen und Durchfall innerhalb von 12 Stunden, Abklingen innerhalb von 36 Stunden
  • invasiv: z. B. Shigellen, Salmonellen, Campylobacter, C. difficile, manche E.-coli-Typen; Ulzerationen, Blutung und eiweißreiches Exsudat, Leukozyten und Erythrozyten im Stuhl

Für die Stuhldiagnostik werden akute wässrige, subakute bzw. chronische wässrige und akute entzündliche Durchfälle unterschieden.

Vorkommen & Epidemiologie

Weltweit sterben schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen pro Jahr an infektiöser Gastroenteritis. In den USA erkrankt jedes Jahr etwa jeder Sechste an einer lebensmittelbedingten Infektion. Viren sind in den USA die häufigste Ursache, vor allem Noroviren und Rotaviren:

  • Norovirus: häufigste Ursache sporadischer und epidemischer viraler Gastroenteritiden in allen Altersgruppen; Gipfel im Winterhalbjahr (November bis April); Ausbrüche besonders auf Kreuzfahrtschiffen und in Pflegeheimen; Inkubationszeit 24–48 Stunden
  • Rotavirus: vor allem Kleinkinder (Gipfel 3–15 Monate); Inkubationszeit 1–3 Tage
  • Astro- und Adenoviren: vor allem Säuglinge und Kleinkinder

Bakterielle Gastroenteritiden sind seltener als virale; häufige bakterielle Erreger sind Campylobacter, Salmonellen, Shigellen, E. coli und C. difficile. Von Reisediarrhö sind je nach Region und Jahreszeit 30–70 % der Reisenden innerhalb von zwei Wochen betroffen.

Ätiopathogenese

Typische Infektionsquellen:

  • Salmonellen und Campylobacter: meist nicht durchgegartes Geflügel, auch Rohmilch; Campylobacter gelegentlich von Hunden oder Katzen mit Durchfall; Salmonellen auch durch rohe Eier und Kontakt mit Reptilien, Vögeln oder Amphibien
  • Shigellen: meist von Mensch zu Mensch; Shigella dysenteriae Typ 1 bildet Shiga-Toxin
  • Yersinia enterocolitica: nicht durchgegartes Schweinefleisch, Rohmilch, verunreinigtes Wasser
  • Vibrionen: nicht durchgegarte Meeresfrüchte; V. cholerae bei fehlendem sauberem Trinkwasser
  • Giardia: von Mensch zu Mensch (oft in Kitas) oder über Zysten in Wasser und Lebensmitteln; Cryptosporidium: meist über Wasser, schwer durch Chlor abzutöten
  • Noroviren: über Wasser, Lebensmittel und von Mensch zu Mensch; hoch ansteckend

Reisediarrhö: häufigster Erreger sind enterotoxinbildende E. coli, außerdem Campylobacter jejuni, Shigellen, Salmonellen und enteroaggregative E. coli. Die Ansteckung erfolgt über Wasser und Lebensmittel, auch über Eiswürfel oder mit örtlichem Wasser gewaschene Speisen. Medikamente, die die Magensäure senken, erhöhen das Risiko schwererer Verläufe.

Klinik

Meist beginnt die Erkrankung plötzlich mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Durchfall (mit oder ohne Blut und Schleim), oft mit Krankheitsgefühl und Muskelschmerzen. Das Abdomen kann gebläht und leicht druckschmerzhaft sein; die Darmgeräusche sind lebhaft (anders als beim paralytischen Ileus).

  • Norovirus: akutes Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall über 1–3 Tage; bei Kindern steht Erbrechen, bei Erwachsenen Durchfall im Vordergrund; Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen möglich
  • invasive Bakterien (z. B. Shigellen, Salmonellen): häufiger Fieber, starke Erschöpfung und blutiger Durchfall
  • E. coli O157:H7: zunächst starke Bauchkrämpfe und wässriger Durchfall, nach 1–2 Tagen blutig; kaum Fieber; mögliches hämolytisch-urämisches Syndrom mit Nierenversagen und hämolytischer Anämie
  • Yersinien: Schmerzen im rechten Unterbauch, die eine Appendizitis nachahmen
  • Parasiten: subakuter oder chronischer, meist nicht blutiger Durchfall, Müdigkeit, Gewichtsverlust; Ausnahme ist die Amöbenruhr
  • Reisediarrhö: Beginn 12–72 Stunden nach der Aufnahme, selten blutig, meist mild

Folgen: Flüssigkeitsverlust mit Hypotonie und Tachykardie bis zum hypovolämischen Schock mit Nierenversagen; bei vorwiegendem Erbrechen metabolische Alkalose mit Hypochlorämie, bei vorwiegendem Durchfall metabolische Azidose; Hypokaliämie. Besonders gefährdet sind sehr junge, ältere und immungeschwächte Menschen. Nach der Erkrankung können ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom und Dyspepsie auftreten.

Diagnostik

  • Anamnese und Untersuchung: reichlich wässriger Durchfall, möglicherweise verunreinigte Lebensmittel oder Oberflächenwasser, kürzliche Reise, Kontakt zu Erkrankten oder Tieren; Einnahme antibakterieller Medikamente in den letzten drei Monaten lässt an C. difficile denken
  • Akuter wässriger Durchfall: wahrscheinlich viral; Stuhluntersuchung nur bei Persistenz
  • Subakuter oder chronischer wässriger Durchfall: Untersuchung auf Parasiten (Wurmeier und Parasiten im Mikroskop, empfindlichere Antigentests auf Giardia, Cryptosporidium und Entamoeba histolytica)
  • Akuter entzündlicher Durchfall: Leukozyten im Stuhl; Stuhlkultur auf Salmonellen, Shigellen, Campylobacter und E. coli; bei sichtbarem Blut gezielte Untersuchung auf E. coli O157:H7 bzw. Shiga-Toxin
  • Multiplex-PCR-Panels werden zunehmend eingesetzt; ein positiver Norovirus-Befund ist wegen asymptomatischer Ausscheidung vorsichtig zu bewerten
  • Endoskopie bei Erwachsenen mit blutigem Durchfall und Risikofaktoren (z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Immunschwäche)
  • Reisediarrhö: meist keine spezielle Diagnostik; Fieber, starke Bauchschmerzen und blutiger Durchfall sprechen für einen schwereren Verlauf

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Infektiöse Gastroenteritis und Reisediarrhö mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Overview of Gastroenteritis
  2. MSD Manual Professional: Traveler's Diarrhea
  3. MSD Manual Professional: Norovirus Gastroenteritis
  4. StatPearls: Bacterial Gastroenteritis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.